Wirtschaft

Zehntausende pikante Daten des Finanzunternehmens AWD gestohlen

Aktualisiert am 16.10.2009

Einem deutschen Radiosender wurden persönliche Daten von Kunden der Swiss-Life-Tochter zugespielt – darunter auch die Summe der angelegten Gelder.

Die deutsche Swiss-Life-Tochter AWD hat nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks mit einem Datenskandal zu kämpfen. Dem Hörfunksender NDR Info wurden nach eigenen Angaben insgesamt 27'000 Datensätze zugespielt, die Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden enthalten.

AWD erklärte am Freitag, es seien keine sensiblen Angaben «im Sinne des Datenschutzes in den vorgelegten Daten, insbesondere keine Konto- oder Bankverbindungen der Kunden». Dies habe das Landesamt für Datenschutz bestätigt. Ausserdem habe das Unternehmen bereits am Mittwoch eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Hannover erstattet, nachdem man durch den NDR von der Sache erfahren habe. Gleichzeitig sei der niedersächsische Datenschutzbeauftragte informiert und eine interne «Taskforce» eingesetzt worden. Man habe ausserdem Zweifel «in Hinblick auf Authentizität von Stammdaten und Kundennummern».

Nur hochrangige Mitarbeiter haben Zugriff

Der NDR berichtete, aus den Daten sei unter anderem ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen hätten, wie viel Geld sie angelegt hätten und wie lange die Verträge liefen. Ein grosser Teil der Verträge ist demnach immer noch gültig. Wie die Informationen in Umlauf kommen konnten, sei unklar, berichte der Sender. Aus dem Umfeld des Finanzdienstleisters heisse es aber, dass nur hochrangige Mitarbeiter Zugriff auf eine derart grosse Menge an Datensätzen hätten.

Das Unternehmen erklärte dagegen: «Entschieden treten wir dem vom NDR erweckten Eindruck entgegen, hier handele es sich um sensible Daten im Sinne des Datenschutzes» - etwa Gesundheitsinformationen. Als Vermittler sei AWD gar nicht im Besitz solcher Daten. Ausserdem seien zahlreiche der übermittelten Kundendaten veraltet oder nicht mehr existent. «Die jüngsten der uns übermittelten Daten stammen aus dem Jahr 2001, die Mehrzahl aus den 90er Jahren», hiess es in der Mitteilung weiter. «Wir werden die Staatsanwaltschaft vollumfänglich bei ihren Ermittlungen gegen Unbekannt unterstützen.»

Aktie reagiert nicht

Eine Stellungnahme der Swiss Life zum Datenskandal bei ihrem Tochterunternehmen liegt bisher nicht vor. Der deutsche Finanzdienstleister hatte der Konzernleitung in der Vergangenheit schon mehrmals Kopfzerbrechen verursacht. Erst Ende August hatte sich Konzernchef Bruno Pfister bei der Präsentation der Halbjahreszahlen unzufrieden mit dem Verlust von 28 Millionen Franken bei AWD gezeigt und Kostensenkungsmassnahmen in der Höhe von umgerechnet rund 95 Millionen Franken angekündigt.

Auf den Kurs der Swiss-Life-Aktien an der Schweizer Börse hatte die Skandalmeldung allerdings keinen negativen Effekt. Der Wert der Aktie stieg nach einer Ratingerhöhung durch die Citigroup zwischenzeitlich um fast sieben Prozent und bewegte sich kurz vor Mittag bei 142,70 Franken oder 6,3 Prozent im Plus. (oku/sda)

Erstellt: 16.10.2009, 11:51 Uhr

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