Wirtschaft
Wie BP Google benutzt
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 08.09.2010 20 Kommentare
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Bezahlte Werbung mit Textanzeigen wird zu einem immer grösseren Geschäft für Google, vor allem dann, wenn es kriselt. Der Ölkonzern BP zum Beispiel hat während der Katastrophe im Golf von Mexiko Dutzende von Suchbegriffen für sich ersteigert, um besser dazustehen. Noch heute erscheinen PR-Texte und Videos mit optimistischen Botschaften an erster Stelle, wenn man auf Google nach dem Ölleck sucht.
Die Einnahmen der bezahlten Suchanfragen gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen von Google. Doch ein internes Dokument, das in die Hände des Fachmagazins «Advertising Age» gelangt ist, listet die grössten Auftraggeber solch bezahlter Werbung mit Textanzeigen für den Monat Juni auf. Google wollte dazu keine Stellung nehmen, kündete wegen der Publikation der vertraulichen Daten aber eine Untersuchung an.
Günstige Werbung
Die Liste bestätigt einen wachsenden Trend von Unternehmen, Stichworte zu ersteigern, um ihr Image aufzupolieren oder neue Produkte zu lancieren. Das ist weit günstiger als Werbespots im Fernsehen zu schalten und der Beachtungsgrad ist erst noch höher. So investierte BP auf dem Höhepunkt der Ölkatastrophe 3,6 Millionen Dollar in Adwords von Google, dem Werbearm des Konzerns, der letztes Jahr 23 Milliarden Dollar generierte, den Hauptteil des Umsatzes.
Die Differenz zu anderen Ölkonzernen war markant: Exxon steckte im Juni nur 43'000 Dollar in die von Google offerierte Imagepolitur. BP selber hatte vor der Krise dafür nur 57'000 Dollar im Monat aufgewendet. Alles in allem liess sich BP die Werbung im ersten Halbjahr 78,7 Millionen Dollar kosten, verglichen mit 94 Millionen im ganzen letzten Jahr.
AT & T investierte grosszügig
Am meisten Geld steckte im Juni aber der Telecomkonzern AT & T in die Google-Maschine. Er investierte über acht Millionen Dollar in die Lancierung des iPhone der vierten Generation, dessen alleiniger Provider er vorderhand ist. Apple selbst wendete weniger als eine Million für Google-Textanzeigen auf. Eine prominente Rolle spielte auch die Apollo-Gruppe, wie BP ein Krisenunternehmen. Der Konzern betreibt die University of Phoenix, eine Online-Hochschule, die im Verdacht steht, ein Vehikel zur Subventionsgenerierung zu sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.09.2010, 22:43 Uhr
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20 Kommentare
Auch hier: der grosse PR-Schwindel unserer Zeit reicht bis in unsere Wohnstuben. Es wird beschönigt, manipuliert was das Zeug hält, während das "Fussvolk" oft was ganz Anderes erlebt. Die Kluft wird immer grösser und langsam reisst der Faden. Gegenwehr ist dringend nötig. Glaub nie, was PR, Werbung, Marketing uns vorgaukeln, denn sie sind alle kunterbunt geschönt, um noch mehr Gewinn zu pressen. Antworten
Warum sind hier einige so naiv und meinen tatsächlich, es gebe nur Adwords? Diese sind sozusagen fürs "Werbe-Fussvolk". Doch für jene, die Millionen locker machen, kann Google das Ranking beeinflussen, Suchresulatete durchaus steuern und manipulieren und unliebsame Seiten auch ausklammern. Und dann wird es eben unseriös und sogar gefährlich: Eine Firma bestimmt, was wir wissen sollen und dürfen! Antworten
@Nicolas Wullschleger: Lieber Herr Wullschleger, Sie haben schon recht - Suchen ist die Aufgabe einer Suchmaschine. Wissen Sie, was aber noch wichtiger ist? Was Sie finden! Wenn Sie nach Migräne suchen - was ist Ihnen lieber, 10 PR-Artikel und 20 Anzeigen der Pharmaindustrie oder fundierte, objektive und breitgefächerte Informationen nach Qualitäts- und nicht nach Kommerzaspekten? Darum geht's! Antworten
