Wirtschaft

Web-TV-Anbieter schlachten ihren Vorteil aus

Von Angela Barandun. Aktualisiert am 04.03.2011

Bei Wilmaa und Zattoo kann man heute eine Folge von «Desperate Housewives» abrufen, die letzte Woche im TV war. Das Nachsehen haben die Fernsehsender.

Gratis am Web-TV zu sehen: Die Frauen von «Desperate Housewives», hier bei einem Fototermin für die Emmy Awards.

Gratis am Web-TV zu sehen: Die Frauen von «Desperate Housewives», hier bei einem Fototermin für die Emmy Awards.
Bild: Reuters

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Bei Informationssendungen wie «10 vor 10» und der «Tagesschau» hat es sich schon lange durchgesetzt: Mehrere Tausend Mal werden die archivierten Videos nach ihrer Ausstrahlung per Internet abgerufen. Das Schweizer Fernsehen stellt heute die meisten eigenen Sendungen auf ein eigenes Videoportal, wo sie nachträglich noch tagelang abgerufen werden können (sogenanntes Catch-up-TV). Einen solchen Service bieten praktisch alle deutschsprachigen Sender heute an. «TV total» zum Beispiel wird nach der Ausstrahlung im Schnitt 40'000 Mal übers Internet geschaut.

Keine ausländische Spielfilme

Nur eins sucht man auf den Seiten der Sender meist vergeblich: ausländische Spielfilme und Serien. Das Problem sind die Rechte. In den Verträgen für Soaps wie «Desperate Housewives» ist ganz genau geregelt, wann und wie oft ein Sender eine Episode ausstrahlen darf. Für sogenannte Web-TV-Anbieter, die über ihre Website bis zu 100 Fernsehkanäle live verbreiten, gelten jedoch andere Regeln. Nicht nur mit Blick auf andere Verbreitungsformen wie Kabelfernsehen oder Swisscom TV, sondern auch mit Blick aufs Ausland. «Web-TV-Anbieter müssen für das sogenannte Catch-up-TV lediglich einen Vertrag mit der Verwertungsgesellschaft Suissimage abschliessen», erklärt Klaus Kappeler, Chef des Medienunternehmens Goldbach Group. «Cablecom und Swisscom TV hingegen brauchen dafür Verträge mit jedem einzelnen Sender.» Das mache ein solches Angebot deutlich komplizierter, sagt Kappeler. Seine Firma ist Mehrheitsaktionärin des Web-TV-Anbieters Wilmaa.

Kostenpflichtiger Dienst

Diesen Vorteil nützen die Web-TV-Anbieter schamlos aus. Seit kurzem zeichnen sowohl Wilmaa wie auch Zattoo sämtliche Sendungen aller bei ihnen verfügbaren Kanäle auf – bei Wilmaa sind das 46, bei Zattoo (an dem Dienst ist das Verlagshaus Tamedia beteiligt, das auch den TA herausgibt) sogar 100. Aus rechtlichen Gründen müssen die Nutzer das Angebot aber erst aktivieren.

Bei Wilmaa ist der Dienst seit Anfang Februar erhältlich – und laut Kappeler ein Erfolg: «Die ersten Nutzerzahlen waren doppelt so hoch wie in unseren optimistischsten internen Schätzungen.» Allerdings war das Angebot im Februar gratis. Seit März kostet es 8.80 Franken pro Monat. Bei Zattoo ist Catch-up-TV im kostenlosen Basisangebot enthalten. Beim dritten populären Web-TV-Anbieter namens Teleboy kann man zwar einzelne Sendungen aufzeichnen, nicht aber das gesamte Programm.

Traditionelle Anbieter ziehen nach

Im Moment können die Web-TV-Anbieter ihren Nutzern etwas bieten, was sie auf herkömmlichen TV-Geräten nicht haben. Das dürfte ihnen helfen, auch in Zukunft rasch zu wachsen. Lange dürfte es aber nicht mehr dauern, bis die konventionellen Anbieter – trotz höherer Hürden – nachziehen. Das macht die Swisscom klar: «Wir können uns gut vorstellen, einen vergleichbaren Dienst anzubieten», sagt Sprecher Olaf Schulze. Cablecom hat den ersten Schritt bereits getan: Sie bietet Zugriff auf die Videodatenbank des Schweizer Fernsehens.

Goldbach, die Mehrheitsaktionärin von Wilmaa, hat gestern ihr Jahresergebnis präsentiert. Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 334,5 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn (Ebit) verdoppelte sich fast auf 22,7 Millionen, der Gewinn legte 6,7 Prozent auf 5,1 Millionen Franken zu. Allerdings beeinflussten mehrere Sondereffekte das Ergebnis negativ. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.03.2011, 22:19 Uhr

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