Wie ein Handbuch für Agenten – SF-Doku über UBS-Machenschaften

«Falls Sie sich durch das FBI beobachtet fühlen, wie reagieren Sie?» Mit solchen Fragen bereitete die UBS ihre Berater in den USA auf Zwischenfälle vor. Im Film «Akte UBS» spricht Ex-UBS-Mitarbeiter Udo Hamm.

Besonders offen für Geschäftsmodelle der Zukunft: Damaliger UBS-Kundenberater und späterer Kronzeuge: Bradley Birkenfeld.

Besonders offen für Geschäftsmodelle der Zukunft: Damaliger UBS-Kundenberater und späterer Kronzeuge: Bradley Birkenfeld. (Bild: Keystone)

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«Die Akte UBS – Hintergründe des Case No. 09-2042»: Heute um 20.05 Uhr auf SF1.

Am Donnerstagabend brachte das Schweizer Fernsehen bereits den zweiten «Dok»-Film zum Thema UBS. Während im Film «UBS: Der Fall» die «Subprime»-Krise im Mittelpunkt stand, ging es nun um die Auseinandersetzung der Schweizer Grossbank mit den US-Steuerbehörden. Beide Filme beleuchten, wie Entscheide des Managements die Bank und mit ihr die Schweizer Volkswirtschaft beinahe ins Verderben gestürzt hätten. Produzent beider Filme ist Hansjürg Zumstein.

Der zweite Dok-Film bringt wenig neue Fakten. Dennoch lohnte es sich selbst für Kenner der jüngsten Entwicklungen der Bank, ihn anzuschauen. Detailliert zeichnet er nach, wie die Schweizer Bank Steuerbetrug zur Geschäftsstrategie mit reichen Kunden in Nordamerika gemacht hat.

Der ehemalige UBS-Mitarbeiter Udo Hamm erzählt, wie die Berater der Bank sich erst mit den Gewohnheiten der Zielkundschaft auseinandergesetzt haben. Etwa damit, wie sie sich kleiden. Mit einem ähnlichen Outfit und Habitus haben sie den Kontakt zu den Millionären gesucht. Für jüngere haben sie Partys organisiert, für die älteren Zielkunden «gesetzte Dinners mit eloquenten Gesprächsteilnehmern». Wichtig war, dass stets ein privater Rahmen gewahrt blieb, «da wehen keine Fahnen der Firma», erklärt Hamm im Film.

«Keine Spuren hinterlassen»

Diese Tätigkeit war noch ganz legal. Erst als man die Kunden kennen gelernt hat, kamen die illegalen Methoden ins Spiel. Dass die UBS-Berater das Recht brachen, war ihnen bewusst, wie Dokumente belegen, die Autor Zumstein im Film zeigt. Einige Auszüge daraus erinnern an ein Handbuch für Geheimagenten: «Falls Sie sich durch das FBI beobachtet fühlen, wie reagieren Sie?», steht da zum Beispiel. «Wechseln Sie häufig das Hotel», wird geraten, ebenso das ständige leeren des Laptops. Generell soll man «keine Spuren hinterlassen».

Als Startdatum für den Steuerbetrug nennt der Film den 4. Juli 2000. An diesem Tag wurde in einer streng vertraulichen Sitzung von UBS-Managern überlegt, wie sie ausserhalb des geltenden «Qualified Intermediary»-Vertrags das Geschäft mit den Kunden in den USA betreiben könnten. Dieser Vertrag regelt die Auskunftspflichten von ausländischen Banken gegenüber den USA.

Ein Memorandum der Sitzung belegt, wie gezielt versucht wird, die US-Steuerbehörde auszutricksen. Das Memorandum wurde zuhanden eines «Business-Committee» verfasst, in dem Raoul Weill und Georges Gagnebin sass. Letzterer war schon damals Mitglied der obersten Konzernleitung, Weill wurde es erst später. Zum Papier Stellung nehmen wollte er nicht, Cagnebin bestritt, es je gesehen zu haben. Die UBS selbst nimmt zu dieser Berichterstattung und zum Film generell keine Stellung.

Viel erfahren die Zuschauer über den grossen Ehrgeiz des UBS-Beraters Bradley Birkenfeld. Hamm schwärmt geradezu davon, wie jener anders als die meisten anderen UBS-Leute besonders offen für Geschäftsmodelle der Zukunft gewesen sei. Schliesslich war es dann auch Birkenfeld, der die US-Steuerbehörden über die Betrugsstrategie der UBS informierte. Damals hat er die UBS bereits verlassen und wollte das Vermögen seines wichtigsten Kunden Igor Olenicoff selbst verwalten. Doch die Schweizer Grossbank hat ihm nicht den Bonus bezahlt, den er verlangt hat.

Kein heroisches Bild der Schweizer Regierung

Der Film liefert auch Gründe für das Vorgehen der US-Behörden. Autor Zumstein verfällt nicht in den Argumentationsstil von Bankern, die jeweils vom übermächtigen Staat sprechen, der seinen Bürgern das hart verdiente Geld abzupressen versuche. Vielmehr zeigt der Film Bilder von Opfern der Wirtschaftskrise und erklärt so, dass man in den USA das Verhalten der Reichen für einen Skandal hält, sich ihrer Steuerpflicht entziehen zu wollen. Entsprechend wenig Sympathie hatte daher auch die UBS.

Auch die Rolle der Schweizer Politik wird ausführlich beleuchtet. Als Betrachter des Films verstärkt sich nach den Aussagen vor allem von Bundesrat Hans-Rudolf Merz und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey der Eindruck, die Schweizer Regierung sei den Ereignissen stets hinterhergehetzt. Geradezu paradox erscheint eine Aussage gegen den Schluss des Films durch die Aussenministerin. Calmy-Rey erklärt, der ganze Einsatz des Bundesrats habe dem Ziel gedient, dass der Finanzplatz Schweiz nicht als ein Ort wahrgenommen werde, wo man schmutziges Geld versteckt. Tatsächlich hat der Bundesrat nur ein Ziel verfolgt: Die UBS zu retten. (baz.ch/Newsnetz)

Erstellt: 01.10.2009, 21:29 Uhr

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