Wirtschaft

Wie Werber für Werber werben

Von Marcel Reuss. Aktualisiert am 26.05.2010

Sie bewerben Turnschuhe, Grossverteiler, Luxusuhren. Doch wie verkaufen sich die Werber selber?

«No Logo» verlangte die kanadische Schriftstellerin und Globalisierungskritikerin Naomi Klein vor zehn Jahren. Doch man muss keine zehn Schritte gehen, um festzustellen: überall Logo. Die Füsse stecken in Navyboot – fragen Sie nicht wieso, es war Ausverkauf – und treten auf eine platt gewalzte Büchse Red Bull. Die nächsten Marken in der Reihenfolge ihres Auftretens: Starbucks, McDonald’s, Tchibo. Converse, Levi’s, Adidas. Interdiscount, Yamaha, Freitag. Doch was ist «Fidelity international»? Es gibt Marken, die kennt keiner.

So oder so: Es gibt viel zu tun für die Gärtner im Garten der Brands. Die Marken führen, wie sie sagen, und ihnen Geschichten andichten. Manchmal wunderbare, manchmal läppische, manchmal solche, die man vergisst, kaum hat man sie gesehen. Und wie bewerben sich die Werber selber? Eigenlob stinkt, heisst es, aber irgendwie muss man ja sagen, was man kann, und das besser als die anderen. Ein Ausflug auf die Homepages einiger Zürcher Werbeagenturen:

  • Ask yourself: Do you love some brands more than others? Yes? We call this phenomenon Lovemarks. Lovemarks are products, services or experiences that inspire loyalty beyond reason.
    PS: We call this phenomenon: English sounds always good beyond any reason.

  • «Gute Werbung ist wie das Trojanische Pferd. Gute Werbung hat ein attraktives Äusseres, kommt als Geschenk daher und erfreut die Herzen. Doch im Kern ist sie offensiv auf ein Ziel gerichtet, das sie geradlinig und konsequent verfolgt. Gute Werbung muss heute mehr sein als nur nett und flott. Gute Werbung ist Lust und List.»
    PS: Werbung ist also eine Art Enkeltrickser. Saufreundlich am Telefon, will sie doch nur eines: unser Geld.

  • Unser Credo – Ohne zentrale Idee, die auf einem fundierten Verständnis der Beziehung zwischen Marke und Konsument basiert, lässt sich eine Marke langfristig nicht erfolgreich führen.
    PS: Das glauben wir genauso.

  • Wo die andern eine «Agentur-Philosophie» haben, haben wir drei ArbeitsGrundsätze: Werbung muss Marken begehrenswert machen. Eine Werbeidee ist die verblüffende Dramatisierung eines Kundennutzens. Resist the usual. (...) man muss dem Konsumenten die Botschaft injizieren, während er das Feuerwerk bestaunt.
    PS: Das klingt wirklich sehr dramatisch – nach Viren oder Dr. Frankenstein.

  • Wer seine Botschaft nicht überraschend vermittelt, wird heute nicht mehr wahrgenommen. Und kann folglich auch kein Interesse wecken und keine Sympathien gewinnen. Dafür ist die Reizüberflutung schlicht zu gross geworden.
    PS: Wie bitte?

  • Mit cleveren Strategien und aussergewöhnlichen Ideen schaffen wir Begeisterung für Marken, Produkte und Unternehmen. Und das über sämtliche Kommunikationskanäle.
    PS: Wir bloggen: «Hurra!»

  • Nur einzigartige Werbung erzielt einzigartige Resultate. Denn wenn es in Werbung und Kommunikation nicht um Resultate geht, worum dann? Diese Resultate erreichen wir mit den 4 e, unserem Arbeitsprinzip.
    PS: Die 4 e stehen für einfach, exakt, einfallsreich, einzigartig. Und gäbe es ein fünftes, es stünde für «enial!».

  • Wir sind eine Kommunikations-Agentur, die den Kunden herausfordern will und kritisch, initiativ, visionär ist. Wir wollen darum Partner sein, der in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden eine Ergänzung ist zu dessen eigenem Leistungsverständnis, zu seinem Wissen und seiner Haltung eines selbstbewussten Marktanbieters, der in seinem eigenen Territorium Leader ist oder Leader werden will.
    PS: Und wir sind ein Leser, der diesen Text leider dreimal lesen musste.

  • Hunderte von Werbeagenturen haben Tausende von Prinzipien. Wir haben sehr wenig ganz einfache. Die kann man sich erstens besser merken. Und vor allem: Sie haben bisher immer funktioniert. KISS – Keep it simple, stupid.
    PS: Unser Prinzip ist ein Credo, stupid!

  • Kommunikation nach dem Knut-Prinzip. Wir glauben an Kommunikation nach dem Pull-Prinzip: Kommunikation, die Inhalte vermittelt, die so interessant sind, dass sich Menschen damit freiwillig und vertieft auseinandersetzen möchten.
    PS: Mit dem Knut ist der Eisbär gemeint. Knuddel-Werbung?

  • Wir sind unkonventionell. Der Mensch wird täglich mit unzähligen Werbebotschaften konfrontiert. Die heutige Werbung muss zur richtigen Zeit, am richtigen Ort mit klaren Botschaften wirken und auffallen.
    PS. Päng!

  • Credo – Creating Results:
    – mit Markenführung
    – mit Love-Advertising
    – mit Creative Business Ideas
    – mit Menschenkenntnis
    – mit Multikultiviertheit
    – mit Ethik
    PS: Abhaken und zurücklehnen.

  • Creating the Difference – Das ist kein Claim, sondern ein Credo – unser Selbstverständnis. Wir arbeiten so lange an einer Lösung, bis sie zu 100% überzeugt. Es ist diese berühmte Extrameile, die den Unterschied macht. Von uns können Sie die beste, intelligenteste und wirksamste Lösung erwarten. Immer.
    PS: Oder immer öfter?

  • 6,5 Sekunden ist das Zeitfenster, das Konsumenten Markenbotschaften einräumen. Für die Kommunikation bedeutet das: mehr Fokus auf das, was wirklich zählt. Das ist unser Motto für Ideen, die sich auszahlen.
    PS: Einundzwanzig, zweiundzwanzig . . .

  • Was zum Erfolg führt: Kommunikation, die multipliziert. Während die Informationsflut von Jahr zu Jahr zunimmt, wird das Werbebudget im gleichen Masse entwertet. Fazit: Es braucht immer mehr, um gesehen und gehört zu werden. (...) um das zu erreichen, haben wir die 3-K-Formel entwickelt, auf der alle unsere strategischen Überlegungen und Lösungen basieren: Klarheit × Kreativität × Kontinuität = Multiplikation der Werbewirkung.
    PS: Rechne!
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.05.2010, 08:52 Uhr

Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.