Wirtschaft
Wie Unternehmer das Januarloch vermarkten
Günstig: Die Januarlochtorte von Bäcker Walter Bruderer.
Januarloch
Anders als etwa das Sommerloch ist das Wort Januarloch typisch schweizerisch. Als Variante kennen es die Österreicher. Sie nennen es Jännerloch. Die Herkunft dieser beiden Wörter ist allerdings nicht bekannt.
Experten der Universitäten Zürich und Basel verweisen darauf, dass das Januarloch im Schweizer Textkorpus, das 20 Millionen Wörter aus der Zeit von 1900 bis heute enthalte, nicht enthalten sei. Auch fehle es in Wörterbüchern wie dem Idiotikon oder dem grossen Duden. Dies deute darauf hin, dass das Wort vermutlich erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufgekommen sei.
Dank cleverem Marketing klingeln die Kassen findiger Unternehmen auch im Januar. Das Januarloch ist nämlich ein Mythos, der sich mit treffenden Werbebotschaften und speziell kreierten Angeboten hervorragend vermarkten lässt.
«Dank der Januarloch-Torte haben wir einen guten Januar», sagt etwa Bäcker Walter Bruderer aus Wichtrach BE. Der mit einem 5-Rappen- Stück dekorierte Kuchen mit dem Loch in der Mitte ist heissbegehrt. 15 Stück verkauft seine Bäckerei täglich - mehr als von allen anderen Torten. «Zudem kaufen die Leute, die extra wegen der Torte kommen, noch zusätzlich Brot und andere Gebäcke», hat Bruderer festgestellt. Damit liegt Ende Monat Umsatz in der Kasse, den es ohne den Mythos ums Januarloch nicht gäbe.
Die Rechnung geht für den Bäcker und den Kunden auf: Eine solche gelöcherte Torte kostet mit 7.50 Franken nämlich tatsächlich nur halb so viel wie andere Kuchen und sorgt für Unterhaltung. Und der Bäcker produziert die Torte erst noch günstig. «Normale Studentenschnitte», sagt Bruderer und verweist auf die Lebkuchenreste und Ähnliches, die in solchen Gebäcken üblicherweise verwertet werden.
Das Loch als Aufhänger
Sind es im 4000-Seelen-Dorf Wichtrach die Januar-Loch-Torten, die Konsumenten anlocken, sind es an anderen Orten spezielle Brote oder Menüs. «Man versucht über konkrete Aufhänger zum Kauf zu motivieren», sagt Michael Boenigk, Professor am Institut für Kommunikation und Marketing IKM an der Hochschule Luzern. Vergleichbar wäre das Januarloch damit etwa mit der Inszenierung von Halloween im Herbst oder mit dem Valentinstag.
Auch der Detailhandel lockt mit tiefen Preisen - letztes Jahr hatte die Migros beispielsweise mit rosa Inseraten ganze Sparwochen angepriesen. Für Boenikg ist das Werben mit tiefen Preisen hohe Kunst, da etwas gefährlich. Der Kunde lerne nämlich schnell und werde mit der Zeit zuwarten auf neue Sparangebote und Aktionen.
«Das ganze ist letztlich für den Händler eine Rechenaufgabe», so Boenigk. Wird ein teures Produkt extrem günstig angeboten, decken Konsumenten sich damit ein und spätere Verkäufe zu regulärem Preis bleiben aus.
Mit Sparplan in den Laden, mit vollem Korb raus
Die Lockrufe für die Günstigangebote sollen den Kunden in den Laden locken. Und ist er einmal da, füllt sich der Korb wie eh und je - offenbar auch im Januar. Bei Coop liegen die Umsätze insgesamt zwar im Dezember jeweils um 20 Prozent höher, doch hat dies mit den Weihnachtseinkäufen zu tun und nicht mit Schmalspurverhalten im Januar.
Ein Blick in die Statistik zeigt denn auch: Von massiven Einbrüchen im Januar keine Spur. Vergangenen Januar sowie zu den Jahresanfängen 2007 und 2008 konnten sich die realen Detailhandelsumsätze (ohne Einbezug der Treibstoffe) gegenüber den starken Dezember-Tagen sogar leicht steigern. 2009 gab es zwar einen Rückgang, mit 0,8 Prozent war dieser aber sehr viel geringer als etwa im April 2009 (-3,5 Prozent) oder im Oktober 2008 (-2,8 Prozent).
Hochkonjunktur für Fitnesscenter
Gewisse Branchen haben im Januar sogar Hochkonjunktur. So werden Fitnesscenterabos gebucht wie sonst nie. «Was für den Detailhandel der Dezember, ist für die Fitnesscenter der Januar», sagt Rolf Fuchs, Mediensprecher der Migros Zürich. Migros betreibt in der ganzen Schweiz diverse Fitnessparks.
«Es ist ja auch sinnvoll, Anfang Jahr mit etwas Neuem anzufangen», sagt Fuchs. Der Januar macht bei solchen Vorsätzen seinem Namen alle Ehre: Janus, der doppelgesichtige Gott, steht für einen Anfang und ein Ende. Von einem Loch dazwischen ist nichts bekannt. (oku/sda)
Erstellt: 03.01.2011, 09:31 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


