Wirtschaft
Zärtlichkeit unter reichen Männern
Von Walter Niederberger, San Francisco. Aktualisiert am 07.10.2009 6 Kommentare
Verstehen sich, nicht nur beim Basketball Schauen: Warren Buffet (links) hat in Bill Gates den Nachfolger gefunden. (Bild: Keystone)
Warren Buffett, der legendäre Investor, hält die letzten Details der Nachfolgeregelung rund um seine Firma Berkshire Hathaway zwar noch unter Verschluss. Klar ist seit kurzem aber, dass Bill Gates dabei die wichtigste Aufgabe zukommt. Der Gründer von Microsoft und mit rund 50 Milliarden Dollar reichster Mann der Welt will dafür sorgen, dass Berkshire nach dem Ableben von Buffett nach dessen Vorgaben weitergeführt wird und seine Geschäftsphilosophie bewahrt. Buffett ist 79 Jahre alt und will sich nicht nur einen Ruf als erfolgreicher Unternehmer bewahren, sondern auch nach dem Vorbild der Rockefellers und Carnegies als grosszügiger Wohltäter in Erinnerung bleiben.
«Bill Gates ist für Warren Buffett wie ein Sohn», sagt Alice Schroeder, «umgekehrt bewundert Gates seinen älteren Mentor aus vollem Herzen». Alice Schroeder hat mehr Zeit mit Buffett verbracht als jede und jeder Aussenstehende und nach mehr als 2000 Stunden an Gesprächen unter vier Augen und der Auswertung von Hunderten von persönlichen Dokumenten eine umfangreiche Biografie geschrieben: «The Snowball: Warren Buffett and the Business of Life.»
«Eine echte Zuneigung»
«Die Beziehung zwischen den beiden ist einmalig. Ich würde von einer echten Zuneigung und einer aufrichtigen Zärtlichkeit sprechen, die es so in der Geschäftswelt kaum je gibt», sagt die frühere preisgekrönte Analystin der Investmentbank Morgan Stanley.
Die Beziehung geht auf das Jahr 1991 zurück, als Gates' Vater den schon berühmten Investor nach Hause einlud. Entgegen den beidseitigen Erwartungen fanden Buffett und der jüngere Gates rasch einen gemeinsamen Draht und unterhielten sich stundenlang über Unternehmensfragen. Es folgten Gegeneinladungen, gemeinsame Ferien sowie Bridge- und Golfpartien. Später war es auch Buffett, der sich öffentlich und vehement gegen die kartellrechtlichen Untersuchungen gegen Microsoft aussprach und 2004 durchsetzte, dass Bill Gates in den Verwaltungsrat der Berkshire Hathaway aufgenommen wurde.
Seither ist die Nachfolgeregelung das Haupttraktandum. «Es ist dies das dominante Thema, nichts ist wichtiger, da niemand weiss, ob ich am nächsten Tag noch da bin», sagte Buffett vor kurzem dem Wirtschaftssender Bloomberg TV. Andere Verwaltungsräte berichten, dass mindestens die Hälfte der Sitzungszeit der Geschäftsübergabe gewidmet ist und der Suche des Nachfolgers von Buffett als Konzernchef und Investor.
Kein Vertrauen in die Kinder
Fest steht seit diesem Jahr, dass Bill Gates die entscheidende Rolle zukommt, wenn es um das unternehmerische Erbe geht. «Ich habe mich verpflichtet, mich für den Rest meines Lebens um Berkshire zu kümmern», sagt Gates. «Wir müssen uns stets überlegen, was passieren könnte und wie wir sicherstellen können, dass Berkshire nicht nur heute, sondern für immer grossartig ist.» Für diese Aufgabe bekommt er nach Buffetts Ableben die Rolle eines «Lead Directors», sagt Schroeder, also des federführenden Verwaltungsrates. Formell soll zwar Howard Buffett, einer der Söhne, das Präsidium des Verwaltungsrates antreten, aber in einer nicht ausführenden Funktion. Zu seinen Kindern hatte Buffett nach eigenen Worten nie eine enge Beziehung – und sie bekundeten ihrerseits kein Interesse an Führungsaufgaben im Konzern des Vaters.
