Was passiert, wenn die Migros kommt

Der Detailhändler hat seit neustem auch Bike-Shops. Das macht den kleinen Anbietern Angst. Worauf sie sich vorbereiten müssen, zeigt der Markt für Fitnesscenter.

Wer auf diesem Markt erfolgreich sein will, muss Ausdauer beweisen: Sportler trainieren in einem Fitnesscenter.

Wer auf diesem Markt erfolgreich sein will, muss Ausdauer beweisen: Sportler trainieren in einem Fitnesscenter. Bild: Keystone

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Die Zeiten, als der Name Migros nur für günstige Lebensmittel stand, sind längst vorbei. Weil in ihren angestammten Geschäftsfeldern kaum noch Wachstum möglich ist, breitet sich die Migros in immer mehr anderen Sparten aus. Zum Imperium gehören heute Fitnesscenter, Fast-Food-Ketten, Klubschulen und Gesundheitszentren.

Auch den Velohändlern macht die Migros seit neustem Konkurrenz. In Volketswil hat sie die erste «Bike World»-Filiale eröffnet. Dort können die Kunden Velos kaufen, reparieren lassen, Zubehör und Ersatzteile gibt es ebenfalls. Bis in fünf Jahren will die Migros das Konzept in der ganzen Schweiz lancieren.

Die Schweizer Fahrradhändler befürchten nun das Schlimmste. «Für uns ist das eine mittlere bis grössere Katastrophe», sagt Peter Sommer, Präsident des Schweizerischen Zweiradgewerbes, in der SRF-Sendung «Echo der Zeit». Er hat Angst, dass die kleinen Velohändler ihre Position im stark fragmentierten Markt verlieren. Diese Sorge sei berechtigt, sagt Christoph Lechner, Managementprofessor an der Universität St. Gallen. Denn die kleinen Händler führten weniger Marken, hätten weniger Macht in der Einkaufspolitik und weniger Know-how. Die Migros hingegen wiegelt ab: Der Markt sei gross genug, um Fachhändlern jeder Grösse Platz zu bieten.

«Davon können die Konkurrenten nur träumen»

Ein Blick auf andere Expansionen der Migros zeigt, dass die Ängste der Fahrradhändler nicht aus der Luft gegriffen sind. Im Bereich Fitnesscenter etwa hat der Detailhändler seit seinem Markteintritt schon viel erreicht. Laut dem Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter Verband (SFGV) haben Fitnessketten derzeit einen Anteil am gesamten Geschäft von 22 Prozent. 7,4 Prozent entfallen allein auf die Migros und ihre 65 Standorte. In einem Markt mit derart vielen verschiedenen Akteuren ist das nicht wenig. Die anderen Kettenbetreiber spielen laut dem SFGV «eine unbedeutende Rolle mit Anteilen von 2 bis 3 Prozent».

Die Migros verfolge eine aggressive Marktausdehnung, sagt SFGV-Präsident Claude Ammann. Dabei könne sie bei der Ausstattung, der Infrastruktur und im Marketing aus dem Vollen schöpfen, im Gegensatz zu den kleineren Anbietern. «Die Migros hat finanzielle Möglichkeiten, von denen die meisten Konkurrenten nur träumen können.» Ammann betont jedoch, dass 78 Prozent der Fitnesscenter immer noch Einzelunternehmungen sind. «Der Markt ist nach wie vor durch eine starke Dominanz der KMU geprägt.» Auch Migros-Sprecherin Monika Weibel verweist auf die «Vielzahl kleinerer und grösserer Player, die den mit Abstand grössten Teil dieses Marktes ausmachen und sich darin erfolgreich behaupten».

Auch Coop mischt jetzt mit

SFGV-Präsident Ammann glaubt, dass kleine und mittlere Studios weiterhin Platz haben werden – vorausgesetzt, sie verfolgen die richtige Strategie. «Wir empfehlen unseren Mitgliedern, voll auf die Ausbildung ihrer Angestellten zu setzen und die Kunden ganzheitlich zu beraten. Also nicht nur punkto Sport, sondern auch in Sachen Ernährung und Lebensstil», sagt Ammann. Grosse Zentren könnten die Preise zwar tiefer ansetzen, dafür sei aber die Beratung weniger umfassend. «Das können die kleineren Anbieter ausnutzen.» Auch in der Fokussierung sieht Ammann grosse Chancen; zum Beispiel auf ältere Kunden, Menschen mit Rückenproblemen oder Sportler.

Den ganzheitlichen Ansatz hat die Migros allerdings auch entdeckt. Sie ist mittlerweile an 35 Gesundheitszentren beteiligt, bietet in ihren Klubschulen Entspannungskurse an und hat gerade das neue Kochportal Migusto lanciert. Und die Konkurrenz dürfte in Zukunft noch härter werden. Denn der Migros-Erzrivale Coop drängt ebenfalls in den Fitnessmarkt. Er hat letztes Jahr die Mehrheit am Ostschweizer Anbieter Update Fitness übernommen. Dieser will bis 2020 auf 35 Center wachsen. «Im Moment sieht es so aus, als würde Coop eine ebenso aggressive Wachstumsstrategie verfolgen wie die Migros», sagt Claude Ammann.

Müssen sich die Schweizer Velohändler also auf ebenso harte Zeiten einstellen? Migros-Vertreterin Weibel widerspricht. Eine vergleichbare Expansion wie im Fitnessbereich sei nicht geplant. Die Migros verkaufe schon seit Jahren Velos in den SportXX-Filialen, nun wolle sie die «Kompetenz im Fahrradbereich einer breiteren Zielgruppe anbieten». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2017, 20:59 Uhr

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