Wann Job-Interviews nutzlos sind

Allzu oft seien Bewerbungsgespräche nicht nur sinnlos, sondern sogar schädlich, sagt ein US-Wissenschaftler.

Warten auf das Verhör: Bewerberinnen und Bewerber vor einem Job-Interview. (Bild: Getty Images)

Warten auf das Verhör: Bewerberinnen und Bewerber vor einem Job-Interview. (Bild: Getty Images)

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Nehmen Sie eine entspannte, jedoch nicht zu lässige Sitzposition ein. Lernen Sie Ihren Lebenslauf nicht auswendig. Kleiden Sie sich in gedeckten Farben. Lügen Sie nicht. Seien Sie authentisch.

Gute Tipps für Bewerbungsgespräche gibt es viele. Schliesslich ist das Job-Interview in den allermeisten Fällen nötig, um eine Stelle zu bekommen. Was aber, wenn diese Gespräche mehr Schaden anrichten, als Nutzen erzeugen? Bei unstrukturierten, freien Interviews sei das leider allzu oft der Fall, schreibt Jason Dana in einem Beitrag für die «New York Times». Er ist Assistenzprofessor für Management und Marketing an der US-amerikanischen Yale School of Management. Und er ist der Meinung, dass Bewerbungsgespräche häufig mehr über den Interviewer als über den Kandidaten aussagen. Weil subjektive Eindrücke andere, wichtigere Informationen überdecken könnten.

Jede Information wird verwandelt

Zur Untermauerung seiner These zieht Dana eigene Studienergebnisse heran. Etwa ein Experiment, in dem Studierende die Performance von Kommilitonen im kommenden Semester prognostizieren mussten. Dafür standen ihnen der Stundenplan der betreffenden Person und Informationen zu ihrem früheren Notendurchschnitt zur Verfügung. Einen Teil der Probanden durften sie ausserdem interviewen. Es zeigte sich: Die Studenten konnten die zukünftige Performance jener Kandidaten besser abschätzen, die sie nicht persönlich getroffen hatten.

Die Studienleiter hatten ausserdem die Hälfte der interviewten Studenten angewiesen, sich im Gespräch willkürlich zu verhalten. Je nach Frage sollten sie eine andere, zufällige Antwort geben. «Verblüffenderweise hat kein einziger Interviewer bemerkt, dass es sich um ein randomisiertes Gespräch handelt», schreibt Dana. Die Interviewer der zufällig Antwortenden hätten am Schluss sogar angegeben, die Gesprächspartner besser kennen gelernt zu haben als die anderen. Die Erkenntnis laut Dana: «Wir Menschen können jegliche Information in eine kohärente Erzählung verwandeln.»

«Subjektivität kann auch gewollt sein»

US-Experte Dana schlägt eine Lösung für das Problem vor: Bewerbungsgespräche strukturieren, sodass alle Kandidaten dieselben, auf den Job bezogenen Fragen beantworten. Die Ergebnisse würden so zuverlässiger und aussagekräftiger. Die Forschung zeige, dass Interviews so verlässlicher und aussagekräftiger würden.

Bei den meisten grösseren Schweizer Firmen sei diese Erkenntnis schon lange angekommen, sagt Karriereberaterin und Coach Anne Forster. «Strukturierte beziehungsweise kompetenzbasierte Interviews sind hier der Standard. Eben weil man erkannt hat, welch grosse Rolle subjektive Eindrücke sonst spielen können.» Bei diesem Vorgehen definieren die Personalverantwortlichen im Voraus, welche Kompetenzen für eine Position wichtig sind und mit welchen Fragen sie überprüft werden sollen. Auch mehrere Gesprächsrunden helfen laut Forster, ein möglichst neutrales Urteil zu fällen. Oder Probearbeitstage.

In kleineren Unternehmen mit wenig professionalisierten Personalabteilungen dürfte das unstrukturierte Gespräch laut Forster allerdings noch weiter verbreitet sein. Das müsse aber nicht zwingend ein Nachteil sein. «Gerade in inhabergeführten Firmen kann die Subjektivität auch gewollt sein. Weil es dort besonders wichtig ist, dass ein Bewerber zum Unternehmen und damit zum Inhaber passt.» (fko)

Erstellt: 18.05.2017, 19:04 Uhr

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