Wirtschaft

UBS geht wegen Facebook-Debakel juristisch gegen Nasdaq vor

Von Simon Schmid. Aktualisiert am 31.07.2012 114 Kommentare

Die Grossbank vermeldet fürs zweite Quartal einen Gewinn von 425 Millionen Franken – weit weniger als erwartet. Grund fürs schlechte Abschneiden ist unter anderem der verpatzte Facebook-Börsengang.

Gewinnerwartungen nicht erreicht: Logo der UBS am Zürcher Paradeplatz.

Gewinnerwartungen nicht erreicht: Logo der UBS am Zürcher Paradeplatz.
Bild: Keystone

UBS

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Düstere Miene: UBS-Konzernchef Serio Ermotti. (Bild: Keystone )

Gewinneinbruch bei Deutscher Bank

Auch die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnen müssen. Von April bis Juni verdiente Deutschlands größtes Geldhaus 661 Millionen Euro, wie die Bank am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was im Vorjahresquartal unter dem Strich gestanden hatte, nämlich 1,2 Milliarden Euro.

Die beiden Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain erklärten, das Ergebnis sei durch das «volatile Umfeld» beeinflusst. «Die europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg», teilten sie mit.

Im ersten Quartal dieses Jahres hatte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal war dies ein Rückgang um ein Drittel gewesen.

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Nach der Credit Suisse meldet heute auch die UBS (UBSN 17.92 0.56%) ihre Zahlen fürs zweite Quartal. Die Grossbank erwirtschaftet einen Gewinn von 425 Millionen Franken und schneidet damit deutlich unter den Erwartungen ab. Im Vorfeld war mit einem Gewinn in der Grössenordnung von 1,1 Milliarden Franken gerechnet worden. Der Vorsteuergewinn der UBS beträgt 951 Millionen Franken.

Gegenüber dem Vorquartal verschlechtert sich das Ergebnis der Bank um beinahe 50 Prozent. Im ersten Quartal 2012 hatte die UBS einen Gewinn von 827 Millionen Franken erzielt. Vor Jahresfrist lag der Quartalsgewinn noch bei 1,0 Milliarden Franken. Die Rückgänge beim Erfolg aus dem Dienstleistungs- und Kommissionsgeschäft seien durch einen Bewertungsewinn auf eigenen Verbindlichkeiten teilweise kompensiert worden, schreibt die UBS.

Mit ihren Quartalszahlen hat die UBS die Erwartungen der Branchenanalysten enttäuscht. Der Aktienkurs der Grossbank ist daher bei Handelsbeginn auf Talfahrt geschickt worden. Kurz vor 9.30 Uhr notierten die UBS-Aktien rund 5,5 Prozent unter dem Kurs vom Vorabend.

«Widriges Umfeld»

Konzernchef Sergio Ermotti betont, dass sich die UBS trotz schwierigen Umständen behauptet habe: Die solide Kapital-, Liquiditäts- und Finanzierungsposition würden ganz klar für UBS sprechen. «In einem ansonsten widrigen Umfeld bedeutet dies Sicherheit für Kunden, was von diesen honoriert wird, indem sie uns weiterhin ihr Vermögen anvertrauen,» wird Ermotti in einer Medienmitteilung zitiert.

Der UBS sind im zweiten Quartal mehr Gelder zugeflossen als zuvor. Die Nettoneugelder im Wealth Management werden von der UBS auf 13,2 Milliarden Franken beziffert. Im Vorquartal waren es 10,9 Milliarden Franken gewesen. Auf Konzernebene nahmen die Kundeneinlagen bei der UBS um 19 Milliarden Franken zu.

Wie die UBS schreibt, befinde sich die Grossbank mit der Erhöhung des Eigenkapitals auf Kurs. Die Kapitalquote nach Basel III hat im zweiten Quartal von 7,5 Prozent auf 8,8 Prozent zugenommen. Gemäss Basel 2.5 liegt die Kernkapitalquote bei 19,2 Prozent. Bis im Jahr 2016 will die Bank den Abbau der risikogewichteten Aktiven beschleunigen.

Die UBS ist zuversichtlich, ihre Kapitalziele ohne Verwässerung des Eigenkapitals erreichen zu können. Die Ziele würden die «Disziplin der Bank» bezüglich dem Kapital wiedergeben, sagte Finanzchef Tom Naratil gegenüber Medienvertretern. Noch im Juni hatte die Schweizerische Nationalbank die UBS angemahnt, den Kapitalaufbau voranzutreiben – wenn auch mit weniger scharfer Rhetorik als bei der Konkurrentin Credit Suisse.

Facebook brockt UBS herben Verlust ein

Grund für das mässige Abschneiden der UBS sind unter anderem rote Zahlen in der Investmentbank. Diese hat sich allein mit dem Börsengang der sozialen Plattform Facebook einen Fehlbetrag von 349 Millionen Franken eingehandelt.

Als Marketmaker habe sich die UBS bemüht, zahlreiche Kundenaufträge auszuführen. Wegen Systemproblemen und fehlenden Handelsbestätigungen seien Aufträge allerdings mehrfach ausgeführt worden. Die Bank sei so in den Besitz von viel mehr Aktien als erwünscht gekommen. Wie die UBS in ihrer Medienmitteilung schreibt, will sie rechtlich gegen die Nasdaq vorgehen. Die Bank macht dafür ein «grobes Missmanagement» und eine «Pflichtverletzung» durch die New Yorker Technologiebörse Nasdaq verantwortlich.

