Stolpert der mächtige TV-Boss über einen Sex-Skandal?

Roger Ailes ist der einflussreichste Medienmanager der USA. Jetzt verliert er wohl seinen Posten beim konservativen Sender Fox News.

Mehrere Mitarbeiterinnen klagen gegen ihn: Roger Ailes. Foto: Wesley Mann (Getty Images)

Mehrere Mitarbeiterinnen klagen gegen ihn: Roger Ailes. Foto: Wesley Mann (Getty Images)

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Ob der 76-jährige Roger Ailes von sich aus geht oder entlassen wird, ist gemäss dem «New York Magazine» zwar noch offen. Doch hätten Vater Rupert und die Söhne Lachlan und James Murdoch im Grundsatz entschieden, sich vom Gründer und Chef des konservativen Kabelfernsehsenders Fox News zu trennen. Allerdings stellt sich ein Problem: Der Parteitag der Republikaner ist ein Quoten­renner für Fox News, weshalb die Murdochs offenbar vor einem definitiven Entscheid noch zurückschrecken.

Die drei Murdochs hätten nach einer ersten Lagebeurteilung entschieden, sich von Ailes zu trennen, schreibt Gabriel Sherman, der Autor einer Biografie des Fox-Chefs, mit Verweis auf Anwälte, die im Auftrag des Medienkonzerns 21st Century Fox den Fall untersuchen. James habe für eine Entlassung plädiert, während sein Bruder Lachlan und Vater Rupert das Ende des Parteitages in Cleveland abwarten wollten. Ailes stehe vor der Wahl, von sich aus zu kündigen – und zwar bis Ende Juli – oder entlassen zu werden.

Trump nach vorn gebracht

Die Lage für die Murdochs ist verzwickt. Ailes hat Fox zum erfolgreichsten Kabelfernsehsender des Landes gemacht. Er steuert 20 Prozent zum Gewinn des Medien­konzerns bei und hat als Chef des Haussenders der republikanischen Partei politischen Einfluss wie kein anderer Medienmanager erlangt. Ohne Fox wäre Trump kaum so weit gelangt. Wenn ­Ailes geht, ist offen, ob und wie gut sich Fox in der Spitzenposition gegenüber einem wieder erstarkenden CNN behaupten kann.

Ausgelöst hat die Kontroverse die 50-jährige Gretchen Carlson. Sie war Präsentatorin der Fox-Morgensendung, bevor Ailes sie zunächst in eine Nachmittagssendung versetzte und im Juni nach elf Jahren entliess, angeblich wegen enttäuschender Einschaltquoten. Carlson wehrte sich und legte Klage wegen sexueller Belästigung und Diskriminierung ein. Ailes habe sie mehrfach belästigt und zum Sex aufgefordert. «Zuweilen können Probleme auf diese Weise einfacher gelöst werden», sagte Ailes gemäss der Klageschrift.

Carlson steht allerdings nicht allein da: Mindestens zehn Frauen meldeten sich inzwischen mit ähnlichen Klagen, auch die populäre Megyn Kelly. Sie hatte sich in den letzten Tagen auffällig zurückgehalten und – im Unterschied zu anderen bekannten Fox-Kommentatoren wie Bill O’Reilly, Neil Cavuto und Greta Van ­Susteren – den mächtigen Boss nicht in Schutz genommen. Die Erklärung: Kelly sei als junge Angestellte vor zehn Jahren ebenfalls von Ailes belästigt worden.

Angst vor verwanzten Büros

Angesichts solcher Verdachtsmomente haben die Murdochs eine angesehene New Yorker Anwaltskanzlei mit den Ermittlungen beauftragt. Die Interviews mit den Angestellten von Ailes werden nicht in den Räumen von Fox News durchgeführt, da vermutet wird, die Büros seien verwanzt. Vielmehr befragen die Anwälte die Auskunftspersonen in ihrer Kanzlei und informieren die Murdochs direkt. Diese reagierten auf den Bericht des «New York Magazine» auf­fällig zurückhaltend. «Die Angelegenheit ist noch nicht gelöst und die Untersuchung ist nicht abgeschlossen», teilten sie nur mit. Die kühle Distanzierung deutet darauf hin, dass die Murdochs nur noch über die Modalitäten, nicht aber über die Trennung von Ailes selber beratschlagen.

Ailes war Berater der Präsidenten ­Nixon, Reagan und Bush Vater. Er hat Fox News seit der Gründung vor 20 Jahren geleitet und zum meist beachteten Kabelfernsehsender des Landes gemacht. Fox ist dezidiert konservativ positioniert und hat CNN im laufenden Wahlkampf gezwungen, sich ebenfalls weiter nach rechts zu lehnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.07.2016, 22:44 Uhr

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