Wirtschaft
Schlechte Noten für Facebook & Co.
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 27.03.2010
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Das Urteil der Stiftung Warentest ist so verheerend wie eindeutig. Von zehn sozialen Netzwerken erhält keines eine gute Note beim Datenschutz. Mit Abstand am schlechtesten schneiden etwa Facebook, ( 31.91 -3.39%) Linked In und Myspace ab. Sie weisen gerade bei den Nutzerrechten «erhebliche Mängel» auf: Alle drei Portale, kritisieren die Tester, schränkten die Rechte der Nutzer stark ein, genehmigten sich selbst aber grosse Freiheiten - etwa, wenn es um die Weitergabe der Daten an Dritte geht.
Bei Facebook etwa heisst es in den Geschäftsbedingungen: «Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest.» Im Klartext bedeutet das: Facebook hat das Recht, auf der Plattform veröffentlichte Texte und Bilder ohne Einwilligung des Nutzers weiter zu verwenden.
Einstellungen nicht für alle verständlich
Die Datenschutzmassnahmen bei sozialen Netzwerken wie Facebook und deren Umgang mit den privaten Informationen der Nutzer werden nicht zum ersten Mal kritisiert. Letztes Jahr zeigten zwei Forscher von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, wie sie dank sozialen Netzwerken die neunstellige Sozialversicherungsnummer von fünf Millionen Amerikanern ermitteln konnten. Das ist dramatisch: Diese Nummer öffnet in den USA die Tür zu Bankkonten, Kreditkarten und Ähnlichem.
Das Problem ist nicht bloss, dass die sozialen Netzwerke zu wenig Schutz bieten. Eine Untersuchung in den USA zeigt auch, dass ein Viertel der Nutzer die verfügbaren Einstellungen nicht versteht. Wie viele Nutzer gar nicht wissen, welche Einstellungen ihnen zur Verfügung stünden, ist eine andere Frage. Eine Analyse von 45 sozialen Netzwerken an der Universität Cambridge aus dem letzten Jahr ergab, dass die Plattformen absichtlich verschleiern, welche Datenschutzmassnahmen überhaupt möglich sind. Ziel dieser Taktik sei, die Vergleichbarkeit unter den Seiten zu verhindern - damit kein Wettbewerb auf diesem Gebiet entsteht. Die Studienautoren Joseph Bonneau und Sören Preibusch fassen zusammen: «Aufgrund unserer Daten machen wir uns ernsthaft Sorgen.»
Der Popularität schadet es nicht
Die Vertuschungstaktik hat auch mit den wirtschaftlichen Interessen der sozialen Netzwerke zu tun. Sie leben von ihrer Popularität bei den Nutzern - und diese wiederum ist abhängig von den Inhalten - also davon, wie bereitwillig die Nutzer Informationen teilen. Am Ende verdienen Facebook & Co. ihr Geld damit, Daten über ihre Nutzer an Dritte zu verkaufen. Etwa, damit Letztere möglichst passgenaue Werbung schalten können. Je strikter der Datenschutz, desto schwieriger wird das.
Bislang tun die laschen Kontrollmöglichkeit der Popularität von sozialen Netzwerken keinen Abbruch: Facebook verzeichnet über 400 Millionen Nutzer - mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr. In der Schweiz nutzen gemäss der Marktforschungsfirma Nielsen 2,4 Millionen Menschen aktiv ein soziales Netzwerk, im Schnitt während 3,5 Stunden pro Monat - alleine von zu Hause aus. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.03.2010, 18:57 Uhr
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