Wirtschaft
Standard & Poors hält UBS für dramatisch unterkapitalisiert
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 24.11.2009 34 Kommentare
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Banken im Vergleich
In Prozent
Quelle:S&P
Tier 1 und RAC
Konkret wird die Tier 1 Ratio errechnet, indem das Kern-Eigenkapital (Tier 1) durch die Gesamtsumme der risikogewichteten Anlagen geteilt wird. Zum Tier-1-Kapital zählen auch Teile des sogenannten hybriden Kapitals. Sie stellen eine Art Zwischenform von echtem Eigenkapital und Fremdkapital dar. Die Gewichtung der Anlagen nach Risiken erfolgt nach bankinternen Risikomodellen. Je höher die so berechneten Risiken, je grösser wird die Summe der Anlagen, die in die Berechnung der Tier-1-Ratio eingeht.
Die RAC-Ratio von Standard & Poors unterscheidet sich vor allem in der Art, wie die Risiken erfasst werden von der Tier 1 Ratio. An die Stelle von subjektiven Risikomodellen jeder Bank sollen möglichst objektive treten, denen die ganze Branche ausgesetzt ist. Die Ratingagentur berechnet dann den Anteil jeder Bank an diesen Branchenrisiken anhand der konkreten Geschäftszahlen. Neben einer anderen Risikobetrachtung werden weit weniger hybride Instrumente zum Kernkapital gerechnet als bei der Tier-1-Methode.
Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) hat anlässlich ihrer Zahlenpräsentation für das dritte Quartal zwar erneut einen Verlust vermeldet, doch zumindest eine wichtige Zahl hat Freude bereitet: Die sogenannte Tier 1 Ratio ist auf 15 Prozent geklettert. Noch im letzten Jahr belief sie sich auf 11 Prozent. Die Kennzahl steht für die Stärke der Bilanz einer Bank und damit für das Risiko, wenn ihre eigenen Mittel im Notfall die Verluste nicht mehr decken können. Selbst im Vergleich mit der Credit Suisse sieht die UBS hier für einmal gut aus. Die Ratio bei der Konkurrenz an der Zürcher Bahnhofstrasse weist für das dritte Quartal den nicht viel höheren Wert von 16,4 Prozent aus. Beide Banken gehören mit diesen Werten zur Weltspitze.
Eine neue Studie von Standard & Poors (S&P) dürfte die Freude jetzt trüben. Die Ratingagentur hat 45 weltweit führende Banken anhand ihrer Abschlüsse des zweiten Quartals untersucht. Dabei hat sie allerdings eine neue Methode angewendet, um die Kapitalquoten der Banken zu berechnen.
Drittschlechteste Kapitalisierung aller Banken
Dadurch entsteht ein vollkommen anderes Bild. Die UBS gehört gemäss der Studie zu den Banken mit der schlechtesten Kapitalisierung, schlimmer dran sind nur noch zwei Institute, die schlingernde Citigroup und die japanische Mizuho Financial Group. Besser dran ist die Credit Suisse, die immerhin leicht besser als der Durchschnitt aller Banken abschneidet.
Die Ratingagentur hält wie andere Finanzfachleute nicht viel von der Berechnungsmethode, die zur Tier 1 Ratio führt (siehe Box). Die Banken können die Zahl relativ einfach aufpolieren. So können sie ihre Anlagen nach eigenen Risikoschätzungen gewichten. Das gibt ihnen einen Anreiz, die Risiken tief zu veranschlagen. Ausserdem enthält das Tier-1-Kernkapital neben dem tatsächlichen Eigenkapital auch sogenannt hybrides Kapital, das nicht zum eigentlichen, nicht rückzahlbaren Eigenkapital gehört. Laut S&P hatten hybride Kapitalinstrumente bei der UBS Ende Juni einen Anteil von 81 Prozent. Seither sei dieser Anteil allerdings reduziert worden. Grossen Anteil an dieser Reduktion hatte die inzwischen von der UBS zurückbezahlte Wandelanleihe des Bundes.
Die alternative Berechnungsmethode, die S&P mit ihrer Studie zum ersten Mal auf die Banken anwendet, heisst RAC-Ratio (RAC steht für «Risk-Adjusted Capital»). Die neue Methode wird künftig ein wichtiges Element der Note sein, die die Ratingagentur den Banken zu ihrer Bonität erteilt. (Siehe Box)
Die Risiken für die Branche bleiben hoch
Gemessen an der RAC-Ratio erreichte die bestkapitalisierte Bank HSBC einen Wert von 9,2 Prozent. Mizuho, als kapitalschwächstes Institut, brachte es bloss auf 2 Prozent. Mit nur 2,2 Prozent kam die UBS nicht viel besser weg. Die Credit Suisse erreichte einen Wert von 6,9 Prozent, der Durchschnitt aller Banken lag leicht tiefer bei 6,7 Prozent.
Das Urteil der Ratingagentur fällt allerdings nicht nur für die UBS unerfreulich aus. Die meisten Banken gelten gemäss ihr weiterhin als schwach kapitalisiert. Nur gerade neun Banken erreichten einen Wert von mehr als 8 Prozent, was laut S&P als minimaler Wert gilt, um bei Weiteren, mögliche Krisen keine Probleme zu bekommen.
Unter dem Durchschnitt schlossen schliesslich auch so wichtige Institute wie die italienische Unicredit (mit 6,3 Prozent, die Deutsche Bank (mit 6,1 Prozent), die Bank of America (mit 5,8 Prozent) und japanische Grossbanken ab. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.11.2009, 20:20 Uhr
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34 Kommentare
Kann mich den höhnischen Kommentaren nur anschliessen. Es mag gut sein, dass die Tier 1 Berechnung nicht solide ist. Der Anspruch, dass die von S&P - selber nichts weiter als eine kommerzielle Ratingagentur - ausgeheckte "objektive" Methode besser sei, darf aber auch mit Skepsis und Heiterkeit aufgenommen werden. Antworten
Vom Ansatz her scheint die RAC-Ratio schlauer zu sein als Tier 1, wo unter dem netten Titel "hybrides Kapital" Fremdkapital zu Eigenkapital mutiert. Aber einer Rankingagentur zu vertrauen, heisst schlicht "Glauben" - und glauben soll man in der Kirche und nicht in der realen Wirtschaft, wie die Erfahrungen nun wirklich langsam zeigen sollten........ Antworten
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