Wirtschaft

UBS spekuliert mit Madoff-Opfern

Von Walter Niederberger. Aktualisiert am 18.06.2011 4 Kommentare

Die UBS ist in das Gerangel um die Schadenersatzforderungen der Madoff-Opfer involviert. Die Bank hatte spezielle Fonds gegründet, um Kunden den Einstieg beim Betrüger zu erleichtern. Jetzt wird sie verklagt.

Hält Gerichte und Banken weiter auf Trab: Bernard Madoff.

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Bild: Keystone

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2008 flog der Milliardenbetrug des damaligen Börsenmaklers Bernard Madoff auf. Zwei Jahre später begannen Hedgefonds und Grossbanken, die milliardenschweren Schadenersatzforderungen der Madoff-Opfer zu kaufen. Sie boten dafür zwar nur 20 bis 30 Prozent des gesamten Anspruchs. Dafür mussten die Geschädigten nicht den Ausgang eines langen Vergleichsverfahrens abwarten. Sie konnten sofort kassieren, was auch jenen Opfern zugute kam, die in Finanznöten steckten.

Doch richtig angeheizt wurde das Geschäft, als der Sachwalter der Opfer, der New Yorker Anwalt Irving Picard, letzten Winter einen einmalig hohen Vergleich zustande brachte. Die Erben eines der grössten Madoff-Kunden, Jeffry Picower, waren bereit, mehr als fünf Milliarden Dollar an unrechtmässigen Gewinnen zurückzuzahlen. Darauf stieg der Wert der ausstehenden Forderungen schlagartig an. Sie werden heute für 70 bis 75 Prozent des Nominalwertes gehandelt. Jene Spekulanten, die als Erste solche Ansprüche erworben hatten, sahen diesen Wert mehr als verdoppelt.

Die Angeklagten bieten mit

Dies ist nicht alles. Picard hält nach eigenen Angaben inzwischen rund zehn Milliarden Dollar an Mitteln zur Auszahlung bereit und glaubt, diese Summe problemlos verdoppeln zu können. Damit wären die Verluste der Opfer von 19,5 Milliarden Dollar voll abgedeckt. Zusätzlich hat Picard aber mehr als tausend Klagen gegen die mit Madoff involvierten Banken und Fondsmanager angestrengt – auch gegen die UBS. Die Schweizer Grossbank wird auf einen Schadenersatz von über 2,5 Milliarden Dollar verklagt, weil sie spezielle Zuträgerfonds gegründet hatte, um Kunden den Einstieg beim Betrüger zu erleichtern.

Die Bank bestreitet, vom Betrug gewusst zu haben. Picard glaubt der UBS ebenso wenig wie anderen Banken vom Schlag einer JP Morgan Chase. Auch die Royal Bank of Scotland, Barclays oder HSBC will er zu Milliardenzahlungen zwingen, die sich alles in allem auf mehr als 90 Milliarden Dollar belaufen.

UBS und Royal Bank of Scotland

Die Aussicht darauf, dass Picard tatsächlich noch mehr herausholen wird, treibt das Geschäft mit den Madoff-Opfern an. Pikanterweise bieten auch Fondsmanager und Grossbanken mit, die gleichzeitig von Picard verklagt werden. Nach Angaben des «Wall Street Journal» betrifft dies unter anderem die UBS und die Royal Bank of Scotland. Die UBS wollte gestern keinen offiziellen Kommentar abgeben. Sie habe zwar zweimal mitgeboten, hiess es nur. Beide Offerten seien aber im Auftrag von institutionellen Kunden unterbreitet worden, ohne dass sie erfolgreich gewesen seien.

Erfolgreich war dagegen die Deutsche Bank. An einer Auktion auf den Bahamas gehörte sie zu einer Investorengruppe, die den grössten Teil einer Forderung der Banco Santander aufkaufte. Die spanische Bank hatte rund 1,5 Milliarden Dollar bei Madoff investiert. Eine noch grössere Forderung wurde letzte Woche von Fondsmanagern auf den Virgin Islands verkauft. Ob die Deutsche Bank erneut zum Zuge kam, ist nicht bekannt.

Mit dem Anti-Mafia-Gesetz

Das Geschäft wird angetrieben durch das aggressive Eintreiben der Forderungen durch den Sachwalter. Andererseits können und wollen Geschädigte in höherem Alter nicht warten, bis ihre Ansprüche geklärt sind. Schliesslich stecken zahlreiche Fondsmanager in der Finanzklemme, weshalb grosse Blöcke von mehreren 100 Millionen Dollar auf den Markt kommen.

Picard greift nun zu unkonventionellen Mitteln. So will er das österreichisch-italienische Bankenimperium um Sonja Kohn – einer Hauptkomplizin von Madoff – zu Zahlungen von 59 Milliarden Dollar zwingen. Die Klage stützt sich auf das Antikorruptionsgesetz, das an sich auf die Verfolgung von kriminellen Banden in den USA angelegt ist. Ein New Yorker Richter muss nun entscheiden, ob dieses Anti-Mafia-Gesetz erstmals gegen Banken und erstmals im Ausland durchgesetzt werden kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2011, 13:49 Uhr

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4 Kommentare

Hanspeter Bruhin

18.06.2011, 18:10 Uhr
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Es ist so, dass die Aasgeier in Amerika horsten. Der gutgläubige Fasnächtler Ospel hat geglaubt, er wäre den Hedgefondsmanager in den USA gewachsen. Die UBS hätte viel Geld und Ansehen gewahrt, wenn sie sich von der New Yorker und LosAngeles Börse nicht hätte erpressen lassen. Es gilt, wer dem Teufel den kleinen Finger gibt, dem nimmt er .... Antworten


Simon Schmid

18.06.2011, 14:21 Uhr
Melden 1 Empfehlung 1

Ich kann es nicht mehr lesen! Wieviele Leichen hat die UBS denn noch im Keller? Würde sich Otto-Normalbürger so verhalten, wäre er schon längst hinter Schloss und Riegel. Eine UBS wird staatlich gerettet und geschützt. Nicht zu fassen!! Antworten



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