Solarfirmen fürchten um Existenz

Der Bund will in Gebäude integrierte Solaranlagen nicht mehr speziell fördern und die Vergütungstarife stark kürzen. Für den Berner Solarunternehmer André Posnansky hätte dies Folgen – wie auch für die Meyer-Burger-Gruppe.

Solarziegel produzieren Strom und schützen das Dach. Der Bund will die Fördertarife für solche integrierten Anlagen kürzen. Unternehmer André Posnansky wäre empfindlich getroffen.

Solarziegel produzieren Strom und schützen das Dach. Der Bund will die Fördertarife für solche integrierten Anlagen kürzen. Unternehmer André Posnansky wäre empfindlich getroffen. Bild: Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Solaire Suisse vertreibt keine Massenware: Das Berner Unternehmen von Geschäftsführer und Hauptaktionär André Posnansky verkauft Solarziegel, die nicht nur Strom produzieren, sondern zugleich auch das Hausdach schützen. Als sogenannt gebäudeintegriert gelten Anlagen, wenn sie eine Doppelfunktion erfüllen. In Gasel versah Solaire Suisse ein Bauernhaus mit Solarziegeln; das Projekt gewann den Schweizer Solarpreis. Posnanskys Prestigeprojekt indes ist eine der weltweit grössten integrierten Solaranlagen. Sie befindet sich auf dem Dach eines Logistikzentrums in Frankreich.

Trotz viel Prestige sieht die Zukunft von Solaire Suisse alles andere als rosig aus. Posnansky musste in den vergangenen Tagen Personal entlassen. Einzelne Auftraggeber haben sogar Bestellungen sistiert. Es ist aber nicht so, dass Solaire Suisse schlecht gewirtschaftet hätte. Der Grund, warum die Geschäfte in Gefahr sind, liegt in der Bundesverwaltung. So sieht es Posnansky.

Tarife sinken um 50 Prozent

Das Bundesamt für Energie (BFE) will nämlich die Energieverordnung revidieren. Diese regelt auch die Vergütungstarife für Solaranlagen. Sie legt fest, wie viel Geld die Betreiber garantiert für ihren Strom erhalten. Aktuell sind es für eine integrierte Anlage mit einer Leistung von 30 Kilowatt 36,5 Rappen pro Kilowattstunde. Bei integrierten Anlagen sind die Tarife am höchsten, weil auch deren Herstellung und Installation am aufwendigsten ist. Angebaute Anlagen, die auf Dächer geschraubt werden, vergütet die öffentliche Hand mit tieferen Tarifen. Noch weniger gibt es für frei stehenden Anlagen.

All diese Tarife will das BFE jetzt massiv kürzen. Bei den integrierten Anlagen ist die Reduktion am grössten, teilweise beträgt sie bis zu 50 Prozent. Zudem soll die Kategorie der integrierten Anlagen ganz verschwinden; sie sollen den angebauten Anlagen gleichgestellt werden. Schliesslich will das BFE auch die Vergütungsdauer kürzen. Derzeit erhalten Besitzer von Solaranlagen die Tarife noch während 25 Jahren. Für neue Anlagen ab 2014 soll es hingegen nur noch für 15 Jahre Gelder geben.

Im Rahmen der Anhörung zur Energieverordnung schrieb Posnansky einen Brief an BFE-Direktor Walter Steinmann: Der Bau von gebäudeintegrierten Solaranlagen werde mit der Revision «vollständig unterbunden», heisst es darin. Posnansky sagt sogar, «die integrierte Fotovoltaik ist in Gefahr, falls die Änderungen wie geplant durchkommen». Das gelte auch für seinen Zehnmannbetrieb. Unverständlich ist für den Unternehmer vor allem, dass der Bund integrierte Anlagen zurückbinden will. Auch diese könnten einen Beitrag zur Energiewende leisten. Posnansky findet sowieso, «aus ortsbildschützerischen Gründen» sollten Dachflächen in Wohngebieten nur mit integrierten Anlagen ausgerüstet werden.

Auch Meyer Burger betroffen

Dass Produkte wie Solarziegel wichtig sind, streitet auch das BFE nicht ab. Im Bericht zur geplanten Revision der Verordnung heisst es, integrierte Anlagen seien «ästhetisch hochwertig». Das sei für die «soziale Akzeptanz» der Fotovoltaik wichtig. Trotzdem will das BFE auf einen speziellen Vergütungssatz verzichten. Integrierte Anlagen könnten über «lokale Bauvorschriften und Zonenordnungen» gefördert werden, heisst es im Bericht. Auf Anfrage sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd zudem: Die Technologien der angebauten und der integrierten Anlagen näherten sich an. Das rechtfertige es nur noch einen Tarif.

Posnansky widerspricht. Integrierte Anlagen seien nach wie vor teurer als angebaute Anlagen. Einen Preiszerfall wie bei den herkömmlichen Anlagen habe es nicht gegeben. Er glaubt auch nicht, dass Zonenordnungen oder Bauvorschriften das richtige Instrument dafür sind, integrierte Anlagen zu fördern.

Unterstützt wird er vom Branchenverband Swissolar. Dieser bezeichnet in einer Mitteilung die geplanten Änderungen des BFE als «katastrophal». Die «exzessiven Tarifsenkungen» würden «massiven Schaden» verursachen. Betroffen wäre etwa auch die Thuner Solargruppe Meyer Burger. Der Solarausrüster produziert selbst integrierte Anlagen. Eine Stellungnahme wollte Meyer Burger indes nicht abgeben. Man wolle die geplante Revision erst gemeinsam mit Swissolar im Detail studieren, heisst es bei der Medienstelle.

Viel Zeit bleibt nicht mehr. Die Anhörung endet nächste Woche. Die neuen Regeln sollen schon ab 2014 gelten. Ob das BFE wirklich auf seinem Vorschlag beharrt, ist offen. Zünd zumindest signalisiert Gesprächsbereitschaft. Und man sei sich bewusst, dass die Anpassungen der Tarife «ambitioniert sind». (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.09.2013, 10:13 Uhr

Kommentare

Die Welt in Bildern

Der strenge Blick: In Hongkong werden die Sicherheitsmassnahmen hochgefahren vor der Ankunft des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. (29. Juni 2017)
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...