Wirtschaft

Schweizer Banken stehen am Pranger wegen Streubomben

Aktualisiert am 15.04.2010

Zwei Organisationen lancieren eine Kampagne gegen Produzenten von Streumunition. In der Kritik stehen auch Schweizer Banken. Diese relativieren ihre Bedeutung im Milliardengeschäft mit Streubomben.

Waffe mit verheerender Wirkung: Streubombe.

Waffe mit verheerender Wirkung: Streubombe.
Bild: Keystone

Banken sollen nicht weiter die Herstellung von Streumunition finanzieren: Das fordern die Hilfsorganisation Handicap International (HI) und die katholische Friedensorganisation Pax Christi. In der Schweiz stehen die Grossbanken UBS und CS sowie die Privatbank Vontobel am Pranger.

HI und Pax Christi lancierten am Mittwoch eine Kampagne, mit der den Produzenten von Streubomben der Kredithahn zugedreht werden soll. In der Schweiz würden UBS, CS und Vontobel die sieben führenden Hersteller von Streumunition unterstützen. Der Löwenanteil der Gelder stammt von US-Banken. UBS, CS und Vontobel finanzierten das Geschäft mit rund einer halben Milliarde Franken, sagte der Direktor von HI Schweiz, Paul Vermeulen, vor den Medien.

Banken relativieren

Die UBS erklärte dazu, sie habe vor kurzem beschlossen, bei schweizerischen und luxemburgischen Fonds solche Firmen auszuschliessen. Die Grossbank verfüge über interne Richtlinien, welche die Handelsfinanzierung für bestimmte Kriegsmaterialien verbieten. Davon betroffen seien auch Streubomben, sagte ein UBS-Sprecher auf Anfrage.

Ein Sprecher der Credit Suisse erklärte, die Bank verfolge die Entwicklung in diesem Geschäftsfeld sehr aufmerksam und respektiere strikt Gesetz und internationale Abkommen. Die CS spiele in diesem Bereich nur eine marginale Rolle - das Engagement erfolge dabei in der Regel im Auftrag des Kunden. Die Bank sei sich des Problems bewusst, letztlich würden aber die Kunden entscheiden, wo sie ihr Geld anlegen.

Milliardengeschäft

Laut HI halten neben den Schweizer Grossbanken 25 weitere Schweizer Finanzinstitute Aktien oder Obligationen der betroffenen Firmen. Es sei nicht akzeptabel, das Spar- und Pensionskassengelder der Schweizer Bevölkerung in die Produktion von Waffen flössen, die in der ganzen Welt Menschen töteten oder verstümmelten, sagte Direktor Vermeulen.

Insgesamt seien es 146 Finanzinstitute in 15 Ländern, die diesen Firmen in den USA, Südkorea und Singapur zusammen 43 Milliarden Dollar zur Verfügung stellten, heisst es in einem Bericht der beiden Organisationen.

Ross Boer von Pax Christi betonte, es habe keinen Sinn, dass sich ein Staat für das Verbot von Streumunition einsetze und gleichzeitig die Finanzierung dieser Bomben zulasse. Die Kunden jener Banken, die in diesem Geschäft tätig seien, müssten Transparenz verlangen. (vin/sda)

Erstellt: 14.04.2010, 22:25 Uhr

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