Immobilienpreise machen Schweizer Millionären Angst

Wir leben in unsicheren Zeiten, finden die Reichen aus aller Welt. Bei der Frage nach den Ursachen gehen die Meinungen aber weit auseinander.

«Was ist die grösste Quelle der inländischen Unberechenbarkeit?»: Die Antwort auf diese Frage fällt je nach Herkunft sehr unterschiedlich aus. (Bild: Screenshot Studie UBS)

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Erleben wir gerade eine besonders unsichere Periode? Ja – sagen nicht Historiker, sondern Millionäre. Die UBS befragte 2842 von ihnen zu ihrem Befinden. Das Resultat: 82 Prozent der Interviewten glauben, dass wir gerade die unberechenbarste Zeit der Geschichte erleben. In der Schweiz ist der Pessimismus etwas weniger verbreitet: Hier stimmen der Aussage 77 Prozent zu, und damit weniger als in jedem anderen Land.

Die Grossbank befragte sogenannte «High Net Worth Individuals» mit einem investierbaren Vermögen von 1 Million US-Dollar aus Hongkong, Japan, Singapur, Mexiko, Italien, der Schweiz und Grossbritannien. Am pessimistischsten sind die Reichen in Mexiko: 90 Prozent von ihnen glauben, dass die Welt derzeit besonders unberechenbar ist. Die grösste Quelle dieser Unberechenbarkeit sehen die Mexikaner in der Korruption. Den Italienern schlägt die hohe inländische Jugendarbeitslosigkeit aufs Gemüt, den Briten die Brexit-Verhandlungen, den Japanern die alternde Bevölkerung.

40 Prozent finden Steuerlast fair

Die Probleme der Schweizer Millionäre sind anders gelagert: Sie sorgen sich vor allem um die Immobilienpreise. Mehr als ein Drittel findet, dass sie die Hauptursache für Unsicherheiten im Inland sind. Das scheint im Vergleich zu den substanziellen Ängsten, die andere Länder plagen, einigermassen überraschend. Es ist laut UBS-Chefökonom Daniel Kalt aber erklärbar. «Die Schweiz verfügt über stabile politische Strukturen, Probleme wie Kriminalität oder Korruption sind nicht besonders präsent.» Andere Themen – wie eben der Häusermarkt – spielten deshalb eine grössere Rolle. Dort stiegen die Preise in den letzten Jahren stark an, unter anderem wegen der tiefen Zinsen. Ob das so weitergehen wird, ist allerdings fraglich. «Immobilien sind in der Schweiz traditionell eine sehr wichtige Anlageklasse. Die Angst vor sinkenden Preisen und Leerständen ist deshalb bei privaten Investoren verbreitet», sagt Kalt. «Gerade auch, weil inzwischen vor allem institutionelle Investoren für ein zunehmendes Überangebot am Markt sorgen.»

Auf Platz 2 des Sorgen-Barometers der Schweizer Reichen liegt die Einwanderung, dahinter folgen die «Transparenz-Reform für Schweizer Banken» – also das Ende des Bankgeheimnisses –, die Pensions-/Altersvorsorge-Reform, die alternde Bevölkerung, die Unternehmenssteuer-Reform, die Energiesicherheit im Inland und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Winter/Schneetourismus.

Drei Viertel der Schweizer Millionäre machen sich ausserdem Gedanken über das Verhalten der hiesigen Firmen: Sie konzentrierten sich zu sehr auf die kurzfristige Entwicklung. Und 70 Prozent fürchten sich vor dem volatilen Franken. Alles in allem blicken die Befragten aber zuversichtlich in die Zukunft: Fast 60 Prozent rechnen damit, dass sich ihre persönliche finanzielle Situation im nächsten Jahr verbessert. Mehr als die Hälfte glaubt, dass auch die Schweizer Wirtschaft sich gut entwickeln wird. Auch interessant: Nur 40 Prozent finden, dass ihre Steuerlast fair ist. (fko)

Erstellt: 17.05.2017, 18:18 Uhr

Die Sorgen der Reichen: Ein Mercedes parkiert vor einer Villa in Wollerau (SZ). (Bild: Keystone )

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