Tito Tettamanti kauft «Basler Zeitung»
Aktualisiert am 08.02.2010 36 Kommentare
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Tito Tettamanti übernimmt 75 Prozent der «Basler Zeitung Medien» (BZM), der Basler Medienanwalt Martin Wagner 25 Prozent. Hagemann hatte im Herbst seine Absicht aufgegeben, sein Unternehmen in der Familie zu behalten, führte er am Montag vor den Medien aus. Der Verkauf nach 59 Jahren in Familienhand sei ihm nicht leicht gefallen. Das Familienaktionariat könne aber den Kapitalbedarf, den der Strukturwandel mit sich bringe, allein nicht mehr tragen.
Medien-Strukturwandel
Neben der schweren Krise sei vor allem dieser Wandel - vor allem das Internet - eine Bedrohung für das Geschäftsmodell der regionalen Tageszeitung, sagte Hagemann. Inserate wanderten ins Netz ab. Dort konkurrenztierten auch Inhalte die Abozeitungen. Gratisblätter kämen hinzu. Indes verbreitet die BaZ selber online Nachrichten gratis.
Hagemann bleibt jedoch auch ohne Aktien im BZM-Verwaltungsrat - sein Netzwerk sei weiter gefragt, erklärte Wagner. Ganz steigt die PubliGroupe aus, die ihr 37-Prozent-Paket abstösst: Diese Beteiligung habe die strategische Bedeutung verloren. Zum Verkaufspreis war gar nichts zu erfahren.
Wagner wird so Miteigentümer eines Unternehmens mit 14 Töchtern und 1200 Angestellten. 2008/09 resultierte bei einem Umsatz von 263 Millionen Franken ein operativer Verlust von gut 12 Millionen. Auch nach der Wirtschaftskrise dürfte der Medien-Strukturwandel abonnierten Zeitungen weiter zu schaffen machen.
BaZ soll unabhängig bleiben
Die Käufer für die BZM habe er im Interesse der Unabhängigkeit der BaZ ausgewählt. Alternativen wären etwa Tamedia oder die NZZ- Gruppe gewesen. Wagner betonte in Basel seine langfristigen Absichten. Mehrheitseigentümer Tettamanti hingegen war nicht anwesend. Medienexperten hegen Zweifel an dessen langfristigem Engagement.
Defizite und Schulden sind auch mit einem Multimillionär im Rücken unerwünscht. Verlag und Redaktion müssen laut Wagner «zusammen rücken». Mit der fast abgeschlossenen Restrukturierung habe die BZM ihre «Hausaufgaben gemacht»; ein erneuter Stellenabbau stehe nicht an. Gehen muss CEO Beat Meyer; Finanzchef Jürgen Hunscheidt löst ihn ab.
Wagner sieht kein Synergiepotenzial mit Axel Springer Schweiz, der früheren Jean Frey, in deren Verwaltungsrat er sitzt. Eine Spar- Lösung mit extern produzierten Mantelseiten und blosser Lokalberichterstattung komme ebenfalls nicht in Frage; so etwas täusche die Leserschaft und schade der Medienvielfalt.
Chefredaktor und Redaktionsstatut der BaZ sollen bleiben. Ein Kurswechsel sei nicht geplant. Wagner, der sich explizit zur freien Marktwirtschaft bekannte, kündigte indes an, als Präsident «eine aktive Rolle» spielen zu wollen.
Auch bei der «Weltwoche» engagiert
Tito Tettamanti, Jahrgang 1930, engagiert sich nicht zum ersten Mal im Mediengeschäft. Vor acht Jahren hatte er mit anderen Investoren die damalige Jean Frey AG («Weltwoche», «Bilanz») übernommen. An diesem Mediendeal war auch Martin Wagner beteiligt. Wagner fungierte als Verwaltungsratspräsident von Jean Frey. Im Sommer 2006 holte er Roger Köppel, der zwischenzeitlich nach Berlin zur «Welt» gegangen war, zur «Weltwoche» zurück und verkaufte ihm die Zeitschrift. Der Rest von Jean Frey wurde Ende 2006 an den deutschen Springer Verlag verkauft. Tettamanti trat auch als Publizist auf und veröffentlichte mehrere Bücher. Ein Thema handelte von der Steuervermeidung als anarchistischer Kampf gegen «die Megamaschine Staat». Tettamanti versteht sich als rechtskonservativer Visionär.
