Wirtschaft
«Weltwoche»: Nicht schreiben, was ist
Von David Vonplon. Aktualisiert am 09.03.2009
«Keine Enthüllung um der Enthüllung willen»: Roger Köppel Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche».
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Oswald Grübel wird neuer Chef der UBS. Diese Meldung schlug am Morgen des 25. Februar wie eine Bombe ein. Die Nachricht hätte indessen bereits schon viel früher an die Öffentlichkeit gelangen können: Denn die «Weltwoche» hatte schon in den ersten Februarwochen Kenntnis vom Machtwechsel an der Spitze der Grossbank, wie mehrere Quellen bestätigen.
Es wäre für das Wochenblatt wohl der Scoop des Jahres gewesen: Der Einstieg des Credit-Suisse-Bankers bei der UBS hätte nicht nur die nationalen Medien über viele Tage beschäftigt, diese Meldung hätte es wohl auch in der internationalen Presse auf die Titelseite geschafft. Vergessen wären die Peinlichkeiten gewesen, welche sich die «Weltwoche» zuvor in der UBS-Berichterstattung geleistet hatte – so schrieb die «Weltwoche» just an jenem Tag, als das Milliardenpaket des Bundes an die UBS bekannt wurde, die Krise des Bankenplatzes Schweiz existiere nicht.
Köppel stoppte Artikel
Doch die Bombe platzte nicht – und dies aus einem einfachen Grund: Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche», wollte die Information nicht veröffentlichen. In der Redaktion stellte er sich auf den Standpunkt, er wolle mit dieser Vorabpublikation der UBS nicht weiteren Schaden zufügen. Auch auf Anfrage von baz.ch/Newsnet begründet Köppel seine Zurückhaltung mit der Moral: «Die Weltwoche ist grundsätzlich kein Blatt, das Enthüllung um der Enthüllung willen betreibt.» Hinter einer Geschichte brauche es immer ein Motiv – etwa gravierende Missstände aufzudecken oder eine Neubeurteilung der Situation zu erzielen: «Nur dann lassen sich Amtsgeheimnis- oder Geschäftsgeheimnisverletzungen rechtfertigen.» Über den konkreten Fall will sich Köppel nicht äussern: Dies seien Spekulationen – er könne diesen Fall so nicht bestätigen.
Die Zurückhaltung Köppels erstaunt: Immerhin war die Meldung börsenrelevant. Und in anderen Fällen verfuhr der «Weltwoche»-Verleger ungleich weniger zimperlich: Gegen die Zürcher Sozialvorsteherin Monika Stocker ritt er auf der Grundlage von Amtsgeheimnisverletzungen über Wochen und Monate hinweg eine Kampagne, die schliesslich zum Rücktritt Stockers führte. In der Affäre Holenweger schien er sich ebenso um die Kollateralschäden zu foutieren, welche die Berichterstattung seines Blatts auslöste.
Untypisches journalistisches Verhalten
«Weltwoche»-nahe Kreise halten Köppels Argumentation für unglaubwürdig: Sie weisen darauf hin, dass Köppel seit Jahren der UBS nahe stehe – und notabene auch ein persönliches Konto bei der Grossbank habe. Köppel sei es vor allem darum gegangen, den Goodwill seiner Freunde vom Paradeplatz nicht zu verscherzen. Andere Stimmen verorten den Grund für das für einen Journalisten völlig untypische Verhalten in einer anderen Ecke: Sie glauben, dass Köppel den Einstieg Grübels bei der UBS mit einer frühen Publikation nicht zementieren wollte – um so seinem Übervater Christoph Blocher eine allfällige Ernennung als Verwaltungsratspräsident der UBS zu erschweren. Köppel selber bezeichnet solche Spekulationen als «total lächerlichen Quatsch». (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.03.2009, 19:20 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


