Wirtschaft
«Selbst eine Senkung der Gewinnsteuern wäre wirkungslos»
Interview: Alexander Müller. Aktualisiert am 31.10.2012 12 Kommentare
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In knapp zwei Jahren verlegt die SBB Cargo ihren Hauptsitz nach Olten. Bisher operierte der Betrieb mit rund 500 Angestellte im «Elsässertor» beim Basler Bahnhof SBB. Weil die Miete für die Firma jedoch zu hoch ist, hat man sich zusammen mit den Basler Wirtschaftsförderern nach einer günstigeren Alternative umgeschaut. Ohne Erfolg. Gemäss dem Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin hält sich der Schaden für den Wirtschaftsraum jedoch in Grenzen.
Was bedeutet der Entscheid der SBB Cargo für Basel?Er ist sehr bedauerlich. Wir waren schon seit rund einem Jahr mit SBB Cargo im Gespräch und wussten, dass ihr Mietvertrag ausläuft. Wir haben versucht, SBB Cargo zu helfen und sie zu überzeugen, am Platz Basel zu bleiben. Doch die Anforderungen waren zu hoch.
Inwiefern?Sie brauchten eine relativ grosse zusammenhängende Fläche direkt in Zentrumsnähe. Und günstiger als im «Elsässertor», wo die Firma bisher eingemietet war. Büroflächen zu diesen Bedingungen gibt es in Basel nicht. Was wir hätten anbieten können, wäre teurer gewesen, oder in der Peripherie gelegen. SBB Cargo versucht an allen Enden und Ecken Kosten zu sparen.
In einer kleinen Stadt wie Olten gibt es Büroflächen in dieser Grössenordnung, in Basel aber nicht? Es gibt sie auch in Basel. Aber nicht im Zentrum. Und schon gar nicht zu den Preisvorstellungen der SBB.
Wie viel war die SBB denn bereit zu zahlen?Weniger als bisher.
Ist der Büroraum in Basel zu teuer?
Nein. Im Vergleich mit anderen Städten wie zum Beispiel Zürich sind die Mieten in Basel eher günstig. Aber in Zentrumsnähe sind sie natürlich höher als in der Peripherie. Vielen Unternehmen ist die Lage nicht so wichtig. Für die SBB Cargo war dies jedoch ein wichtiges Kriterium.
Warum war die Zentrumsnähe so wichtig?
SBB Cargo hat in Basel Mitarbeiter aus der ganzen Schweiz zusammengezogen. Die meisten kommen mit dem Zug zur Arbeit. Darum ist Olten für viele Cargo-Mitarbeiter besser, da sie künftig einen kürzeren Arbeitsweg haben.
Stehen die Firmen für den freiwerdenden Raum in Basel Schlange?
Im Allgemeinen gehen Mietflächen an guten Lagen schnell weg. Allenfalls stellt sich die Frage, ob die doch relativ grosse Bürofläche unterteilt wird und dann gestückelt angeboten wird. Denn in Basel kommt durch den Bau des Roche-Turms bald viel Bewegung in den Markt. Da werden vermutlich einige Objekte wieder angeboten. Auch in Zentrumsnähe. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass der Abgang der SBB Cargo eine nicht schliessbare Lücke hinterlassen könnte.
Hat die Wirtschaftsförderung Fehler gemacht?
Nein. Das bestätigt auch SBB Cargo. Sie haben unsere Bemühungen sehr geschätzt. Aber wir können nicht etwas hinzaubern, was es nicht gibt.
Ein steuerliches Entgegenkommen war kein Thema?
Nein. Dafür fehlt die rechtliche Grundlage. Ausserdem ist SBB Cargo eine Firma die Verlust schreibt. Da würde selbst eine Senkung der Gewinnsteuern nichts bewirken.
Und nur zu einem Teilauszug war die SBB nicht zu bewegen?
Nein. Die Firma räumlich zu unterteilen macht betrieblich aus Sicht der SBB Cargo keinen Sinn. Dafür habe ich Verständnis. Ausserdem: Olten ist nicht weit weg. Für den Logistik-Cluster Basel ist der Wegzug der SBB Cargo kein Einschnitt. Es ist einfach bedauerlich für die Angestellten aus der Region Basel. Die haben in Zukunft einen etwas weiteren Arbeitsweg.
Sind Büroflächen in Basel generell knapp?
Nein. Unsere Situation ist viel besser als beispielsweise in Genf oder Zürich. Der Raum kann aber natürlich knapp werden, wenn man ganz spezifische Anforderungen stellt, wie dies die SBB getan hat.
Wie kann die Situation verbessert werden?
Das ist relativ schwierig. Basel hat alles ausser Platz auf der grünen Wiese. Um ein Steigen der Preise zu verhindern braucht es zusätzliche Angebote. Das ist jedoch keine Aufgabe der öffentlichen Hand. Und Private machen es nur, wenn sie eine entsprechende Rendite in Aussicht haben. Aber einen Notstand im Büroflächenbereich haben wir derzeit sicher nicht. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.10.2012, 17:16 Uhr
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12 Kommentare
Eigentlich kaum ein Verlust für Stadt und Kanton. Die meisten Mitarbeitenden scheinen nicht in Basel zu wohnen und zahlen ihre Steuern anderswo. Die Firma selbst macht keinen Gewinn und bezahlt auch keine Steuern. Wahrscheinlich ist es deshalb besser wenn jemand in diese modernen Büros an bester Lage einzieht der der Stadt / dem Kanton Steuersubstrat zufliessen lässt. Antworten
Kann mir mal jemand erklären wieso SBB Cargo überhaupt nach Basel gezogen ist?
Wieso zum Henker hat sich diese Firma in Basel niedergelassen wenn fast alle Mitarbeiter einen langen Weg nach Basel pendeln mussten.
Was für ein logistischer Murks - und das erst noch von einer Logistikfirma.
Kein Wunder dass der Laden nicht läuft.
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