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Wer auf die Analysten hört, macht mit BP ein schlechtes Geschäft
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Wem dienen die Analysten? «Dem Aktionär», antwortet Sven Bucher, Chef von Aktienresearch bei der ZKB. Das mag für die Zürcher Kantonalbank stimmen. Sie stufte die BP-Aktie von Kaufen bei Ausbruch der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko sukzessive auf «unterbewerten» ein. Die meisten seiner Kollegen aber schreiben an den Interessen ihrer Kunden vorbei. Während die Anleger in Scharen aus dem Papier fliehen, halten die Researchabteilungen der meisten Banken BP-Chef Tony Hayward und seinem Unternehmen die Treue.
Eine Auswertung des deutschen Finanzportals OnVista zeigt, dass von 50 Analysen in den letzten drei Monaten gerade mal 6 zum Verkauf raten. Die Nachrichtenagentur Reuters hat kürzlich die Reaktionen der Analysten auf das BP-Desaster unter die Lupe genommen. Fazit des Papiers: Die Zunft hat kollektiv versagt. Am Stichtag 11. Mai empfahlen 27 von 34 Analysten, die von Thomson Reuters berücksichtigt werden, das Papier mit «Kaufen» oder «Überbewerten». Die restlichen 7 stuften die Aktie mit «Halten» ein. Keiner riet zum Verkauf.
ZKB-Analyst Bucher gibt aber zu bedenken: «Am Anfang wusste niemand, wie sich die Katastrophe entwickeln würde. Alle unterschätzten das Ereignis.» Die Profis der US-Investmentbank Morgan Stanley etwa verglichen das Ereignis mit dem Öltanker Valdez, der 1989 vor Alaska sank. Trotz des Unglücks seien die Exxon-Papiere danach wieder stark gestiegen. Ein Credit-Suisse-Papier, das eine Woche nach der Explosion der Ölplattform aufgelegt wurde, erwähnt das Unglück mit keiner Zeile.
Der deutsche Finanzprofessor Wolfgang Besseler, der die Rolle von Analysten und die Qualität ihrer Arbeit untersucht, sagte im «Handelsblatt»: «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Analysten positive Ereignisse über- und negative Nachrichten unterschätzen.» Er spricht auch vom Herdenverhalten. Vor allem für junge Analysten sei es wichtig, nicht negativ aufzufallen. Sie orientierten sich am Durchschnitt.
Im Interessenkonflikt
In der Untersuchung von Reuters wird ein weiterer Zusammenhang aufgezeigt: Grosskonzerne wie BP (BPAM 5.1 -0.10%) sind Schwergewichte, was Aktien- oder Anleihenplatzierungen anbelangt. Laut Reuters legte BP in den letzten fünf Jahren Anleihen für 38 Milliarden Dollar auf und verschaffte den involvierten Banken Einnahmen von dreistelligen Millionenbeträgen. Zu den Top-Emissionsbanken gehören UBS und CS. Die Analysten von UBS Investmentbanking empfehlen die Aktie nach wie vor zum Kauf. Das CS-Rating lautet seit dem 31. Mai auf «Halten», nachdem der Titel zuvor noch zum Kauf empfohlen worden war.
«Der Interessenkonflikt mit dem Investmentbankig ist immer gegeben», sagt Wolfgang Besseler. Ähnlich sieht es sein amerikanischer Kollege Finanzprofessor Leonhard Rosenthal. Es werde immer Druck auf Analysten geben, die eine Verkaufsempfehlung abgeben möchten. Allerdings muss man anfügen, dass auch Banken, die nicht im Emissionsgeschäft mit dem Ölmulti sind, noch immer auf Optimismus machen. Dazu gehört laut Reuters etwa die holländische ING.
Einer, den das Versagen der Branche im Fall BP nicht erstaunt, ist John Olson. Der angesehene Erdgas-Analyst wurde 1998 von Merrill Lynch gefeuert, nachdem der US-Energiekonzern Enron die Investmentbank von einem lukrativen Emissionsdeal ausgeschlossen hatte. Expliziter Grund: Olsons mangelnde Begeisterung für das Enron-Papier. Olsons Einschätzung des BP-Papiers heute: «Es ist radioaktiv.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.07.2010, 22:33 Uhr
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