Wirtschaft

Analysten beurteilen UBS-Milliardengewinn skeptisch

Aktualisiert am 04.05.2010

Nach Bekanntgabe eines Quartalsgewinns von 2,2 Milliarden stieg die UBS-Aktie höher in den Handel. Experten zeigen sich mit dem überraschend hohen Gewinn jedoch nicht bedingungslos zufrieden.

Lieber mal vom Börsenkurs wegschauen? UBS-Chef Oswald Grübel und Präsident Kaspar Villiger (Archivbild).

Lieber mal vom Börsenkurs wegschauen? UBS-Chef Oswald Grübel und Präsident Kaspar Villiger (Archivbild).
Bild: Reuters

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Die UBS hat 2,2 Milliarden Gewinn gemacht. Ist die Grossbank nun definitiv über dem Berg?

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Die Ergebnisse der Sparten

Der deutlich gesteigerte Quartalsgewinn der UBS ist hauptsächlich auf das bessere Ergebnis im Investmentbanking zurückzuführen. Im amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäft dagegen verzeichnete die UBS einen Gewinneinbruch. Der Vorsteuergewinn der Division Wealth Management Americas betrug im ersten Quartal 2010 noch 15 Mio. Franken. Das schlechte Ergebnis ist gemäss Communiqué auf höhere Boni und Restrukturierungskosten zurückzuführen.

Weniger Gewinn als im Schlussquartal hat die UBS auch im Asset Management, der Vermögensberatung für institutionelle Kunden, geschrieben. Der Vorsteuergewinn dieser Division halbierte sich von 284 auf 137 Mio. Franken.

Mit besseren Zahlen als vor drei Monaten aufwarten kann die UBS dagegen mit der weltweiten Vermögensverwaltung und dem Schweizer Bankgeschäft. Deren Ergebnis stieg um 5 Prozent auf 1,16 Mrd. Franken und liegt damit etwa gleich hoch wie der Vorsteuergewinn der Investmentbank.

Dieser hat sich gegenüber dem Vorquartal auf 1,2 Mrd. Franken verdreifacht. In ihrem Communiqué betont die UBS, dass die Gewinnsteigerung in der Investmentbank ohne ein erheblich grösseres Risiko erzielt wurde.

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Bei Handelsbeginn lagen die UBS-Aktien 0,8 Prozent über dem Kurs des Vorabends. Um 9.30 Uhr notierten sie mit 17.25 Fr. 1,2 Prozent im Plus, nachdem sie zwischenzeitlich zu einem noch etwas höheren Preis gehandelt wurden. Der Index der Börsenschwergewichte (Swiss Market Index) bewegte sich gleichzeitig rund 0,3 Prozent über dem Wert am Montagabend. Rund 40 Minuten nach Eröffnung der Börsen gaben die UBS-Aktien indes wieder nach und notierten mit 17.07 Fr. nur noch 0,2 Prozent im Plus. Gegen Mittag drehten die Papiere ins Minus.

Analysten sprachen am Dienstagmorgen von einem «soliden» Quartalsergebnis der UBS. (UBSN 11.15 -0.89%) Dass der Konzerngewinn mit 2,2 Milliarden Franken über den Prognosen zu liegen kam, wurde hauptsächlich auf die Neubewertung der Option zum Rückkauf der toxischen Wertpapiere vom SNB-Stabilitätsfonds zurückgeführt. Diese trug 231 Millionen Franken zum Ergebnis der UBS bei. Als Überraschung bezeichneten Analysten dagegen die bessere Marge im Vermögensverwaltungsgeschäft (Wealth Management). Kritisch zeigten sich die Experten hinsichtlich der Zu- und Abflüsse von Kundengeldern: Von einer Trendwende könne noch keine Rede sein, hiess es etwa.

2,8 Milliarden Vorsteuergewinn

Am 14. April hatte die UBS erste Eckwerte des ersten Quartals bekanntgegeben. Man rechne mit einem Vorsteuergewinn von mindestens 2,5 Milliarden Franken, hiess es damals. Vor einem Jahr waren es in der gleichen Periode noch 888 Millionen gewesen. Nun ist er von Januar bis März auf 2,8 Milliarden Franken gestiegen. Der Reingewinn im selben Zeitraum beträgt 2,2 Milliarden Franken. Die Grossbank hat damit das Ergebnis des Vorquartals deutlich übertroffen. Damals schrieb sie mit einem Gewinn von 1,2 Milliarden Franken zum ersten Mal wieder schwarze Zahlen.