Warren Buffett hat nun auch entschieden, ihnen nur einen geringen Teil seines Erbes zu überlassen. Der grösste Brocken seiner Aktien im Wert von über 30 Milliarden Dollar fliesst seit 2006 in jährlichen Tranchen von rund fünf Milliarden Dollar an die Stiftung von Bill und Melinda Gates. «Buffett hat recht spät in seinem Leben entschieden, dass er sein Vermögen wohltätigen Zwecken zukommen lassen sollte», sagt Schroeder. Sein Vorbild seien die reichen Familien des frühen 20. Jahrhunderts wie die Rockefellers und Carnegies: «Sein Hauptanliegen aber ist und bleibt, als Lehrer in Unternehmensfragen in Erinnerung zu bleiben.»
Buffett hofft nach Ansicht von Don Keough, einem früheren Präsidenten von Coca-Cola und Berkshire-Verwaltungsrat, die zentrale Idee eines langfristig ausgerichteten, nicht überschuldeten und risikobewussten Unternehmens an die Nachwelt weitergeben zu können. Er überlässt zudem Firmen, die dem Konzern angegliedert sind, vollständige Freiheit; es gibt keinerlei Geschäftstreffen mit den entsprechenden CEOs, es gibt praktisch keinen Schriftenwechsel und es gibt keine von oben abgesegneten Geschäftspläne. «Buffett ist ein sehr skeptischer Mensch und vertraut eigentlich nur sich selber», so Schroeder. Dass er Bill Gates mit seinem Testament beauftragt hat, verdeutlicht nur die einmalig enge Beziehung zwischen den beiden.
Gates' hervorragender Ruf
Ob der Wunsch von Buffett erfüllt werden kann und wie lange, ist offen. Dass Pionierunternehmen wie Berkshire mehr als zwei Generationen überdauern, sei die Ausnahme, sagt Wirtschaftsprofessor Sydney Finkelstein vom Dartmouth College: «Bill Gates hat von Microsoft her einen hervorragenden Ruf als Unternehmer behalten. Wenn es einem gelingen kann, das Buffett-Erbe zu sichern, dann am ehesten Gates.» Als Beispiele für erfolgreiche Generationenwechsel nennt Finkelstein die Investmentbank Goldman Sachs, den Gesundheitskonzern Johnson & Johnson und die Beratungsfirma McKinsey.
Noch unter Verschluss gehalten werden die Namen der potenziellen Konzernchefs. Gemäss Buffett sind bereits drei Personen bestimmt worden, die ihn in dieser Funktion ablösen könnten. Als aussichtsreichster Kandidat gilt David Sokol, Chef der Midamerican Energy. Genannt werden auch Byron Trott, ein früherer Investmenbanker von Goldman Sachs und enger Berater von Buffett, sowie Tony Nicely und Ajit Jain, zwei Versicherungsmanager aus dem Berkshire-Imperium. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 07.10.2009, 06:50 Uhr
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6 Kommentare
Ich finde die Leitung von Gates besteht eigentlich nicht in der Unternehmensführung, sondern viel mehr in der Strategie. Fähig ist er dennoch nicht, Berkshire Hathaway zu leiten. Computertechnik hat denkbar wenig mit Investment Banking zu tun. An der Spitze von Berkshire Hathaway braucht es jemanden, der den Riecher von Warren Buffett hat. Diese Person gibt es nicht. Antworten
Ich denke, das ist für BG ein geeigneter Job… Der konnte ja immer, mit den Ideen anderer, viel Geld machen. Nur wäre die PC-Industrie weiter, wenn er schon früher als "Gelddealer" einen Job angenommen hätte. Da ja alle ca. 10 Jahre das Geld der gewöhnlichen Leute abgezügelt wird wird sich das schon lohnen… Antworten
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