Wirtschaft
Verunsicherte Manager stossen Aktien der eigenen Unternehmen ab
Von Marc Badertscher und Andreas Flütsch. Aktualisiert am 13.11.2009 17 Kommentare
Alleine im September sind beim Versicherer Swisslife Wertpapiere im Wert von über 70 Millionen Franken abgestossen worden: Verwaltungsrat Carsten Maschmeyer.
Aktien für 87 Millionen Franken verkauft: Klaus-Michael Kühne vom Logistikkonzern Kühne + Nagel.
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Seit zwei Monaten legt die Schweizer Börse nicht mehr zu, und seit zwei Monaten kaufen die Manager keine Aktien ihrer eigenen Unternehmen mehr. Das ist kein Zufall. Die Schweizer Unternehmenselite wartet auf höhere Auftragseingänge und ist verunsichert, ob die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist oder ein neuer Börsenabsturz droht.
Besonders viel Cash machte dabei Verwaltungsrat Carsten Maschmeyer bei Swiss Life. Alleine im September sind beim Versicherer Wertpapiere im Wert von über 70 Millionen Franken abgestossen worden. Auch Klaus-Michael Kühne vom Logistikkonzern Kühne + Nagel verkaufte Aktien für 87 Millionen Franken. Dies zeigen Pflichtmeldungen der Unternehmensführer an die Börse.
«Wir stehen an einem Wendepunkt», sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance. Die Unternehmenslenker, die täglich tiefen Einblick in Abläufe und Auftragslage ihrer Firmen bekommen, halten sich seiner Ansicht nach wegen der grossen Unsicherheit zurück.
Nicht alles an die Firma ketten
Das Zögern ist aussergewöhnlich. In früheren Herbstmonaten haben Verwaltungsräte und Geschäftsleitung doppelt so viele Transaktionen mit Aktien des eigenen Unternehmens gemeldet wie dieses Jahr. Und wer jetzt noch handelt, neigt anders als im Frühling zum Verkaufen.
«Wenn bei einer Firma das Management gehäuft Aktien verkauft, dann sollte man das schon genauer anschauen», sagt Finanzanalyst Olivier Müller von der Credit Suisse. Allerdings warnt er davor, Aktienverkäufe automatisch als Signal für besorgte Manager zu deuten. «Auch Manager und Verwaltungsräte wollen normalerweise nicht ihr gesamtes Geld in der gleichen Firma investiert haben», sagt Müller. «Sie diversifizieren. Deshalb kommt es zu Verkäufen, auch zu gehäuften Verkäufen, wenn etwa eine Haltefrist für Aktien zu Ende geht.» Das habe oftmals wenig mit Insiderwissen zum Geschäftsgang zu tun. Bei der Credit Suisse selber hat die Führung zuletzt Aktien im Wert von 27 Millionen Franken abgestossen.
Abhängig vom Lohnmodell
Die meisten Manager-Transaktionen hängen in der Tat mit den Entlöhnungsmodellen (und Haltefristen) zusammen. Je nach Schätzung sind 50 bis 80 Prozent des Handels darauf zurückzuführen, dass die Manager vom Unternehmen Aktien und Optionen erhalten. Irgendwann müssen diese auch verkauft oder ausgeübt werden.
Und trotzdem: Der Zeitpunkt ist nie Zufall. Einer Diplomarbeit der Universität Zürich zufolge sinken die Kurse im Durchschnitt, nachdem die Führungskräfte ihre Aktien verkauft haben. «Solche Phasen wie im Moment sind stets ein Zeichen dafür, dass die Lage an der Basis ganz anders eingeschätzt wird als an der Börse», sagte Professor Stotz dem «Handelsblatt». Die Basis – das ist in diesem Falle die Elite. Und sie wartet. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.11.2009, 06:43 Uhr
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17 Kommentare
An den US-Börsen ist der Insider-Trade (mit eigenen Aktien) ein wichtiges Indiz für den Zustand des Unternehmens und wird täglich veröffentlicht. Wenn das Management Aktien verkauft, glaubt es nicht mehr an eine weitere positive Entwicklung der Firma und fast immer wissen es diese Insider sogar genau. Also folgen Sie den Insidern und alles wird gut (für Ihr Portfeuille). Antworten
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