Wirtschaft

Über 8 Millionen Entschädigung für Eternit-Arbeiter in Italien

Aktualisiert am 14.01.2009

Nach 22 Jahren ist das Konkursverfahren für die italienische Eternit-Tochter zu Ende gegangen. 5,5 Mio Euro (knapp 8,2 Mio Fr) konnte die Konkursrichterin am Ende des langwierigen Verfahrens eintreiben.

Asbestsanierung 1995 in der Schweiz. Auch hierzulande starben Eternit-Arbeiter an Krebsleiden.

Asbestsanierung 1995 in der Schweiz. Auch hierzulande starben Eternit-Arbeiter an Krebsleiden.
Bild: Keystone

Das 1986 eingeleitete Verfahren wurde von einem Gericht der Stadt Genua, Sitz der italienischen Eternit-Tochter, für beendet erklärt.

Das berichtete Konkursrichterin Giovanna Dominici nach Angaben italienischer Medien. 5,5 Mio Euro (knapp 8,2 Mio Fr) konnte die Konkursrichterin am Ende des langwierigen Verfahrens eintreiben. Die Summe soll Ex-Mitarbeitern als Entschädigung für Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Baustoff Asbest überwiesen werden.

«Die Summe ist zwar nicht hoch, wenn wir die vielen Entschädigungsforderungen der Ex-Eternit-Arbeitnehmer berücksichtigen, wir haben aber unser Bestes getan», sagte Dominici.

Schwere Vorwürfe

Der Abschluss des Konkursverfahrens erfolgt rund drei Monate nachdem der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello einen Prozess gegen den Schweizer Industriellen Stephan Schmidheiny und den Manager Jean Louis Marie Ghislain de Cartier beantragt hat.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Ex-Führung der italienischen Eternit mehrfach fahrlässige Tötung vor. Aus Sicht der Anklage wusste das Unternehmen von der schädigenden Wirkung von Asbest, soll jedoch keine Massnahmen ergriffen haben, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen.

Der Zusammenhang von Asbestkontakt und Brust- bzw. Bauchfellkrebs ist von der Wissenschaft bereits in den 70er Jahren nachgewiesen worden. 1976 entschied die Eternit, auf Produktion mit Asbest zu verzichten. Die Umstellung auf eine völlig asbestfreie Produktion wurde 1994 vollzogen.

2000 Entschädigungsforderungen

Staatsanwalt Guariniello betreut die Dossiers von verstorbenen und erkrankten Angestellten von italienischen Eternit-Werken. Über 2000 Entschädigungsforderungen liegen ihm vor.

Der Ermittler hatte die Untersuchung im Jahr 2001 aufgenommen. Ein Gericht in Turin wird im kommenden April über die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Schmidheiny und Ghislain de Cartier entscheiden.

Eternit hat die italienischen Werke stets als unabhängig bezeichnet. Schmidheiny ist heute nicht mehr Eigentümer der Eternit AG. Im Oktober 2008 war bekannt geworden, dass er den ehemaligen Angestellten von Eternit in Syrakus rund 13,5 Millionen Franken als Entschädigung für Asbest-Erkrankungen zahlt. (sam/sda)

Erstellt: 14.01.2009, 16:49 Uhr

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