Wirtschaft

Wallis verliert 400 Jobs

Aktualisiert am 31.10.2012 59 Kommentare

Schreckensmeldung für den Gebirgskanton: Der Basler Feinchemiekonzern Lonza baut in seinem Werk in Visp 400 Stellen ab. Auch in Basel dürften mehr als 30 Arbeitsplätze verschwinden.

Konsultationen zwischen den Sozialpartnern laufen: Ein Teil der Anlage von Lonza am Rhoneufer in Visp. (Archivbild vom Oktober 2005)

Konsultationen zwischen den Sozialpartnern laufen: Ein Teil der Anlage von Lonza am Rhoneufer in Visp. (Archivbild vom Oktober 2005)
Bild: Keystone

Bereits 2010 wurden knapp 200 Stellen abgebaut: Eingang zum Lonza-Werk in Visp. (25. März 2010) (Bild: Keystone )

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Der Basler Feinchemiekonzern Lonza (LONN 72.5 0.00%) streicht an seinem grössten Standort Visp VS 400 der rund 2800 Stellen. Zudem fallen weltweit 100 Arbeitsplätze in der Verwaltung weg. Die Walliser Kantonsregierung und die Gewerkschaften reagierten mit Unverständnis.

Einigen Angestellten, deren Stellen in Visp wegfallen, sollen intern neue Positionen angeboten werden, teilte Lonza mit. Lonza-Sprecher Dominik Werner sagte, er erwarte, dass 50 bis 100 interne Versetzungen möglich sein sollten.

Von den 100 Stellen, die in der Verwaltung wegfallen, sind etwa ein Drittel in der Schweiz. Der Grossteil davon ist am Hauptsitz in Basel. Wie in der Schweiz vorgeschrieben, besteht ein Sozialplan. Konsultationen mit den Gewerkschaften sind für die nächsten Wochen geplant. Endergebnisse erwartet Lonza im November.

Konzernchef Richard Ridinger sagte vor den Medien in Visp, zwei Drittel des Abbaus von 500 Stellen sollten sich durch natürlichen Abgänge, Frühpensionierungen und das Auslaufen von temporären Arbeitsverträgen bewerkstelligen lassen. Entlassungen sind gemäss dem CEO aber unvermeidbar.

Visp zu wenig profitabel

Der Stellenabbau in Visp zieht sich über zwei Jahre hin. Der grösste Teil erfolgt gemäss Ridinger 2013. Als Grund nennt Lonza die mangelnde Profitabilität. Das Sparprogramm «VispChallenge» soll die Produktivität bis 2015 um 100 Millionen Franken verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen.

Die Produktionsstätte in Visp ist zwar ausgelastet, leidet aber an unter anderem der anhaltenden Frankenstärke. Deshalb erhöhte Lonza im Herbst 2011 die wöchentliche Arbeitszeit um 1,5 Stunden auf 42,5 Stunden.

Weiter setzen die kostengünstige Konkurrenz, ein nicht optimaler Produktemix und hohe Energiekosten dem Werk zu. Der Strompreis im Wallis sei 30 Prozent höher als in Deutschland und Frankreich, erklärte Ridinger.

Ridinger bekannte sich zu dem Hauptstandort im Wallis. Lonza setze alles daran, dass das Unternehmen auch in zwanzig Jahren der wichtigste Arbeitgeber im Oberwallis sei. Das Visper Werk steuert rund 25 Prozent zum Lonza-Umsatz bei. Dieser soll im laufenden Jahr 4 Milliarden Franken erreichen.

Im Anschluss an das Programm für Visp nimmt Lonza die weltweite Produktion unter die Lupe und wird ähnliche Verbesserungsprogramme an anderen Standorten einführen.

Aufschrei im Wallis

Die Walliser Kantonsregierung reagierte geharnischt: Der Stellenabbau sei in dieser Form nicht akzeptabel und unverständlich, schrieb sie. Sie verlange eine vollständige Information durch die Konzernführung.

Zudem werde sie zusammen mit der Gemeinde Visp alle Hebel zur Erhaltung der Arbeitsplätze in Bewegung setzen. Eine Taskforce der Volkswirtschaftsdirektion sei bereits aktiviert.

Volkswirtschaftsdirektor Michel Cina sagte, es entstehe der Eindruck, als ob Visp zur Entschuldung des Konzerns herhalten müsse nach der Milliardenübernahme des US-Biozid-Konzerns Arch Chemicals. Cina sagte eine Reise mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann nach Asien ab. Er hätte als Präsident der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz mitreisen sollen.

Der Personalverband Angestellte Schweiz hielt fest, die Beschäftigten hätten der unentgeltlichen Arbeitszeitverlängerung in der Hoffnung zugestimmt, ihre Stellen behalten zu können. Eine Massenentlassung in der Geltungsdauer der Arbeitszeitverlängerung müsse vor den Kopf stossen.

Die Gewerkschaft Unia teilte mit, die Belegschaft habe für die Firma unbezahlte Mehrarbeit geleistet und erhalte jetzt mit einer Massenentlassung den Dank dafür. Syna konstatierte, einmal führe das Lonza-Management eine Restrukturierung auf dem Buckel der Beschäftigten durch.

Lonza auf Kurs

Zum dritten Quartal und den ersten neun Monaten teilte Lonza mit, das Geschäftsergebnis entspreche trotz schwieriger Marktumstände den Erwartungen. Alle Sektoren seien ausgelastet gewesen.

Die Kredite für die Übernahme von Arch seien vorteilhaft refinanziert, die Integration des Zukaufs gut unterwegs. Die Jahresziele 2012 sollten erreicht werden. Lonza will den Betriebsgewinn (Ebit) gegenüber 2011 um 10 bis 15 Prozent steigern. (rub/sda)

Erstellt: 31.10.2012, 07:27 Uhr

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59 Kommentare

Peter Meyer

31.10.2012, 08:34 Uhr
Melden 177 Empfehlung 23

Gestern UBS, heute Lonza, morgen ... Man hat den Eindruck, die Krise hält langsam aber sicher auch in der Schweiz Einzug. Wird ja interessant zu sehen, was man jetzt mit diesen tausenden von Hochqualifizierten macht, die die Schweiz sooo dringend benötigte. Antworten


Xil Ren

31.10.2012, 08:36 Uhr
Melden 109 Empfehlung 8

Das grosse Tabularasa findet erst statt. Mit UBS und Lonza haben wir einen ersten Vorgeschmack. Fasten seat belts. Antworten



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