«UBS hat an der Verwaltung des Fonds kein Geld verdient»

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 11.03.2010

Der Sonderfonds der Nationalbank, der die Schrottpapiere der UBS übernommen hat, sorgt weiter für Schlagzeilen. Es stellt sich die Frage, ob die UBS auf Kosten der Notenbank profitiert hat. UBS-CEO Grübel nahm gegenüber baz.ch/Newsnet Stellung.

Die Architekten der UBS-Rettung: Thomas Jordan von der Nationalbank (links), Eugen Haltiner von der Finma (mitte), Peter Siegenthaler, Chef der Finanzverwaltung des Bundes (rechts).

Die Architekten der UBS-Rettung: Thomas Jordan von der Nationalbank (links), Eugen Haltiner von der Finma (mitte), Peter Siegenthaler, Chef der Finanzverwaltung des Bundes (rechts).
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«Wir haben der SNB angeboten, diese Anlagen zurück zu kaufen»: UBS-Chef Oswald Grübel.

«Wir haben der SNB angeboten, diese Anlagen zurück zu kaufen»: UBS-Chef Oswald Grübel. (Bild: Keystone)

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Nicht alles ausgegliedert

Der Ursprüngliche Plan zur Rettung der UBS sah vor, dass ein gesonderter Fonds (Stabfund) unter der Leitung der SNB der Grossbank Schrottpapiere im Umfang von 60 Milliarden Dollar abnimmt. 10 Prozent davon sollte die UBS selber als Eigenkapital beisteuern, den Rest die Nationalbank als Darlehen. Die 6 Milliarden Dollar Eigenkapital hat sich die UBS vom Bund geholt und mittlerweile mit einem Milliardengewinn für den Staat wieder zurückbezahlt

Doch der Plan zur Äufnung wurde geändert. Tatsächlich übernahm der Stabfund statt für 60 nur für 38,6 Milliarden Dollar Schrottpapiere von der UBS, deshalb fiel auch die Eigenkapitaleinlage der UBS tiefer aus, auf knapp 3,9 Milliarden Dollar. Die bisherigen Verluste – eingerechnet Nettozinserträge aus den Anlagen – haben diese Einlage allerdings bereits weggefressen. Per Ende 2009 belief sich der Verlust der SNB auf ihrem Darlehen auf Aktuell beläuft sich der Wert des Darlehens der Nationalbank an den Fonds auf 20,3 Milliarden Dollar, zusätzlich trägt sie noch das Risiko von Eventualverpflichtungen im Umfang von 3,8 Milliarden Dollar.

Die Auseinandersetzungen zum Rettungsfonds «Stabfund» der Schweizerischen Nationalbank SNB (SNBN 1089 2.06%) für Schrottpapiere der UBS (UBSN 11.15 -0.89%) reissen nicht ab. Laut Berechnungen der «Finanz und Wirtschaft» hat die UBS auf den Schrottpapieren, die sie nicht an die SNB ausgegliedert hat (siehe Box), im vergangenen Jahr einen Gewinn von 600 Millionen Franken erzielt.

Die SNB selber hat in der letzten Woche auf den toxischen Papieren, die sie der Grossbank abgenommen hat, dagegen einen Verlust für 2009 von 2,6 Milliarden Franken bekannt gegeben. Der «Blick» fragt nun in seiner heutigen Ausgabe: Hat die UBS die Nationalbank mit Schrott-Papieren ausgetrickst? Es sieht nicht danach aus.

Sehr klar äussert sich dazu UBS-CEO Oswald Grübel gegenüber baz.ch/Newsnet: «Die SNB hat auf den von UBS übernommenen Papieren keine Verluste realisiert», sagt er und geht noch weiter: «Seit September 2008 hat die SNB an der Finanzierung 600 Millionen Dollar verdient. Wir haben der SNB angeboten, diese Anlagen zurückzukaufen, was diese abgelehnt hat. UBS hat an der Verwaltung des Fonds kein Geld verdient sondern bis jetzt nur Kosten gehabt.»

«Harte Verhandlungen» zwischen UBS und SNB

Bei der Rettung der UBS im Herbst 2008 ging es ohnehin nicht darum, dass die SNB möglichst Papiere der Grossbank übernimmt, die am schnellsten wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Es ging im Gegenteil darum, sie von den schlimmsten Lasten in ihrer Bilanz zu befreien, damit sie an diesen nicht zerbricht. Dass der von der SNB geführte Sonderfonds (Stabfund) auf diesen Papieren laut den SNB-Zahlen von letzter Woche bisher insgesamt einen Verlust von 4,3 Milliarden Dollar ausweist, zeigt nur, wie nötig die Rettungsaktion damals war.

Die Zahlen der SNB beziehen sich vor allem auf Buchbewertungen (siehe unten). Daher stehen die ausgewiesenen Verluste der Nationalbank nicht im Widerspruch zur Aussage Grübels, der davon spricht, dass die SNB bisher keine Verluste «realisieren» musste. Die 600 Millionen Dollar, die die Nationalbank an der Finanzierung des Sonderfonds laut Grübel verdient hat, beziehen sich auf die Zinsen, die der Stabund bisher an die SNB für das Darlehen bezahlen musste.

Grübels Bemerkung, dass die Verwaltung des Fonds für die UBS nur Kosten zur Folge hatte, bezieht sich auf einen Artikel in der «SonntagsZeitung», der behauptete, die UBS habe für die Verwaltung der Schrottpapiere im Fonds 80 Millionen Dollar verdient.

Dass die UBS gemeinsam mit der SNB festgelegt hat, welche Papiere in den Stabfund ausgegliedert wurden, spricht ebenfalls dagegen, dass die Notenbank ausgetrickst wurde. Laut dem Sprecher der Nationalbank, Werner Abegg, sei das in «harten Verhandlungen» ausgemacht worden.

Verluste auch auf Schrottpapieren der UBS

Laut UBS ist es auch falsch, dass sie einen Gewinn von 600 Millionen Franken auf jene Schrottpapiere erzielt haben soll, die von der Transaktion in den Stabfund ausgenommen wurden. Die Zahl findet sich zwar im jüngsten Quartalsbericht der Grossbank. Doch sie bezieht sich offenbar nicht auf diese Papiere alleine, sondern auch auf weitere Wertpapierkategorien, die nie für eine Ausgliederung vorgesehen waren. «Die UBS hat auf jene Risikopapieren, welche sie nicht an den Stabfund übertragen hat, ebenfalls einen Verlust gemacht», sagt Sabine Jaenecke, Sprecherin der Grossbank. Dieser Verlust ist aber kleiner als jener, den der Stabfund bisher ausweisen musste.

Ein Problem in der ganzen Auseinandersetzungen ist, dass alle Zahlen nur beschränkt aussagekräftig sind. Schliesslich wird zum grössten Teil auf Buchwerte zurückgegriffen, die sich entweder auf momentane Marktwerte oder auf finanztechnische Schätzungen abstützen. Da der Stabfund sich mehr als ein Jahrzehnt Zeit nimmt, die übernommenen Risiken abzutragen, kann sich das Bild in die eine oder andere Richtung noch stark verändern. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.03.2010, 16:24 Uhr

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