Ich bin auch der Meinung, dass der Artikel den falschen Eindruck erweckt. Hier gehts nicht um das Ranking der Suchresultate, sondern nur um die Werbung rechts bei den Suchresultaten. Nichts anrüchiges. Die Ranking-Position kann man sich nicht bei Google erkaufen. Antworten
Suchwörter kann man nicht kaufen. Da aber Algorithmus und Datenbestand für die Trefferreihenfolge nicht öffentlich nachvollziehbar sind, besteht ohne weiteres die Möglichkeit, teure Werbekunden etwas zu begünstigen. Ob sowas getan wird, ist weniger eine Frage der Ethik, sondern eher eine Frage davon, wie gross man das Risiko einschätzt, dass jemand plaudert. Antworten
Alles, aber auch wirklich alles, im Internet ist sehr fragwürdig. Nur du alleine kann entscheiden, was brauchbar ist. Wer keine Bildung hat, bleibe lieber draussen. Eingebildete werden schnell zu Opfern. Die wirklichen Referenzen findet man an den Universitäten, wie MIT, Stanford, Princeton, Virginia usf. Beklage dich nicht über Manipulation, denn du bist derjenige, der dich manipuliert. Antworten
@meier: Was genau gibt es denn "hinter den Kulissen mehr"? @schnauz: Reihenfolge der Suchresultate kann beeinflusst werden, indem Drittfirmen Ihre Website für Suchmaschinen optimieren, sogenanntes SEO (Search Engine Optimization). Google kann man NICHT bezahlen, damit Ihre Website in den Suchresultaten höher erscheint. Antworten
@ susanne beerli: meines wissens kann eine firma sehr wohl die reihenfolge der suchresultate bei google käuflich beeinflussen, ist ja genau der sinn der sache. langfristig wird die suchmaschine von google an glaubwürdigkeit einbüssen (analog einträge über personen und unternehmen in wikipedia). der user wird auf unahängige, weniger kommerzielle suchmaschinen ausweichen. Antworten
@Susanne Meier: Natürlich kann man Stichwörter und Rankings in dem Sinn kaufen, es gibt hinter den Kulissen einiges mehr als nur Adwords... Aber es ist schlicht eine Schweinerei und Unseriosität, von Google, Sucher auf diese Weise zu betrügen und zu manipulieren - für mich ein Grund, auf Google zu verzichten. Passt ja in die Unternehmenspolitik von US-Firmen, sich für Geld zu prostituieren... Antworten
Das sind Ad-Words und keine gekauften Suchergebnisse. Ad-Words sind mit dem Hinweis "Anzeigen" gekennzeichnet. Werbung ist und wahr übrigens schon seit jeher Manipulation. Logisch, wenn der Mensch nicht manipulierbar wäre könnte sich jede Firma die Werbeetats glatt sparen. Aber man hat es als Individuum selbst in der Hand, ob man kritisch bleibt oder ob man sich leicht manipulieren lässt. Antworten
ich seh das problem nicht. zeitungen schalten auch werbung. das, worauf es ankommt, ist, ob diese redaktionell und für die besucher erkennbar visuell vom contentbereich getrennt sind. bei google adwords war das zumindest bisher deutlicher der fall als bei gewissen journalistischen medien. ein skandal bzw. relevant wäre die nachricht erst, wenn das eigentliche google-ranking käuflich wäre. Antworten
Entschuldigen Sie, aber Sie können weder "Stichwörter kaufen" noch die Suchresultate käuflich beeinflussen. Sie können lediglich Werbefläche bei Googles Suchresultaten kaufen (Adwords), welches bei der Eingabe der betreffenden Schüsselwörter oben oder rechts der Suchresultate speziell gekennzeichnet dargestellt wird. Antworten




Pierre Rappazzo
Migros kauft sich bei Google, das Recht den Namen Migros alleine in Adwords nutzen zu dürfen. Wohlemerkt nicht der Markenbissbrauch sondern das Wort Migros im Kontext. Beispielsweise, "Liebe Schönheit, die ich gestern in der Migros sah..." Präsident SORGIM Antworten