Wirtschaft

Wo Schweiz draufsteht, soll auch Schweiz drin sein

Heute müssen 50 Prozent des Uhrwerks aus der Schweiz stammen, in Zukunft sollen es 60 Prozent der ganzen Uhr sein. So schlägt es der Bundesrat vor. Hersteller günstiger Uhren sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

Wo Schweiz draufsteht, soll auch Schweiz drin sein.

Wo Schweiz draufsteht, soll auch Schweiz drin sein. (Bild: Keystone)

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Ab heute trifft sich an der Uhren- und Schmuckmesse Basel World alles, was in der Branche etwas zu sagen hat. Swiss made hat Hochkonjunktur, steht aber auch im Zentrum einer handfesten Auseinandersetzung.

Im neuen Markenschutzgesetz will der Bundesrat unter anderem neu definieren, wie eine Uhr hergestellt werden muss, damit sie das begehrte Label Swiss made tragen darf. Heute muss das Uhrwerk einer Uhr wertmässig zu 50 Prozent aus der Schweiz stammen, zudem müssen Montage und Endkontrolle der Uhr in der Schweiz erfolgen.

Grosse haben sich durchgesetzt

Die Swissness-Vorlage des Bundesrats sieht nun vor, dass bei Uhren wertmässig mindestens 60 Prozent der ganzen Uhr auf die Schweiz entfallen müssen. Der Uhrenindustrieverband FH will bei mechanischen Uhren gar 80 Prozent. In der FH haben die Grossen das Sagen, Konzerne wie die Swatch Group, Richemont (IWC und andere) und Rolex, die vor allem hochpreisige Uhren produzieren. Der Vorschlag zuhanden des Bundesrats erfolgte in ihrem Interesse.

Überstimmt wurden viele zumeist kleinere Hersteller günstigerer Uhren. 25 von ihnen haben sich in der IG Swiss made zusammengeschlossen, um die Vorlage zu bekämpfen. Eine Annahme des bundesrätlichen Vorschlags hätte laut dieser Interessengemeinschaft zur Folge, dass Tausende von Arbeitsplätzen ins Ausland verlagert würden.

Doppelt so teuer

«Wir wären gezwungen, unsere Produktion ins Ausland zu verlagern», sagt Ronnie Bernheim, Mitinhaber der Familienfirma Mondaine, die ihre Marke M-Watch in der Schweiz exklusiv über die Migros vertreibt. «Die Bahnhofsuhr fürs Handgelenk von Mondaine wäre unter den neuen Bedingungen doppelt so teuer, und der Umsatz würde dann wohl einbrechen.» Der Uhrenindustrie würde es weit mehr bringen, findet Bernheim, wenn der Bundesrat die heute gültigen Regeln in der EU durchsetzen würde. Mondaine hat in Biberist SO soeben 10 Millionen Franken in einen neuen Produktionsstandort investiert. Kommt die Vorlage im Parlament durch, ist das Werk gefährdet.

Auch Erich Mosset, Chef des Baselbieter Zulieferers Ronda, bekämpft die Vorlage: «Viele Marken im oberen Segment hätten mit der neuen Regel keine Mühe. Aber Hersteller im unteren und mittleren Segment haben im Gegensatz zu den Luxusanbietern und Grosskonzernen keine Möglichkeit, die massiven Mehrkosten, die bei einem Schweizer Anteil von 60 Prozent anfallen, abzuwälzen, ohne an Konkurrenzfähigkeit zu verlieren»

Stärkung der Schweiz

FH–Präsident Jean-Daniel Pasche betont, nicht nur die grossen Namen im Verband unterstützten den Vorschlag. Auch viele kleinere seien dafür. «Der Käufer erwartet, dass in einer Schweizer Uhr der Anteil Schweiz überwiegt.» Pasche sieht in der Vorlage eher eine Chance als ein Risiko, stärke sie doch die Position der Schweiz als innovativen Standort.

Die Swatch Group steht zu 100 Prozent hinter dem Vorschlag der FH. «Wir wollen unsere Kunden nicht betrügen», sagt Sprecherin Béatrice Howald. Wie der Verband verfolge auch Swatch–Präsident Nicolas Hayek damit eine Stärkung der industriellen Basis des Landes.

Anhörungen von Betroffenen

Die Swissness-Vorlage des Bundesrats, die neben der Uhrenbranche insbesondere auch die Nahrungsmittelindustrie und die Bauern betrifft, liegt derzeit bei der Rechtskommission des Nationalrats. Nächste Woche will die Kommission betroffene Unternehmen und Verbände anhören. Wann die stark umstrittene Vorlage schliesslich dem Ständerat vorgelegt wird, ist noch offen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2010, 09:25 Uhr

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