UBS-Gewinn steigt 80 Prozent – Aktie stürzt ab

2015 verdiente die grösste Schweizer Bank 6,2 Milliarden – mehr als Analysten erwartet hatten. Dennoch kommt das Resultat schlecht an.

Die Konzentration auf die Vermögensverwaltung zahlt sich aus: UBS-Chef Sergio Ermotti in Zürich. (5. Februar 2013)

Die Konzentration auf die Vermögensverwaltung zahlt sich aus: UBS-Chef Sergio Ermotti in Zürich. (5. Februar 2013) Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Die grösste Schweizer Bank konnte ihren Gewinn 2015 kräftig steigern. Die Jahresrechnung schliesst mit einem Reingewinn von 6,2 Milliarden Franken ab. Das ist eine Zunahme von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Gewinn von rund 5,6 Milliarden Franken gerechnet.

Obwohl die Grossbank das zweitbeste Jahresergebnis seit der Finanzkrise erzielte, konnte sie die Investoren nicht vollends überzeugen. Zum Handelbeginn stürzte der Aktienkurs der UBS trotzdem ab und setzte damit die Talfahrt der letzten Tage ungebremst fort. Die Beteiligungspapiere notierten zeitweise rund 8 Prozent im Minus. Den Handel beendeten sie am Dienstag 6,8 Prozent tiefer als am Vortag.

Gewinn im Kerngeschäft «enttäuschend»

Analysten erklären dies damit, dass die Ergebnisse im Kerngeschäft gewisse Schwächen offenbaren. Die Erwartungen beim Konzerngewinn überträfen die Schätzungen nur aufgrund hoher Steuergutschriften und eines höher als erwartet ausgefallenen Ergebnisbeitrages aus dem Corporate Center. Um diese Sonderfaktoren bereinigt wird die Gewinnentwicklung als enttäuschend bezeichnet.

Nicht nur im Wealth Management, auch im kapitalintensiven Investmentbanking verfehlt der Ergebnisbeitrag die Erwartungen teilweise ziemlich deutlich. Analysten zufolge weiss auch die Nettoneugeldentwicklung nicht so recht zu überzeugen. Insbesondere in den Schwellenländern habe diese wie schon im dritten Quartal enttäuscht, so heisst es.

Steigerung in drei Bereichen

Turbulenzen an den Börsen, neue Regulierungen und die Massnahmen der Nationalbank gegen die Frankenstärke haben es den Schweizer Banken im vergangenen Jahr nicht einfach gemacht. Die UBS konnte diesem Gegenwind jedoch teilweise trotzen. So steigerte sie den Ertrag von 28,03 Milliarden Franken auf 30,61 Milliarden Franken deutlich.

Gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern konnte sich die Grossbank vor allem in drei Bereichen.

  • So erzielte die internationale Vermögensverwaltung mit einem Vorsteuergewinn von 2,7 Milliarden Franken gemäss Mitteilung der UBS das beste Resultat seit 2008.

Mit Vorsteuergewinnen von 1,6 und 1,9 Milliarden Franken schnitten aber zwei weitere Bereiche deutlich über dem Vorjahr ab:

  • das Schweiz-Geschäft (Personal&Corporate Banking) und
  • die Investmentbank.

Das Vorjahresergebnis verpasst hat dagegen die Vermögensverwaltung in den USA. Mit 718 Millionen Franken fiel 2015 der Vorsteuergewinn deutlich tiefer aus als 2014 (900 Millionen Franken).

Vorsichtiger Ausblick

Den Jahresgewinn erhöht haben jedoch auch Steuergutschriften. So hat die UBS im vierten Quartal eine weitere Gutschrift von 715 Millionen Franken verbuchen können nach einer Gutschrift von 1,3 Milliarden Franken im Vorquartal.

Beim Ausblick bleibt die UBS vorsichtig. Viele der zugrunde liegenden gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen und geopolitischen Risiken, auf die die Bank bereits früher hingewiesen habe, würden in absehbarer Zukunft wahrscheinlich nicht gelöst werden, schreibt die Bank. Die UBS halte jedoch weiter an ihrer bisherigen Strategie fest.

Erwartungen bei Dividende übertroffen

Die Grossbank erfüllt laut ihrer Mitteilung die verschärften Kapitalvorschriften vollständig. Die Kernkapitalquote nach Basel III habe am Ende des Jahres 14,5 Prozent erreicht, die Leverage Ratio für systemrelevante Schweizer Banken liege bei 5,3 Prozent.

Die UBS kann damit wieder mehr Gewinn an die Aktionäre ausschütten. Sie schlägt eine ordentliche Dividende von 60 Rappen pro Aktie vor. Dazu will sie eine Sonderdividende von 25 Rappen zahlen. Die «Finanz & Wirtschaft» hatte erwartet, dass das Management der Bank «ein Zeichen der Stärke setzen» wolle und deshalb die Dividende auf 80 Rappen erhöhen könnte, 10 Rappen mehr als im Vorjahr. Mit 80 Rappen rechneten die meisten Analysten. Die UBS würde mit der geplanten Ausschüttung von insgesamt 85 Rappen auch diese Erwartung übertreffen.

Für Anleger ist das Thema Dividende bei der UBS von Bedeutung. In den Jahren der Finanzkrise bezahlte die UBS gar keine Dividende. Sie sah sich nicht in der Lage dazu, denn sie musste ihre Eigenkapitalpolster stärken.

Aktien im Vorfeld unter Druck

Die Aktienkurse der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse haben gestern vor dem Hintergrund der anstehenden Jahresabschlüsse beide Verluste eingefahren. Dabei fiel aber der Kursverlust der Aktie der CS weit grösser aus.

Die Aktien der UBS kosteten bei Handelsschluss an der Schweizer Börse 16,68 Franken und damit 0,9 Prozent weniger als am Freitagabend. Weit ärger gerupft gingen die Wertpapiere der Konkurrentin CS aus dem Handel: Ihr Kurs sank um 2,6 Prozent auf 17,54 Franken. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent kaum verändert.

Verlust bei der CS erwartet

Beide Banken präsentieren in der laufenden Woche ihre Jahresergebnisse. Während UBS-Chef Sergio Ermotti den höchsten Gewinn seit 2010 einfahren konnte, erwarten Analysten, dass bei der zweitgrössten Schweizer Bank unter ihrem neuen Lenker Tidjane Thiam erstmals seit 2008 rote Zahlen anfallen werden.

Mit einer milliardenschweren Abschreibung wird Thiam am Donnerstag wohl die Expansionshoffnungen seiner Vorgänger im riskanten Investmentbanking endgültig begraben. (chk/rub)

(Erstellt: 02.02.2016, 06:50 Uhr) Update folgt...

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