Wirtschaft

So flog Boeing ins Dreamliner-Debakel

Aktualisiert am 30.09.2009

Mit seinem neuen Jet hat der amerikanische Hersteller immer wieder Pannen, der Erstflug des 787 Dreamliner wurde immer wieder verschoben. Die Geschichte einer schweren Geburt.

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Der Bau des Dreamliners ist laut der «Süddeutschen Zeitung» ein Industrie-Desaster in sechs Akten. Der erste Akt findet am 8. Juli 2007 statt: Boeing will das neue Traumflugzeug erstmals der Öffentlichkeit zeigen. Was das Publikum auf dem Werksflughafen in Everett/Washington zu sehen bekommt, ist allerdings nur eine Attrappe. Nach der Premiere wird das Flugzeug wieder zerlegt.
Bild: Reuters

   

Der US-Flugzeugbauer Boeing kann den Zeitplan für seinen neuen Hoffnungsträger 787 Dreamliner einfach nicht einhalten. Der zuletzt für Ende Juni geplante Erstflug des Langstreckenflugzeugs wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund führte Boeing technische Probleme an der Rumpfseite an. Im August hat Boeing den zuständigen Chef der Verkehrsflugzeug-Sparte, Scott Carson, ausgewechselt. Der bisherige Leiter des Militär-Geschäfts, Jim Albaugh, soll das ins Trudeln geratene Prestige-Projekt aus der Krise führen. Das einst umjubelte Projekt eines neuen Traumflugzeugs liegt vor allem wegen Problemen mit Zulieferern fast drei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Inzwischen hat Boeing-Marketingchef Randy Tinseth in seinem Internet-Blog verkündet, dass die Ingenieure für neue technische Probleme an der Rumpfseite innerhalb eines Monats eine Lösung präsentieren werden, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Der Erstkunde All Nippon Airways (ANA) soll den Dreamliner im Sommer 2010 ausgeliefert bekommen - allerdings ohne Gewähr aufgrund der bisherigen Erfahrungen. Über die zusätzlichen Kosten, die durch die bislang fünf Verspätungen entstanden sind, macht der amerikanische Flugzeugbauer keine genauen Angaben. «Schätzungen gehen weit auseinander, sie reichen bis zu einem Betrag von elf Milliarden Dollar», heisst es im Zeitungsbericht. Die missglückte Entwicklung des Dreamliners bezeichnet die «Süddeutsche Zeitung» als «Industrie-Desaster in sechs Akten» (siehe Bildstrecke).

Boeing will mit der 787 ein neuartiges Flugzeug auf den Markt bringen, das fast vollständig aus Kohlefaser-Verbundstoffen besteht, statt der herkömmlichen Aluminium-Bauteile. Dadurch sollen Gewicht und Kerosinverbrauch deutlich gesenkt werden. Insgesamt hat Boeing eigenen Angaben zufolge bislang 866 Bestellungen für den Dreamliner erhalten. Damit ist der neue Langstreckenjet das meistbestellte Modell in der fast 100-jährigen Boeing-Geschichte. Erzrivale Airbus will bis 2013 für elf Milliarden Euro die A350 entwickeln, um gegen die 787 anzutreten. (vin)

Erstellt: 30.09.2009, 10:00 Uhr

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