Sein durch Firmenübernahmen und Aktienverkäufe erwirtschaftetes Vermögen wird auf 400 Millionen Euro geschätzt. In seinen Anfängen betätigte sich Tettamanti als Treuhänder und Immobilieninvestor - zunächst im Tessin, später in Kanada. In den Achtzigerjahren war er in New York tätig, nach dem Börsencrash von 1987 kehrte der Tessiner in die Schweiz zurück. Als Aktionär von Sulzer, Saurer oder Rieter legte er sich mit dem Schweizer Wirtschafts-Establishment an. Im Jahre 2005 machte er mit seinen Engagements bei Ascom und SIG Holding von sich reden. Zuletzt wurde es ruhiger um den Tessiner Financier.
Aufbau von Constantin Film
Der Rechtsanwalt und Medienunternehmer Martin Wagner, der 25 Prozent an der «Basler Zeitung» übernimmt, war bisher unter anderem Eigentümer von Radio Basilisk. Vor knapp drei Wochen machte Wagner bekannt, dass er den Radiosender an die Familie Hagemann verkauft. Wagner begründete dies mit einer beruflichen Neuorientierung. Wagner beteiligt sich seit kurzem am Aufbau der neuen Schweizer Filmproduktionsfirma Constantin Film Schweiz. Die Firma will dafür sorgen, dass der Film «Sennetuntschi» von Michael Steiner ins Kino kommt. (vin/sda)
Erstellt: 08.02.2010, 15:42 Uhr
36 KOMMENTARE
"Ad'Säck" heisst es jetzt für NZZ und TA mit guten Baslerausgaben - sonst haben wir hier bald eine Berlusconisierung (Schwizerdütsch: Verblocherig) unserer Medienlandschaft. Aber die Hoffnung ist bei den Baslern, die sich ein Gewäsche a là Weltwoche wohl nicht jeden Tag gefallen lassen werden.
Vermutlich haben Hagemann & Co. nur schlichtweg realisiert, dass sich die Printmedien in den nächsten 5 Jahren komplett neu ausrichten müssen - Argumente sieht man ja im Text. Das kostet aber - zudem weiss niemand, wie diese Neuausrichtung aussehen wird/soll. Welche Medien stehen zur Verfügung auf was setzt man? - Internet/TabletPC? Was soll kostenpflichtig sein?, usw.
Dass die BaZ damit unabhängig bleibe, ist ja absurd! Die Weltwoche ist zum SVP-Blatt geworden, und Tettamanti hat aus seinen politischen Absichten nie einen Hehl gemacht. Die BaZ als Monopolblatt ist also im Rachen der Rechtskonservativen und eines Finanzjongleurs... Zum Glück läuft mein Abo nicht mehr allzu lange!
Mit der Übernahme der Basler Zeitung Medien durch Tito Tettamanti eröffnet sich der "Basler Zeitung" eine grosse Chance, wirklich zur "Zeitung der Nordwestschweiz" zu werden. Wichtig ist, dass die Region weiterhin und vermehrt über ein gut gemachtes Sprachrohr verfügt. Der wirkliche Einzugsbereich der BaZ ist mehrheitlich bürgerlich - das darf und soll sich auch im künftigen Kurs niederschlagen
Schade, dass ich mein Abo schon erneuert habe. Ich will nämlich keine "wirtschaftsfreundliche", sondern eine wahrheitsfreundliche und aufklärerische Zeitung, die ich vom Tessiner Croupier, der sich seit Jahren selbstgefällig in seiner Investoren-Gerissenheit sonnt, nicht erwarten kann.
Eine gute Nachricht, auf die ich seit einem Jahrzehnt gewartet habe. Ich denke, Konservative sind Menschen, die auch ein Anrecht auf Medien haben, in denen sie Ihre Vorstellungen einer Gesellschaft wiederfinden. Chacun à son gout...Meine Abo-Bestellung haben sie bei der BAZ vorerst auf sicher !!
Ich hoffe, dass der Kurs auch unter den neuen Besitzern der BAZ einigermassen gleich bleibt wie bisher. Ein derart rechtslastiges Blatt wie die Weltwoche ist in Basel nicht erwünscht.
Offensichtlich scheint einigen in Basel die Unabhängigkeit von Zürich wichtiger zu sein als die politische Unabhängigkeit! Die BaZ ist nun eng mit der Weltwoche verflechtet. Martin Wagner ist Verwaltungsrat der Weltwoche und neu eben Verleger der BaZ. Tettamanti hat bei beiden Blättern die Finger im Spiel. Die Weltwoche ist heute nicht mehr politisch unabhängig, das Gleiche blüht der BaZ!
