Zeitungen stoppen Leserschwund

Printzeitungen erfreuen sich trotz Onlinekonkurrenz grosser Beliebtheit. Nach Jahren mit sinkenden Leserzahlen verlieren die Bezahlzeitungen nicht weiter an Boden. Ist die Trendwende geschafft?

Ist die Trendwende geschafft? Die Leserzahlen der Printzeitungen stabilisieren sich.

Ist die Trendwende geschafft? Die Leserzahlen der Printzeitungen stabilisieren sich. (Bild: Keystone)

Gemäss der heute publizierten neuesten Erhebung der WEMF AG für Werbemedienforschung lasen zwischen April 2008 und Mai 2009 rund 487'000 Personen regelmässig den «Tages-Anzeiger», 421'000 eine Ausgabe der «Mittelland Zeitung», 395'000 die «Berner Zeitung» oder den «Bund», 306'000 die «Neue Zürcher Zeitung» und 278'000 die «Neue Luzerner Zeitung».

Stabile Leserschaft

Obwohl es sich nicht um signifikante Veränderungen handelt, konnten alle diese Titel gegenüber der letzten Befragung einige tausend Leserinnen und Leser dazugewinnen. Leicht abgegeben hat dagegen der «Blick», der mit 649'000 Leserinnen und Lesern aber nach wie vor die grösste Bezahlzeitung bleibt.

Eine Sättigung scheint sich bei den Gratiszeitungen abzuzeichnen: «20 Minuten» bleibt mit 1'417'000 Leserinnen und Lesern an der Spitze der Lesergunst.«.ch» wurde ganz eingestellt, «News» erscheint nur noch im Raum Zürich. «Blick am Abend» taucht mit 358'000 Lesern erstmals in der Statistik auf.

Gratisblätter auf dem Zenit

Der Medienexperte Ueli Custer liess es auf Anfrag offen, ob es sich tatsächlich um eine Trendwende handelt. Zumindest vorläufig dürften die Bezahlzeitungen die Talsohle und die Gratiszeitungen den Zenit erreicht haben, sagte er.

Wer keine Bezahlzeitung mehr wolle, dürfte jetzt weg sein. Custer gab jedoch zu bedenken, dass vor allem ältere Menschen der Bezahlzeitung die Treue halten. «Wenn diese Personen wegsterben, setzt sich die Erosion der Reichweite fort. Jüngere informieren sich nämlich vorwiegend über Gratiszeitungen und Internet.»

Mehr Leser in der Westschweiz

Noch nicht erfasst hat die Trendwende die Westschweiz. In der Romandie konnten die Gratisblätter «Le Matin bleu» und «20 minutes» kräftig zulegen. Die Bezahlzeitung «Le Matin» dagegen erreichte 20'000 Personen weniger. «24 Heures», «Tribune de Genève», «Le Temps» und «Le Nouvelliste» konnten leicht zulegen.

Bei der Sonntagspresse machte nur die «SonntagsZeitung» signifikant Boden gut: Sie wurde von 835'000 Personen gelesen, rund 60'000 mehr als in der Vorperiode. Die übrigen Sonntagsblätter legten nur noch leicht zu, ebenso die Wirtschaftspresse. Die «Bilanz» verlor sogar einige Tausend Leserinnen und Leser. Sie erreichte noch 210'000 Personen.

Bei den Magazinen und Illustrierten markieren noch immer die «Coop-Zeitung» mit 2'670'000 und das «Migros-Magazin» mit 2'344'000 Leserinnen und Lesern die Spitze. In diesem Segment zulegen konnten etwa «Das Magazin», das «NZZ Folio» oder «Annabelle».

Insgesamt lasen gemäss der Studie 92,4 Prozent aller über 14- Jährigen Tages-, Wochen- oder Sonntagszeitungen. 0,6 Prozent mehr als seit der letzten Befragung. Die jüngste WEMF-Studie basiert auf der Befragung von 23'682 Personen in der Schweiz und in Liechtenstein, 17'045 davon in der Deutschschweiz. (bru/sda)

Erstellt: 07.09.2009, 15:58 Uhr

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1 KOMMENTAR

Clemens Bartlome

09.09.2009, 12:27 Uhr

Die Print-Zeitungen müssen nicht Online-News konkurrenzieren sondern ergänzen - und zwar mit Hintergrund, Context etc. Die tägliche Ausgabe ist nicht mehr nötig.



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