VW-Rückruf in der Schweiz steht still

Die Schweiz hat bei der Nachbesserung der manipulierten VW-Fahrzeuge mit einem speziellen Problem zu kämpfen.

Nachbesserung vorläufig gestoppt: Ein VW-Passat auf dem Prüfstand.

Nachbesserung vorläufig gestoppt: Ein VW-Passat auf dem Prüfstand. Bild: Keystone

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Der Terminplan für die Rückrufaktion der manipulierten Dieselfahrzeuge von VW ist Makulatur. Eigentlich müsste die Nachrüstung gemäss der ursprünglichen Agenda längst auf Hochtouren laufen. Doch das Gegenteil ist der Fall, im Moment hat es Sand im Getriebe.

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt, kurz KBA, ist auf die Bremse gestanden. Das Amt muss für jede Etappe beim Rückruf eine Bewilligung erteilen. Damit soll insbesondere sichergestellt werden, dass durch die Nachbesserung bei den betroffenen Fahrzeugen weder Verbrauch noch Schadstoffwerte verändert werden.

Die betroffenen Fahrzeuge aus dem VW-Konzern waren so manipuliert, dass sie erkannten, wenn sie sich auf einem Prüfstand befanden, und den Schadstoffausstoss drosseln konnten. Um die manipulierten Fahrzeuge in einen ordnungsgemässen Zustand zu versetzen, braucht es ein Software-Update, das in wenigen Minuten vollzogen werden kann. Nur bei einer Motorengruppe, den 1,6-Liter-Aggregaten, muss zusätzlich ein Bauteil montiert werden.

Schweiz wartet auf Deutschland

Die ausstehende Bewilligung in Deutschland bringt auch das Prozedere in der Schweiz durcheinander. Denn das Bundesamt für Strassen (Astra) verlässt sich bei der Rückrufaktion auf die deutschen Kollegen beim KBA Deutschland.

In der Schweiz hat der Generalimporteur Amag bis jetzt die Nachbesserung beim Amarok durchgeführt. Ein nur in kleiner Stückzahl verkauftes Fahrzeug. Rund 500 dieser Pick-ups wurden nachgerüstet. Sozusagen ein Testlauf für die grösseren Volumen. Doch seither geht wegen der fehlenden Bewilligung durch das deutsche KBA nichts mehr.

Als Nächstes wären nun Modelle mit 2-Liter-Motoren an der Reihe. Dazu gehört etwa auch der Passat, der erstmals Anfang der 1970er-Jahre auf den Markt kam und in der Schweiz das am vierthäufigsten verkaufte VW-Modell der letzten fünf Jahre ist. «Sobald die KBA-Freigabe für den Passat vorliegt, werden wir unsere Kunden informieren und die Aktion starten», heisst es bei der Amag.

Unklar ist, wie sich die Verzögerung auf die nächsten Etappen des Rückrufprogramms auswirken wird. Denn bereits gegen Ende Juni wollte Amag mit dem Rückruf der 1,2-Liter-Modelle starten, und ab dem dritten Quartal wären die 1,6-Liter-Fahrzeuge an der Reihe.

Flucht nach vorn mit Rabatten

Genauere Aussagen, wann das O. K. aus Deutschland kommen könnte, gibt es bis jetzt nicht. Letzte Woche sagte ein VW-Konzern-Sprecher gegenüber «Spiegel online», dass die Gespräche und Messungen nach Ostern weitergingen. Über die Gründe für die Verzögerungen gibt es keine offiziellen Angaben. Vermutet wird, dass die Verbrauchswerte nach dem Update zu hoch sind.

Hier gilt Nulltolleranz, wie auch Generalimporteur Amag Anfang März gegenüber baz.ch/Newsnet sagte: «Volkswagen und die Amag stehen zum Kundenversprechen, dass sich die Eigenschaften der Fahrzeuge nach dem Software-Update nicht nachteilig verändern.»

Um die Kundschaft bei Laune zu halten, scheint VW zumindest im Mutterland besonders offensiv Rabatte und Eintauschprämien zu gewähren. Deutsche Medien berichten von Rabatten bis zu 28 Prozent gegenüber dem Listenpreis bei einem dreitürigen Golf. Generell gilt eine Prämie von 2000 Euro beim Eintausch und Neukauf eines VW-Fahrzeugs.

Mit einer Eintauschprämie bei Golf und Passat von 2000 Franken hofft VW auch in der Schweiz bei Kunden punkten zu können. Sie gilt bis Ende April. Ebenso wie Prämien von 1500 bis 5000 Franken auf verschiedene VW-Sondermodelle. Im Kleingedruckten zu dieser Aktion steht auf der Schweizer VW-Website im Moment: «Als vorsorgliche Massnahme sind die auf dieser Website aufgeführten Werte für CO2-Emissionen und Verbrauch gegenwärtig in Überprüfung. Sobald die Überprüfung abgeschlossen ist, werden diese Werte wenn nötig aktualisiert.» (baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 29.03.2016, 20:02 Uhr)

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