Einst wurde die Weltwoche in der ganzen Welt gelesen, dann ging es den Berg runter und mit Köppel noch eine Stufe tiefer in das "rechte" Lager. Die BAZ als "links" zu bezeichnen, da verwechselt man wohl die eigene Optik.Bisher wurde moderat, sachlich und ausgewogen berichtet, diese Zeitung wird von mir seit 45 Jahren gelesen.Eine Köppel-Zeitung wird sich die Region Basel wohl nicht leisten wollen
Das ist jetzt wirklich eine erfreuliche Nachricht. Es bewegt sich etwas bei der Baz.. Diesem linken Journalismus habe ich schon vor Jahren mit der Kündigung des Abo ade gesagt. Ich sehe wieder Morgenröte am Horizont, dass man die Baz event. wieder abonieren kann. Es muss ja etwas passieren. Der Investor ist ja bekannt dafür, dass er langfristig kein Geld in marode Unternehmen steckt.
Neuer Besitzer Tettamanti, wie langewohl? Die BaZ wird zum Spekulationsobjekt. Ich schau mal eine Weile zu... Mein Abo ist nicht in Stein gemeisselt.
Was in diesem Artikel leider verschwiegen wird: Martin Wagner selbst ist Verwaltungsrat bei der Weltwoche. Nebst Köppel ist er einer von nur zwei Verwaltungsräten des rechtskonservativen Wochenblatts. Zudem gibt es weitere Verflechtungen zwischen Köppel, Wagner und Tettamanti! Köppel war beispielsweise auch bei Radio Basilisk beteiligt. Was der BaZ jetzt blüht? Siehe Weltwoche!!!
@Juan Hurtado: zu stark rechts zu fahren scheint mir weitaus gefährlicher zu sein, wie das Beispiel von Herrn Mörgeli uns alle belehrt hat...
Wenn Herr Tettamanti etwas kauft, dann doch nur, um es mit Gewinn wieder zu verkaufen...wenn man also aus der BaZ mehr herausholen kann, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Wenn die führende Tageszeitung in der Region zukünftig unabhängiger berichtet, also weder rechts noch links, dann kann man dagegen auch nichts einwenden. Im Baselbiet sagt man so schön. "Mr wei luege..."
immer diese rechtslinksschubladendenken in leserbriefe langweilt . guter journalismus heisst nicht abschreiben im strom sondern alles hinterfragen - was in der weltwoche gut geht . das kann der BAZ nur gut tun . immer gleich mit abokündigung antworten als lieber selber eine meinung bilden zeugt von vorurteil .
Pressefreiheit? Tito Tettamanti sei kein Garant für demokratische Öffentlichkeit, sagen die Gewerkschaften. Die Weltwoche und Roger Köppel würden Vorbild für eine neue BaZ, befürchten mit mir viele Leser. Mir graust es als Südbadener davor, was aus unserer Regio Basilensis wird, wenn diese Befürchtungen berechtigt sind. Mein BaZ-Abo habe ich allerdings schon vor Jahren gekündigt.
Nachdem die BaZ immer stärker links im Kreis herumgefahren ist, wird es Zeit, endlich Gegensteuer zu geben. Immer mehr widerspiegelte deren Inhalt die politische Misere im Stadt-Kanton. Eigentlich hatte ich vor, gerade deshalb mein Abo zu annullieren, jedoch habe ich nun wieder Hoffnung, dass die Berichterstattung wieder gen gesunden Menschenverstand und auf neutraler Basis erfolgen wird!
Die privaten Investoren sprechen sich für die Unabhängigkeit aus. Ein Kauf der BaZ durch den Tagi hätte diese Unabhängigkeit stark gefährdet. Falls die privaten Investoren Wort halten, kann es auch eine Chance für die Basler Zeitung sein. Ich erwarte, dass die BaZ eine unabhängige Tageszeitung bleibt und sich nicht auf die Region mit der Berichterstattung zurückzieht!
Mal schauen was passiert. Aber die Basler Zeitung als linkes Blatt darzustellen und gleichzeitig die Weltwoche als neutral, ist doch etwas unrealistisch. Die Baz war in den letzten Jahren vor allem eine brave Provinzzeitung und die Weltwoche ein populistisches Meinungsblättchen. Letztere scheint in erster Linie ein Mittel gegen Köppels Komplexe zu sein.
Richtig, wir kennen den Stil und die Ausrichtung der künftigen Zeitung noch nicht. Die Ausrichtung und den Stil von Tettamanti, Köppel und der Weltwoche sind hingegen bekannt. Deshalb sind Skepsis und Befürchtungen mehr als nur berechtigt!