Unerwartet kam das Ergebnis am Dienstagmorgen nicht. Bereits vor der Generalversammlung am 14. April hatte die UBS mitgeteilt, dass sie einen Vorsteuergewinn von mindestens 2,5 Milliarden Franken schreiben werde. Zurückzuführen ist die Gewinnsteigerung auf die Investmentbank: Diese schrieb im ersten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,2 Milliarden, nachdem von dieser erst Ende letzten Jahres erstmals seit Sommer 2007 wieder schwarze Zahlen gemeldet wurden.

Noch immer fliessen Kundengelder ab

Wie die UBS bereits im März bekannt gegeben hatte, ist das gute Ergebnis namentlich auf die Erträge aus dem Handel mit Anleihen und Obligationen (Fixed Income) sowie aus dem Rohstoff- und Devisengeschäft zurückzuführen. Mit ihrem Ergebnis hat die UBS die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese gingen gemäss einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur AWP im Durchschnitt von einem Reingewinn von knapp 2 Milliarden Franken aus.

Bereits bekannt war auch, dass die UBS erneut einen Abfluss an Kundengeldern hinnehmen musste. Obwohl der Geldabfluss sich netto noch auf 18 Milliarden Franken belief, stellt dies im Vergleich zu den Vorquartalen eine Verbesserung dar. So hatte die UBS im Schlussquartal 2009 einen Abfluss von 56,2 Milliarden zu beklagen, und 2008 belief sich der Nettogeldabfluss zeitweilig sogar auf über 80 Milliarden pro Quartal.

Für Konzernchef Oswald Grübel ist es angesichts der negativen Publizität der UBS in der Schweiz verständlich, dass weiterhin Kunden ihr Geld von der Grossbank abziehen. Dies sagte er am Dienstag gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Er hofft, bis Ende Jahr den Abfluss von Kundengeldern stoppen zu können. Die Geldabflüsse in der Schweiz zeigten, dass das Vertrauen der Kunden noch nicht wiederhergestellt werden konnte. «Das wird aber auch schwierig sein, solange sie jeden Tag in den Nachrichten etwas Negatives über uns lesen», sagte Grübel.

Toxische Papiere gewinnen an Wert

Positiv zum Ergebnis der UBS beigetragen hat auch eine Neubewertung der Option, welche die UBS zum Rückkauf der in die Stabilitätsfonds der Schweizerischen Nationalbank ausgelagerten toxischen Wertpapiere berechtigt. Die entsprechende Wertberichtigung in der Bilanz der UBS betrug 231 Millionen Franken.

Konzernchef Oswald Grübel erklärte am Dienstag in Zürich: «Wir sind gut positioniert, unsere mittelfristigen Ziele zu erreichen.» Man habe die Kosten im Griff behalten und sei diszipliniert mit Risiken umgegangen. Den Quartalsgewinn bezeichnete Grübel als «erstes Anzeichen, dass die UBS wieder zur normalem Profitabilität zurückkehrt». In einem Interview mit Radio DRS erklärte er zudem, dass sich sein Institut aber noch weiter verbessern müsse. «Ein Quartal reicht da noch nicht, eine Schwalbe macht ja auch noch keinen Sommer», sagte Grübel.

Gewisse Risiken in Spanien

Das Verlustrisiko aufgrund des schlingernden griechischen Staatshaushaltes bezeichnete UBS-Finanzchef John Cryan am Dienstagmorgen an einer Telefonkonferenz als «unerheblich». Dasselbe gelte auch für Portugal. In Spanien, deren Kreditrating ebenfalls kürzlich gesenkt wurde, sei die Bank gewissen Risiken ausgesetzt, allerdings keinen grossen. (cpm/se/sda/ap)

Erstellt: 04.05.2010, 06:52 Uhr

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