Wirtschaft

So springt die UBS mit Kleinkunden um

Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 02.07.2009 51 Kommentare

Seit die USA die UBS in den Schwitzkasten genommen haben, stellt die Bank reihenweise Kunden vor die Tür. Es trifft auch langjährige und harmlose Kunden, wie ein Fall zeigt.

Pascal Maître ist nicht gut auf die UBS zu sprechen: «Um vor der amerikanischen Steuerbehörde gut dazustehen, nimmt sie in Kauf, loyale Schweizer Kunden zu opfern – vor allem, wenn sie nicht allzu vermögend sind.» Maître (42), von Kindesbeinen an dank Jugendsparbuch UBS-Kunde, in Zug geboren, in Baar aufgewachsen, ist seit bald fünf Jahren samt Familie als Controller in Seattle ansässig.

Es war Ende März, als Maître von der UBS einen Brief erhielt. «Registered mail» stand über der Adresse – eingeschriebener Brief. Doch der Umschlag kam mit der normalen Post.

Schreiben auch an Schweizer in den USA

Es ist das Schreiben, das die UBS seit Monaten an Zehntausende von Kunden verschickt – an US-Amerikaner, aber auch an Schweizer mit Wohnsitz in den USA. Über die genaue Zahl der verschickten Briefe schweigt sich die Bank aus. Die immer wieder genannten 52'000, auf deren Daten die amerikanischen Steuerbehörden aus sind, bestätigt die UBS bis heute nicht. Ein Sprecher redet nur von einer «sehr grossen Zahl».

Im Brief erinnert die UBS daran, dass sie Kunden mit Wohnsitz in den USA nicht länger Dienstleistungen anbieten wolle. Es sei denn, über US-regulierte Geschäftseinheiten. Diese Möglichkeit steht aber nur Privatkunden, also solchen mit grossen Vermögen, offen. Und sie bedeutet, dass diese Kunden ihre Daten gegenüber den US-Steuerbehörden offenlegen müssen.

Vermögenswerte verschieben

Wer von dieser Möglichkeit nicht Gebrauch machen will oder kann, wird im Brief aufgefordert, der UBS eine andere Bank zu nennen, auf die die Vermögenswerte verschoben werden können. Das ist die Verabschiedung jener Kunden, die für die UBS zu heiss geworden sind.

Maître hat nichts zu verbergen. Als lokal Angestellter bezahlt er in den USA normal Steuern. Auf seinem UBS-Depot hatte er Anteile an zwei Fonds im Gesamtwert von gut 30'000 Franken – im Zeitpunkt Frühjahr 2007, also vor der Finanzkrise.

Der Auslandschweizer reagierte umgehend auf den Brief. Er wies die UBS an, die Fondsanteile auf sein Depot bei der Bank of America zu transferieren. «Die UBS hat sich jedoch entschieden, diesen Wunsch zu ignorieren.» Sie verkaufte die Fondsanteile ohne weitere Rücksprache. «Zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt», wie Maître betont. Die Fonds hatten während der Finanzkrise massiv an Wert eingebüsst. Die UBS überwies dem langjährigen Kunden weniger als 20'000 Franken. «Ich habe dadurch einen Verlust von mehr als 10'000 Franken erlitten, was für die UBS nichts ist, für mich hart erarbeitetes Geld.»

Unangenehme Übung

Aus Sicht der UBS gibt es dazu Verschiedenes anzumerken. Die Fonds im Depot von Pascal Maître sind in den USA nicht zugelassen. Sie konnten deshalb nicht auf die Bank of America übertragen werden. Im Antwortformular ihres Briefes hat die UBS ausdrücklich und fett gedruckt auf mögliche Einschränkungen dieser Art hingewiesen und festgehalten, dass in einem solchen Fall die Papiere verkauft werden müssten. Maître kam nicht auf die Idee, dass ausgerechnet seine Fonds in den USA nicht zugelassen sein könnten.

Rechtlich hat sich die Bank damit nichts vorzuwerfen. Bleibt die Frage, weshalb sie vor dem Verkauf nicht mit dem Kunden Rücksprache genommen hat. Ein Sprecher verweist auf die grosse Kundenzahl. Rein logistisch sei es schwierig, telefonisch noch einmal auf diese Kunden zuzugehen. Der Sprecher räumt aber ein, dass die ganze Übung für die Kunden unangenehm und mit Aufwand verbunden sei.

Die Pille schmeckt bitter

Im Fall Maître wäre es gemäss UBS sinnvoll gewesen, er hätte das überwiesene Geld wieder in vergleichbare, in den USA zugelassene Fonds investiert. So könnte er an einem Wertzuwachs teilhaben, sobald die Kurse wieder steigen, argumentiert die Bank. Auch dieser Tipp wurde dem langjährigen Kunden aber nicht mitgeteilt. Entsprechend enttäuscht ist Maître: «Ich bin überzeugt, dass die UBS vermögenden Kunden bereits im Vorfeld geholfen hat, die bestmöglichen Alternativen zu finden.» Ihm bleibe wohl nichts anderes übrig, als diese bittere Pille einfach zu schlucken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.07.2009, 23:08 Uhr

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51 Kommentare

Ronnie König

03.07.2009, 09:35 Uhr
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Der Kapitalismus und seine seltsamen Blüten kommen mir vor, wie die Angsttriebe beim Baumsterben. Rational ist da nicht viel, aber ein interessanter Einblick in die Psychologie des Marktes und der Gesellschaft. Genau so die Kommentare. Die UBS ist eine heisse Kartoffel! Antworten


Ernst Gyger

03.07.2009, 09:03 Uhr
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Der Beitrag zeigt exemplarisch auf, wie die Steuerpolitik der USA in die Privatsphäre der Menschen (auch in anderen Staaten) einschneidet. M. hat sich korrekt verhalten, fällt aber aus formal-juristischen Gründen (Konto CH) zwischen die Staatsapparate. Die UBS ist am zusätzlichen Aufwand sicherlich nicht interessiert. Aber der Staat wird jeden noch so kleinen Bürger jagen. Antworten



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