Wirtschaft
«Tausend entlassene Informatiker wären ein Schock»
Von Anita Merkt. Aktualisiert am 15.10.2012
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Arbeite ich nächstes Jahr noch bei der UBS (UBSN 17.53 1.21%) oder nicht? Diese Frage stellt sich dieser Tage für rund 8000 Informatiker, die bei der Grossbank tätig sind. Rund ein Drittel von ihnen soll gemäss unbestätigten Informationen des «Tages-Anzeigers» einem massiven Sparprogramm zum Opfer fallen. Allein in der Schweiz dürfte die UBS bis zu tausend IT-Stellen streichen.
Generell gehören IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt zwar zu den meistgesuchten Fachkräften. Der Branchenverband Swiss ICT und der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz warnen seit Jahren vor einem Mangel an Fachspezialisten für die Informatik-, Kommunikations- und Technologiebranche. Erst im Juli rechnete der Verband ICT-Berufsbildung Schweiz vor, dass bis im Jahr 2020 an die 30'000 Computerexperten fehlen werden. Für junge Informatiker bieten sich laut Swiss ICT optimale Berufschancen.
40 unterschiedliche Informatik-Berufe
Für Informatiker, die über Jahre für eine Bank gearbeitet haben, sieht die Zukunft laut Gamma dagegen nicht so rosig aus. «Informatiker ist nicht gleich Informatiker», sagt der Kommunikationsverantwortliche des Branchenverbandes Swiss ITC gegenüber baz.ch/Newsnet. Wer sich bei der Berufsberatung kundig mache, könne sich bereits dort über 40 verschiedene Informatik-Berufe informieren. «Bankinformatiker sind hochspezialisierte Leute, für die es nicht einfach sein wird, anderswo eine Stelle zu finden. Wer bei der UBS seine Stelle verliert, wird nicht so leicht bei anderen Banken unterkommen», so Gamma. Schliesslich sei der Kostendruck bei allen Banken ähnlich.
«Die Nachricht über die drohende Entlassungen von tausend Informatikern bei der UBS war für uns ein Schock», sagt Gamma. Gehe man davon aus, dass mindestens die Hälfte der entlassungsbedrohten UBS-Informatiker im Kanton Zürich wohnen, kämen zu den 735 arbeitslosen Informatikern im Kanton weitere 500 dazu. «Das wäre ein markanter Anstieg».
Umschulungen und Weiterbildungen
Wie gut die Vermittlungschancen der UBS-Informatiker sind, hängt laut Gamma «sehr vom einzelnen Lebenslauf ab». Programmiersprache und Projektabwicklungsmodelle seien abhängig vom Einsatzgebiet und könnten extrem variieren. «Das kann so weit gehen, dass es auch für Informatiker aus unterschiedlichen Berufsfeldern sehr schwierig ist, miteinander zu kommunizieren. Bevor Bankinformatiker in anderen Branchen einsetzbar sind, müssen viele von ihnen wahrscheinlich erst umgeschult werden», so Gamma.
Bisher haben sich die Berufsverbände der Programmierer und Softwareentwickler vor allem dafür eingesetzt, den Beruf für junge Leute attraktiver zu machen. Generell übersteige die Nachfrage nach IT-Spezialisten das Angebot bei weitem. Obwohl allein zwischen 2007 und 2011 21'300 IT-Spezialisten aus anderen Ländern in die Schweiz kamen, ist der Markt laut Hansjörg Hofpeter von der ICT-Berufsbildung «ausgetrocknet». Der Verband versucht seit Jahren, das Klischee vom sozial gestörten Computer-Nerd zu korrigieren und den Beruf für junge Leute attraktiv zu machen.
UBS wirbt für den Informatik-Beruf
Auch Mädchen sollen für den «kreativen und vielseitigen» Beruf gewonnen werden. Am 8. November laden wieder zahlreiche Firmen unter dem Motto «Mädchen – Informatik – los!» Schüler und Schülerinnen in ihre Informatik-Abteilungen. Auch Computerspezialisten der UBS sollen am «Nationalen Zukunftstag» Jungen und Mädchen für die spannenden Seiten ihres Berufes begeistern. Wie vielseitig er ist, wird etlichen von ihnen womöglich selbst bald wieder vor Augen geführt. Der Branchenverband würde es jedenfalls begrüssen, wenn die UBS für entlassene IT-Spezialisten Weiterbildungsprogramme und Umschulungen organisieren würde.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.10.2012, 17:17 Uhr
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