Bitte nicht schon im Voraus klagen! Schauen, Abwarten und dann entscheiden!!! Arroganz von Links noch von Rechts ist angebracht! Im Gegensatz zu ein Paar Kommentare hier, behaupte ich dass es zur Zeit eben keine richtige Linke oder Rechte Medien mehr gibt. Mehr Polemik (nicht nur auf stammtischniveau) wäre viel besser. Weniger Konzentration ebenso! Weltwoche und WoZ = besser als Einheitsbrei.
Scheinbar habe ich bis jetzt eine andere BaZ gelesen, als viele Kommentatoren. Von SP-Parteiblatt und linker Arroganz habe ich nichts gemerkt, eher manchmal das Gegenteil. Nun warte ich mal ab. Sollte sich die BaZ in Richtung Weltwoche entwickeln und Tito Tettamanti die Schweizer Version vom Robert Murdoch werden, müsste ich mich wohl für meine Tageszeitung in Richtung Zürich orientieren.
Die verschiedenen Kommentare mit der Bekanntmachung der sofortigen Kündigung des Abo's zeugen von einer ungemeinen Voreingenommenheit! Sie kennen ja den Stil und die Qualität der künftigen Zeitung - falls sich überhaupt etwas ändern sollte - gar noch nicht! All diese Kommentare wiederspiegeln die typisch linke Arroganz!
Endlich mal erfreuliche Nachrichten! Tito Tettamanti ist kein linker Träumer. Dank ihm und Roger Köppel ist die Weltwoche zur interessantesten Zeitschrift der Schweiz geworden. Die Familie Hagemann hat sich zu lange vor den Wagen der Linken spannen lassen. Es ist erstaunlich, dass Herr Hagemann im Verwaltungsrat bleibt. Soll er doch mit seinem Radio Basilisk weiterhin linke Propaganda betreiben!
Dieser Besitzerwechsel ist ein positiver Hoffnungsschimmer, dass aus dem SP-Parteiblatt genannt BAZ doch noch eine neutral informiernde Tageszeitung werden kann. Die Printmedien sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und insbesondere für die Aufrechterhaltung unserer lebhaften direkten Demokratie. Mein Dank geht an die neuen Investoren!
Endlich wieder einmal ein Schweizer, ganz genau Tessiner, im Rampenlicht der Wirtschaft. Bravo von einem Nachbar und Heimwehbasler!
Von der National Zeitung über die BaZ nun mit Tettamanti Richtung Weltwoche und Köppel-Stil, nein Danke! Mein Abo ist jedenfalls gekündigt.
Gottseidank, vielleicht hört die BAZ endlich mit Ihrer linken Berichterstattung auf. Somit kann es für die Region nur noch besser kommen.
Mit dem Wechsel kann es nur noch besser werden. Man kann nur hoffen, dass die BAZ von der einseitigen Linken Berichterstattung weg kommt und sich politisch neutraler verhalten wird.
Ich werde in Zukunft die Baz genau im Auge behalten und gegebenfalls das Abo kündigen. Wenn aus der BaZ ein "Weltwoche-Verschnitt" mit Köppel als Chefredaktor wir, habe ich keinen Bedarf mehr für die BaZ.
Hoffen wir einfach, dass es bei der BaZ keinen rechtskonservativen Richtungswechsel gibt.. Ansonsten wäre für mich das BaZ-Abo nach vielen Jahren Geschichte - und eer Tagi könnte mit einem Basler Regionalteil in der Nordwestschweiz Fuss fassen...
Tito Tettamanti, na ja, das wahr's dann wohl. Tschüss BaZ.
Wenn das der Anfang einer "Weltwochisierung" der Basler Zeitung ist, dann werden wir gewiss nicht so lange warten wie "damals" mit der Kündigung unseres Abonnements!
Quo vadis Basler Zeitung darf man dennoch fragen: Was passiert mit unserer Zeitung, jetzt wo die Familie Hagemann ausgestiegen ist? Tito Tettamanti hat die BaZ wohl nicht gekauft haben, um jetzt darauf zu sitzen. Er wird sie sobald sich die Gelegenheit gibt, weiter verkaufen. Was passiert mit den Angestellten? Wie wird die politische Ausrichtung unserer BaZ? Fragen über Fragen...
Wenn ich nur den Namen Tettamanti höre, wird es mir schon unwohl.Der geneigte Leser möge dessen Biografie durchlesen.Bei mir heisst dies Auflösung des BAZ-Abo.zurück zur Aargauerzeitung.
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