Wirtschaft
Senator fordert AIG-Manager zum Selbstmord auf
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 18.03.2009 2 Kommentare
«Zurücktreten oder Selbstmord begehen»: Senator Charles Grassley. (Bild: Keystone)
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Nachdem am Wochenende bekannt geworden war, dass AIG 165 Millionen Dollar an Boni auszahlen wird, reagierten viele Amerikaner mit Wut. Seit September erhielt AIG rund 180 Milliarden Dollar an Staatshilfen, der Staat hält 79,9 Prozent der Anteile an dem Konzern.
Der Skandal um AIG bedroht inzwischen die politische Agenda von Präsident Obama, der befürchten muss, dass sich der Volkszorn über ihm entladen wird. Derart am Kochen ist die amerikanische Volksseele, dass vor AIGs Hauptquartier im Staat Connecticut nahe New York Wachmänner aufgezogen sind. Nach Auskunft des Unternehmens erhielten Angestellte Todesdrohungen, auch machten Bürger ihrem Unmut telefonisch und per E-Mail Luft. «Die Leben der Leute sind in Gefahr», äusserte sich ein ungenannter Topmanager von AIG gegenüber der «Washington Post».
Bonuszahlungen auf Eis legen
Jetzt hat Finanzminister Timothy Geithner reagiert. Er kündigte die Abwicklung des Unternehmens an. Angesichts der «beträchtlichen Wut» über die an AIG-Manager gezahlten Boni werde sein Ministerium sämtliche «verantwortungsvollen Methoden» ausloten, um die «geordnete Abwicklung» des Konzerns zu beschleunigen.
Das für die umstrittenen Boni verwendete Geld müsse AIG der Regierung zurückzahlen. Er habe zudem Konzernchef Edward Liddy aufgefordert, für dieses Jahr geplante Bonuszahlungen in Höhe von hunderten Millionen Dollar auf Eis zu legen.
«Zurücktreten oder Selbstmord begehen»
Am Montag hatte der republikanische Senator Charles Grassley (Iowa) die Manager von AIG aufgefordert, sie sollten dem «japanischen Modell folgen» und entweder «zurücktreten oder Selbstmord begehen». Grassley ruderte am Dienstag indes umgehend zurück und sagte, keineswegs habe er den Suizid empfohlen. In Washington suchten Kongress und Obama-Administration unterdessen auch gestern fieberhaft nach einem Ausweg aus der Krise, dies um so mehr, als AIG auf Druck des New Yorker Justizministers Andrew Cuomo gestern bezifferte, wie viel an Bonusgeldern bereits ausbezahlt wurde oder in den kommenden Tagen noch ausbezahlt wird.
Höchster Bonus: 6,4 Millionen Dollar
Danach werden ausgerechnet in der Sparte Finanzprodukte, die den Konzern durch ihre Kreditausfallversicherungen und Derivate in die Insolvenz gerissen hatte, 73 Mitarbeiter eine Million Dollar und mehr an Boni oder Treueprämien erhalten – obwohl einige der mit den Prämien bedachten Angestellten den Konzern zwischenzeitlich bereits verlassen haben. Der höchste Bonus in der Abteilung Finanzprodukte betrug 6,4 Millionen Dollar, sechs weitere Manager erhielten Boni von über vier Millionen Dollar.
Nun will der demokratische Vorsitzende des Finanzausschusses im Senat, Max Baucus (Montana), heute eine Vorlage einbringen, wonach auf die AIG-Boni eine Steuer in Höhe von 98 Prozent erhoben würde. Schon gestern hatten die Abgeordneten Steve Israel und Tim Ryan im Repräsentantenhaus einen Antrag vorgelegt, dem zu Folge sämtliche Boni über 100'000 Dollar mit 100 Prozent besteuert werden sollen, falls das auszahlende Unternehmen Staatshilfe erhalten hat. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 18.03.2009, 10:50 Uhr
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2 Kommentare
Schlimm ist, dass auch hierzulande fast niemand klaren Wein ausschenkt... Wir brauchten ein neues, weltweites Finanzsystem. Aber diese Abzocker, diese Wegelagerer (frei nach ex-NR Ziegler) haben vor die Welt weiter in die Pfanne zu hauen! Apell an alle "kleinen" Sparer, die noch nicht zu Schaden gekommen sind: zieht euer Geld ab (Teppich) und nur dann fällt die Bankenblase in sich zusammen...Think Antworten
Der richtige Ansatz. Bonuszahlungen und Abgangsentschädigungen in Millionenhöhe mit 98 % Steuern belegen und die Beträge der AHV zufliessen lassen. Bei allen Unternehmen, auch die ohne Staatshilfe. Man kündet schon jetzt für 2010 Erhöhungen der Krankenkassenprämien bis 10% an und ein Vasella bezieht ungeachtet des Volkszorns unbeeidruckt 30 Millionen. Antworten
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