Wirtschaft

«Schockiert über die Brutalität der Entlassung»

Aktualisiert am 29.04.2012 38 Kommentare

Der Genfer Stadtpräsident Pierre Maudet kritisiert das Vorgehen der Konzernspitze bei der Schliessung des Merck-Serono-Standorts. Auch von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann hätte er mehr Einsatz erwartet.

«Bereit, ins Flugzeug zu steigen»: Pierre Maudet bei einer Pressekonferenz in Genf. (21. März 2012)

«Bereit, ins Flugzeug zu steigen»: Pierre Maudet bei einer Pressekonferenz in Genf. (21. März 2012)
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Werbung

Der Genfer Stadtpräsident Pierre Maudet (FDP) zeigt sich enttäuscht über die ausbleibende Unterstützung von Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann – seinem Parteikollegen – im Kampf gegen die bevorstehende Schliessung des Merck-Serono-Standorts in Genf.

«Ich glaube an die Politik, an die Fähigkeit, die Sachen zu bewegen», erklärte Maudet in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». Wenn die Politik das nicht könne, müsse man sich fragen, wieso es einen Wirtschaftsminister überhaupt brauche.

«Mit der Merck-Spitze diskutieren»

Man müsse auf Bundesebene nicht nur an die Rahmenbedingungen denken, sondern auch an effektive Einsätze. «Ich persönlich bin jedenfalls bereit, ins Flugzeug zu steigen und nach Darmstadt zu fliegen, um mit der Merck-Spitze zu diskutieren», sagte der Stadtpräsident.

Über das Verhalten des deutschen Pharma- und Chemieunternehmens, das die Schweizer Biotechfirma Serono mitsamt Genfer Standort Anfang 2007 übernommen hatte, zeigt sich der Genfer Stadtpräsident ebenfalls wenig angetan. Er sei schockiert über die «Brutalität der Entlassung» und über die Art und Weise, wie sie von Merck (MRK 35.739 -0.09%) vorgenommen worden sei.

«Befremdender Entscheid»

Der Entscheid zum Standort- und Stellenabbau sei umso befremdender, als das Unternehmen erst vor kurzem die Dividende für seine Aktionäre um 20 Prozent erhöht habe. Er wolle weiterhin bei Merck protestieren, nicht nur für einen guten Sozialplan, sondern auch gegen den Schliessungsentscheid an sich.

Am Dienstag hatte Merck bekannt gegeben, die Schweizer Zentrale seiner Pharmatochter Merck Serono in Genf zu schliessen. In der Rhonestadt gehen so über 1250 Arbeitsplätze verloren. Auf 500 Stellen will Merck ganz verzichten, die übrigen Arbeitsplätze werden nach Deutschland, in die USA und nach China verlegt.

Angestellte in Corsier und Aubonne können bleiben

Gute Nachrichten gab es heute für die Angestellten der Merck-Serono-Produktionsstandorte in Corsier-sur-Vevey VD und Aubonne VD: Sie sind nicht von den Entlassungen betroffen. Dies bekräftige François Naef, der Verwaltungsratspräsident von Merck Serono, in einem Interview mit «Le Matin Dimanche».

An den beiden Standorten, die zusammengerechnet rund 800 Mitarbeitende beschäftigen, wolle der Mutterkonzern Merck in Zukunft sein Fachwissen im Bereich biotechnologischer Produktion konzentrieren, sagte Naef. Aus diesem Grund beabsichtige man, die Standorte weiterzuführen.

Naef gab allerdings zu bedenken, dass die Fabrik in Corsier-sur-Vevey derzeit über personelle Überkapazitäten verfüge. Das Krebs-Medikament Erbitux, in das grosse Hoffnungen für die Behandlung von Lungenkrebs gesetzt wurden, habe die Genehmigung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA für diese Anwendung nicht erhalten, erklärt er. Allein im Jahr 2011 habe Merck Serono deswegen Abschreibungen in der Höhe von 198 Millionen Franken an diesem Standort vornehmen müssen. (fko/sda)

Erstellt: 29.04.2012, 11:15 Uhr

38

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

38 Kommentare

Marc Keller

29.04.2012, 11:31 Uhr
Melden 80 Empfehlung 0

In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Kirsty Bertarelli heute die Titelseite der Sunday Times als reichste Frau Englands schmückt. Aber noch nicht genug, Bertarelli und seine Kirsty sind mit rund 11 Milliarden CHF das reichste Ehepaar im königlichen Inselreich. Die Moral der Geschichte, abkassieren, abreisen, alles nach dem Prinzip: Nach uns die Sintflut. Hauptsache, uns geht es gut. Antworten


Frei Kurt

29.04.2012, 11:48 Uhr
Melden 64 Empfehlung 0

Schon mit dem Verkauf der Firma ging die Vermutung um, dass dort in ein paar Jahren Schluss ist. Man hätte damals zu Klauseln greifen können, und man hätte Zeit gehabt anzupassen. Stattdessen bejubelten die Medien die 17 Mrd. des B. und seine Segelkünste, auch dass er im VR des untergehenden >Supertankers< UBS sass, gab keinen Anlass zu Kritik... Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Seit 15 Jahren steigt die Anzahl Ferienwochen für Arbeitnehmer leicht an. Profitieren Sie davon?



Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Flugpreise vergleichen

Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.

Agenda

Alle Events im Überblick.