Wirtschaft

Wie Topmanager weich gebettet in Rente gehen

Von Rita Flubacher. Aktualisiert am 05.06.2012 23 Kommentare

Grundsalär, Bonus, Aktienprogramme und allerlei Vergütungen: Die Spitzenkräfte der Wirtschaft bedienen sich aus vielen Töpfen. Eine wenig beachtete Quelle ist die berufliche Vorsorge.

1/4 Josef Ackermann, abgetretener Chef der Deutschen Bank. (Bild vom 31. Mai 2012)
Bild: Keystone

   

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Seit letzter Woche ist Josef Ackermann Rentner. Seinen Lebensstil einschränken muss er keinesfalls. Die Pensionszusagen der Deutschen Bank haben einen Wert von 18,8 Millionen Euro oder 22,56 Millionen Franken. Er kann sich den Betrag in Form einer lebenslangen Rente oder in bar ausbezahlen lassen.

Noch praller gefüllt ist die Altersschatulle von Dieter Zetsche, Vorstandschef des Daimler-Konzerns. Der Autohersteller hat 29,6 Millionen für dessen Pension zurückgestellt. «Neben Gehalts- und Bonuszahlungen haben sich die Unternehmensführer damit eine zweite Einkommensquelle erschlossen, mit der sie sich still und heimlich ein Zusatzvermögen sichern», empörte sich der «Spiegel» und stellte die Frage: «Warum sollen die Topverdiener nicht selbst für ihr Alter vorsorgen?»

Empörungspotenzial ortete das Zürcher Finanznewsportal «Inside Paradeplatz» jüngst auch in der Schweiz. Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz habe eine «Rolls-Royce-PK», hiess es. Laut Geschäftsbericht 2011 machten die Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge an die Personalvorsorge und Sozialversicherungen 570'455 Franken aus. Wie viel davon in die 2. Säule floss und ob die Bank gleich auch noch den Arbeitnehmeranteil trägt, ist nicht ausgewiesen.

«Weniger üppig»

Martin Scholl, der Chef der Zürcher Kantonalbank, erhielt im gleichen Zeitraum 203'233 Franken «für Vorsorgeleistungen und sonstige Vergütungen». Bei seinem Kollegen Sergio Ermotti von der UBS waren es 150'816 Franken, im Geschäftsbericht als «Arbeitgeberbeiträge an Vorsorgeeinrichtungen» deklariert. In einer Fussnote steht, dass die Arbeitnehmerbeiträge im Grundgehalt und in der jährlichen leistungsabhängigen Vergütung enthalten sind. Geradezu kümmerlich nimmt sich die Vorsorgeleistung der Credit Suisse für Konzernchef Brady Dougan aus: 20'000 Franken – und darin sind erst noch «sonstige Vergünstigungen» eingeschlossen, wobei es sich laut Fussnote um «Wohnungszulagen, Spesenpauschale und Kinderzulagen» handelt. Auf Anfrage erklärt CS-Sprecher Marc Dosch, dass US-Angestellte der amerikanischen Pensionskasse angeschlossen seien, und die sei «weniger üppig als in der Schweiz».

Normalerweise bieten die Vorsorgeleistungen der Unternehmen kaum Gesprächsstoff. Für eine Ausnahme sorgte letztes Jahr Holcim. Markus Akermann kassierte für 2010 einen «Zustupf» von 5 Millionen Franken, wodurch sein Gehalt von 3,99 auf 8,71 Millionen Franken in die Höhe katapultiert wurde. Begründung: Damit der Holcim-Chef, der sich Ende letzten Jahres in den Verwaltungsrat zurückzog, bei seiner Pensionierung auf eine Jahresrente von 40 Prozent des durchschnittlichen Grundgehaltes der letzten drei CEO-Jahre kam, füllte ihm der Zementkonzern noch rasch den Vorsorgetopf. Die Aktionärsschützer von Ethos stimmten an der Generalversammlung gegen die Holcim-Vergütungen. Auch für 2011 wurden Akermann ein ausserordentlicher Zuschuss von 1,8 Millionen Franken überwiesen.

Auf dem Radar von Ethos steht auch Roche-Verwaltungsratspräsident Franz Humer. Laut Geschäftsbericht zahlte ihm der Pharmakonzern in den letzten drei Jahren jeweils 2,9 Millionen Franken «Beiträge an die Pensionskasse und andere Personalvorsorgeinrichtungen». Daniel Vasella, in gleicher Funktion bei Novartis, erhielt 2011 rund 654'000 Franken. In diesem Betrag sind alle Sozialversicherungsbeiträge, Überweisungen an die berufliche Vorsorge und Lebensversicherungen enthalten. Die beiden Pharmakonzerne bezahlen für VR-Präsident und Konzernleitung auch die Arbeitnehmerbeiträge.

Eine Lex Barnevik

Haben die Firmenchefs mit der beruflichen Vorsorge ein diskretes Werkzeug zur Einkommensmaximierung in der Hand? Hans Münch, Manager bei der auf Vergütungen spezialisierten Beratungsfirma Towers Watson, winkt ab: «Der Staat hat einen Riegel vorgeschoben.» Tatsächlich wurde bei der ersten Revision des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge 2006 eine Höchstgrenze eingeführt. Derzeit beträgt das maximal versicherbare, steuerprivilegierte Jahresgehalt 835'200 Franken. «Ist der Topf voll, kann man nichts mehr machen», erklärt Münch. Auslöser für den Deckel, den es beispielsweise in Deutschland so nicht gibt, waren die früheren ABB-Chefs Percy Barnevik und Göran Lindahl, die zusammen 233 Millionen Franken Pensionsbezüge kassiert hatten. Die Enthüllung löste ein Erdbeben in der Landschaft der beruflichen Vorsorge aus.

Wer hierzulande in den Genuss der steuerbefreiten obersten Limite kommt, erschliesst sich kaum aus den Geschäftsberichten. Die UBS spricht von den «obersten Führungskräften in der Schweiz». Präziser ist etwa die ABB. Hier sind es die in der Schweiz wohnhaften Konzernleitungsmitglieder. Auf jeden Fall ein dienlicher Fingerzeig ist die Höhe der jährlichen Vorsorgeeinzahlungen und von wem sie getragen werden. Humer, Vasella oder Akermann: Sie schöpfen auf Kosten ihrer Konzerne die Möglichkeiten der beruflichen Vorsorge konsequent bis zum letzten Tropfen aus. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.06.2012, 06:41 Uhr

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23 Kommentare

Margot Helmers

05.06.2012, 13:10 Uhr
Melden 64 Empfehlung 0

...sie schöpfen auf Kosten ihrer Konzerne die Möglichkeiten der beruflichen Vorsorge ( nicht nur bei der Vorsorge ) konsequent bis zum letzten Tropfen aus... Wundert sich jemand? Antworten


Thomas Tschan

05.06.2012, 13:21 Uhr
Melden 23 Empfehlung 0

Worum geht es in diesem Bericht? Um wieder einmal aufzuzeigen, wie ungerecht und böse die Wirtschaft ist? Um abermals Neider hervorzurufen? Hervorragend, ich bin ja schon sehr gespannt auf die empörten Reaktionen. Antworten



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