Wirtschaft

Schweizer Banken verzichten auf Drogentests

Der Urin sagt nichts über die Qualität eines Stellenbewerbers.

Routinemässige Drogentests bei Neuanstellungen sind in der Schweiz nicht üblich. Alle angefragten Banken geben an, weder allgemeine Gesundheitsuntersuchungen noch spezifische Drogentests durchzuführen. In den Augen des Fachmanns ergeben solche Routineuntersuchungen auch kaum Sinn. Rudolf Stohler, leitender Arzt im Zürcher Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen, reagiert skeptisch: «Die Qualität eines Stellenbewerbers lässt sich kaum im Urin messen.»

Er wolle den Kokainkonsum keineswegs verharmlosen. Wenn aber jemand hin und wieder über das Wochenende Kokain konsumiere, sei das kein Grund, einen solchen Menschen aus der Arbeitswelt zu entfernen. «Kokain im Urin heisst nicht unbedingt», so Stohler weiter, «dass jemand abhängig ist oder eine Abhängigkeit entwickelt.»

Stohler weist ferner darauf hin, dass die Gefahr nicht nur von einzelnen Drogen wie Kokain ausgeht. Es gebe Hunderte von Substanzen, die in die Abhängigkeit führen können. Aus eigener Erfahrung mit Tests weiss der Mediziner: «Die Leute weichen auf Substanzen aus, die man nur schwer nachweisen kann.»

Stohler bestätigt, dass unter den Kokainkonsumenten Leute mit Stressjobs überproportional vertreten sind – etwa Menschen aus der Finanzbranche oder Informatiker. «Diese Leute nehmen aber in der Regel während der Arbeit kein Kokain.» Sie unterscheiden sich von anderen Drogenkonsumenten in der Art des Konsums. Verbreitet seien etwa Wochenend-Happenings. Dabei würden auch Frauen eingeflogen. Darunter – so Stohler – gebe es Leute, die gut und gern 100'000 Franken im Jahr für solche Partys ausgeben.

Die meisten grösseren Unternehmen haben Präventionsprogramme und bieten Betroffenen Unterstützungsangebote an. Bei der Zürcher Kantonalbank etwa können Mitarbeitende und Führungskräfte in besonderen Belastungs- und Problemsituationen rasch und anonym die Hilfe von professionellen Beraterinnen und Beratern in Anspruch nehmen. Bei Verdacht auf Suchtprobleme schreite der Arbeitgeber ein. Drogenkonsum werde dabei wie jedes andere Suchtthema behandelt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2009, 22:10 Uhr

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