Wirtschaft
«Teile des Investmentbanking sind für die Gesellschaft nutzlos»
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 09.09.2009
Harte Kritik sind sich die Banker gewohnt – allerdings weniger aus den eigenen Reihen. Teile des Investmentbanking seien «für die Gesellschaft nutzlos» sagt jetzt laut «Financial Times» mit Lloyd Blankfein ausgerechnet einer, der darüber besonders gut Auskunft geben kann. Blankfein ist Chef von Goldman Sachs. Die Zeitschrift «Vanity Fair» hat ihn erst zum einflussreichsten Mann des Jahres erkoren. Bis zum letzten Herbst war das Wallstreet-Institut Goldman eine reine Investmentbank. Nach wie vor verdient Goldman das Geld in diesem Geschäftsfeld. Wörtlich hat der Bankchef an einer Konferenz in Frankfurt erklärt: «Die Finanzbranche liess zu, dass das Wachstum und die Komplexität ihrer Produkte in keinem Verhältnis mehr zu ihrem gesellschaftlichen Nutzen verblieb». Selbst die operative Kontrolle über die komlexen Derivate sei verloren gegangen.
Kritik auch an der Bonuskultur
Blankfein kritisierte wie schon früher auch die Bonuskultur bei den Banken. Die öffentliche Empörung darüber hält er für «angemessen». Boni über mehrere Jahre sollten seiner Meinung nach verboten werden. Die Bezahlung der Führungsriege einer Bank soll ausserdem in Form von Aktien der eigenen Firma anstatt in Geld erfolgen. Den grössten Teil der so erhaltenen Aktien sollen die Bankchefs bis zu ihrem Ausscheiden aus der Bank halten. Goldman Sachs hat mehrjährige Bonusgarantien laut der «Financial Times» dann abgeschafft, als Konkurrenzbanken damit neue Talente angelockt haben. Schon im April hat Blankfein angeregt, Boni sollten auch wieder zurückgefordert werden können, wenn Banker schlecht arbeiten.
Goldman ist kein Unschuldslamm
Goldman Sachs steht trotz der hehren Worte ihres Chefs in Bezug auf die Boni selbst in der Kritik wie kaum eine andere Bank. Nach dem überraschend hohen Gewinn von 3,4 Milliarden Dollar für das zweite Quartal dieses Jahres hat die Bank 11,4 Milliarden Dollar für Boni bereitgestellt. Schliesst Goldman das zweite Halbjahr ähnlich profitabel ab wie das erste, winken im Durchschnitt jedem Mitarbeiter der Bank 777'000 Dollar. Für 2008 hat die Bank 2,3 Millarden Dollar an Gewinn ausgewiesen und dennoch 4,8 Milliarden an Boni ausbezahlt. Das hat sogar die US-Justizbehörden auf den Plan gerufen, denn die Bank hat auch 10 Milliarden an Staatshilfe erhalten. Die Bank hat die Hilfe mittlerweile wieder zurückbezahlt. Blankfein hat 2007 bei Goldman 70 Millionen Dollar verdient, im Krisenjahr 2008 allerdings auf einen Bonus verzichtet. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2009, 21:00 Uhr
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