Die UBS spricht von einem «mehrfachen» Versagen der Nasdaq, sei es, weil der Handel mit Facebook-Aktien überhaupt eröffnet wurde oder sei es, weil der Handel im Lauf des Tages nicht ausgesetzt wurde. Die UBS will mit «angemessenen rechtlichen Schritten» gegen die Technologiebörse vorgehen. Die Bank hat die Absicht, eine volle Entschädigung für den Verlust zu erhalten. In solchen Fällen lasse sich aber nie genau beziffern, welchen Betrag die Bank am Ende tatsächlich bekomme, hiess es.

Die Nasdaq hat betroffenen Händlern eine Entschädigung angeboten. Am 22. Juli erhöhte sie die Offerte von 40 Millionen auf 62 Millionen Dollar. Zudem soll die Entschädigung nun komplett bar ausbezahlt werden und nicht wie zuerst geplant teilweise in Form von vergünstigten Handelsgebühren. Um allein den Schaden der UBS auszuräumen, reicht die Summe aber bei weitem nicht.

«Unterdurchschnittliche Leistungen»

Die für den Börsengang von Facebook zuständige Investmentbank der UBS schreibt im zweiten Quartal einen Vorsteuerverlust von 130 Millionen Franken. Im traditionell starken ersten Jahresquartal hatte die Investmentbank noch einen Vorsteuergewinn von 730 Millionen Franken erzielt. Vor Jahresfrist lag der Wert bei 376 Millionen Franken.

Für Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets kommt das Ergebnis der Investmentbank wenig überraschend. «Die Investmentbank der UBS hat seit einiger Zeit unterdurchschnittlicher Leistungen erbracht», so Kepler zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Risikominimierungsstrategie der UBS überzeugt ihn nicht: «Je stärker die Aktiven in der Einheit verringert werden, desto geringer sind die Chancen auf zukünftige Erträge.»

Gewinnrückgang im Wealth Management

In der Sparte Wealth Management (dem Geschäft mit reichen Kunden) weist UBS einen Vorsteuergewinn von 502 Millionen Franken aus, was einem Rückgang von beinahe 40 Prozent gegenüber dem ersten Quartal entspricht. Grund dafür sei unter anderem eine Gutschrift beim Personal im Zusammenhang mit der Pensionskasse, schreibt die UBS.

Allerdings nahm auch der Geschäftsaufwand zu. Eine Gewinnsteigerung gelingt der UBS in Übersee: Die Divison Wealth Management Americas kann ihren Gewinn gegenüber dem Vorquartal um 10 Millionen auf 200 Millionen Franken steigern. Analyst Andrew Lim von Espirito Santo zufolge widerspiegelt das Ergebnis die Überlegenheit der UBS im Private Banking. «Dies stärkt unsere positive Einstellung der Gruppe gegenüber der Credit Suisse», so der Analyst zu Bloomberg.

Weniger ertragsreich fiel für die UBS auch das Geschäft mit institutionellen Kunden aus. Die Sparte Global Asset Management schreibt im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von 118 Millionen Franken. Gegenüber dem ersten Quartal entspricht dies einem Rückgang von 38 Millionen Franken. Auch im standardisierten Geschäft mit Unternehmen und Privatkunden schmälert sich der Gewinn der UBS. Gegenüber dem ersten Quartal geht der Vorsteuergewinn der Sparte Retail & Corporate von 575 Millionen auf 399 Millionen Franken zurück.

Pessimistischer Ausblick

Die UBS hegt offenbar wenig Hoffnung, dass sich das Betriebsergebnis im weiteren Jahresverlauf verbessert. Faktoren wie die Eurokrise oder der drohende Konjunktureinbruch in den USA dürften sich negativ auswirken, schreibt die Bank in ihrer Medienmitteilung: «Wenn in diesen zentralen Punkten keine Fortschritte erzielt werden und die Marktaktivität – wie im dritten Quartal üblich – abnimmt, sind weitere Ergebnisverbesserungen unter den herrschenden Marktbedingungen unwahrscheinlich». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.07.2012, 09:51 Uhr

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114 Kommentare

Ernst Walker

31.07.2012, 08:34 Uhr
Melden 235 Empfehlung 0

Dass UBS diese Aktien gekauft hat ist doch Wohl ein schlechter Witz? Oder hängt in jedem Broker-Büro ein Schreiben an der Wand; "Keine Sorge - bei Verlust hilfst der Schweizer Steuerzahler aus??" Vor 2 Jahren bereits 68 Mia Steuergeld "verpulverisiert".......und niemand wurde zur Rechenschaft gezogen oder war verantwortlich. Antworten


Xil Ren

31.07.2012, 07:50 Uhr
Melden 189 Empfehlung 0

So ein Bloedsinn zu schreiben, die Facebook Aktie sei schuld. Schuld ist einzig und allein das Management, diejenigen die angewiesen haben dieses Ramschpapier zu kaufen. Sofort auswechseln diese Leute. Hat denn UBS nur noch faule Korken oben an der Flasche???
Uebrigens: Was meint den der Axel Weber dazu? Gibt es den ueberhaupt?
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