Wirtschaft

Unbekannter Ölriese macht UBS, Novartis und Nestlé Konkurrenz

Von Jan Schwalbe (Finanz und Wirtschaft). Aktualisiert am 31.03.2010 5 Kommentare

Der weltgrösste Tiefsee-Ölbohrkonzerns hat vor wenigen Monaten seinen Sitz in die Schweiz verlegt. Nun will Transocean auch hier an die Börse. Im SMI wäre er ein Schwergewicht.

Im Einsatz: Ein Bohrschiff von Transocean.

Im Einsatz: Ein Bohrschiff von Transocean.

Transocean, der weltgrösste Tiefsee-Ölbohrkonzern, plant in den kommenden Wochen den Börsengang an der SIX Swiss Exchange und will sich am Hauptsegment kotieren lassen. Vertreter des Unternehmens bestätigten entsprechende Recherchen der «Finanz und Wirtschaft». Doch damit nicht genug. Guy Cantwell, Pressesprecher der Gesellschaft, bestätigte, er rechne damit, dass die Aktien spätestens ab September im Swiss Market Index (SMI) vertreten sein werden.

Transocean? Und noch im SMI? Vielen Schweizer Anlegern ist das Unternehmen unbekannt. Die 1929 gegründete und derzeit nur in New York kotierte Gesellschaft ist mit einer Börsenkapitalisierung von 27 Mrd. $ ein Konzern von Weltformat. An der Kapitalisierung gemessen rangiert Transocean unter den Mitgliedern des SMI gleichauf mit Syngenta, aber vor Holcim, Richemont, Swiss Re und Swisscom auf Position acht.

Gigant mit Sitz in Zug

Transocean ist ein Schweizer Unternehmen. Ende 2008 verlegte der Offshore-Bohrkonzern den Hauptsitz von den Cayman Islands nach Zug. Nicht zuletzt das langfristig stabilere Steuerumfeld und Steuerabkommen mit den USA und den EU-Mitgliedern beschleunigten den Entscheid. Das gesamte Top-Management, darunter CEO Steven L. Newman und Finanzchef Ricardo Rosa, zogen um. Sie arbeiten mittlerweile am operativen Hauptsitz in Genf. Der Grossteil der Angestellten sitzt weiterhin in Houston im US-Bundesstaat Texas. Der Umzug in die Schweiz hatte einen unangenehmen Nebeneffekt. Das Unternehmen wurde Ende Dezember 2008 aus dem S&P-500-Index entfernt. Wegen des Wechsels des Domizils in die Schweiz unterlag Transocean strengeren Vorschriften und wird von Standard & Poor’s nicht mehr als US-Unternehmen eingestuft. Eine Ausnahmeregelung für den Verbleib im S&P-500-Index gab es nicht.

In der Schweiz hat Transocean eine Erstkotierung (Primary Listing) beantragt, was Voraussetzung für die Aufnahme in den SMI ist. Damit ist das Unternehmen sämtlichen Vorschriften der SIX unterstellt. Der Börsengang ist noch im April zu erwarten. Die Zusammensetzung des SMI wird jeweils Anfang Juli mit Wirkung per 17. September überarbeitet. Guy Cantwell bestätigt, die SIX habe sogar in Aussicht gestellt, Transocean gemäss Ziffer 3.3 des Indexreglements schon vor September in den SMI aufzunehmen.

Investoren treffen

Dazu müsste es Transocean gelingen, über einen festgesetzten Zeitraum ein noch zu bestimmendes Handelsvolumen an der Börse zu erwirtschaften. Die Aufnahmekriterien für den SMI setzen sich zu gleichen Teilen aus der Börsenkapitalisierung und dem Handelsvolumen zusammen. Wer in der Mischrechnung unter die ersten zwanzig kommt, findet Aufnahme in den Index. Eine ausserordentliche Aufnahme ist selten. Letztes Beispiel war der Börsengang der Swisscom, deren Aktien wenige Tage nach der Kotierung in den SMI aufstiegen. Um Umsatz zu generieren, will sich Transocean mit Investoren treffen. Das Aktienkapital ist breitgestreut. Die Aktionäre lesen sich wie das Whos who der Finanzbranche. Fidelity, Franklin Resources, Vanguard, J. P. Morgan und Bank of America halten alle zwischen 1 und 3,5%. Ob sie in Zukunft über die Schweiz handeln, bleibt abzuwarten.

Transocean werden den Schweizer Aktienmarkt bereichern. Seit der Fusion mit Global Santa Fe ist der Konzern so gross wie die nächsten vier Konkurrenten – Seadrill, Noble, Ensco und Diamond Offshore Drilling – zusammen. Transocean vermietet Tiefwasser-fähige Bohranlagen, mobile Bohrtürme, die in mittleren Meerestiefen einsetzbar sind, und Bohrplattformen mit einziehbaren Beinen (Jack-up-Rigs). Insgesamt besitzt die Gesellschaft 140 Bohrschiffe und Bohrtürme.

Bald in aller Munde

Die Tagessätze für die Miete der Bohrschiffe waren zwischenzeitlich unter Druck geraten, haben sich aber erholt. Der Durchschnitt beträgt rund 200 000 $ pro Tag. Für ein Tiefseebohrschiff der neusten Generation wurden im Rahmen eines Fünfjahreskontrakts sogar 650 000 $ pro Tag vereinbart. Die Bücher sind mit Aufträgen im Wert von 30 Mrd. $ gefüllt. Die Anlagen sind für die nächsten zweieinhalb Jahre so gut wie ausgebucht. 90% der Aufträge stammen von erstklassigen Ölkonzernen wie Shell und Exxon Mobil oder nationalen Ölgesellschaften. Von der Ratingagentur Standard & Poor’s werden die langfristigen Verbindlichkeiten mit einem soliden BBB+ (Anlagequalität) bewertet.

Die Analysten des US-Brokers Morgan Stanley empfehlen die Titel mit einem Einjahreskursziel von 140 $ zum Kauf. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Kursniveau einem Kurspotenzial von 70%. Der hohe Cashflow von 2,8 Mrd. $ (2009) und die wachsende Nachfrage nach Tiefwasserbohrungen sind Gründe für die Empfehlung. Dank der soliden Finanzlage zahlt Transocean zum ersten Mal seit acht Jahren eine Dividende. Die Rendite von 3,7% kann sich sehen lassen.Findet Transocean Aufnahme im SMI, werden die Aktien für viele Fondsmanager und Grossanleger zum Pflichtkauf. Die Schweizer Börse SIX wird bald ein neues Börsenschwergewicht haben. (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 31.03.2010, 10:49 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Müller

31.03.2010, 11:53 Uhr
Melden

Newman&Co. werden wohl so schnell wieder gehen, wie sie gekommen sind - sollte die Abzockerinitiative angenommen werden....traurig aber wahr Antworten


Daniel Martel

31.03.2010, 12:27 Uhr
Melden

Schöner Erfolg für die Schweiz. Irgend etwas ist an diesem Lande doch dran. Antworten



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