Was der neue Migros-Chef kann

Fabrice Zumbrunnen ist neuer Migros-Chef. Welche Kompetenzen hat er jetzt, und wer hat ihn gewählt? Eine Übersicht.

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Leicht zu durchschauen ist das Organigramm der Migros nicht. Es funktioniert nach einer eigenen Logik und lässt sich mit kaum einer anderen Konzernstruktur vergleichen.

  • An der Spitze des Migros-Genossenschafts-Bundes MGB steht die Delegiertenversammlung mit 111 Mitgliedern. Aktuelle Präsidentin ist Ursula Nold, 47-jährige Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Bern. Die Delegiertenversammlung – auch «Migros-Parlament» genannt – ist das oberste Organ. 100 der Delegierten werden von den regionalen Genossenschaften gewählt. Das «Parlament» entscheidet unter anderem über die Geschäftspolitik und die Mitglieder der Verwaltung.

  • Die Verwaltung ist zuständig für strategische Fragen. Sie ist in Funktion und Kompetenzen vergleichbar mit dem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft. Präsident ist seit vier Jahren der Tessiner Rechtsanwalt Andrea Broggini, insgesamt hat das Gremium 23 Mitglieder. Darunter sind neben Broggini zehn Genossenschaftschefs, neun Externe und zwei Mitarbeitervertreter. Die Verwaltung bestimmt, wer Präsident der Generaldirektion wird – und hat nun also Fabrice Zumbrunnen gewählt, der ebenfalls im Gremium einsitzt.

  • Die sieben Mitglieder der Generaldirektion sind für die operative Umsetzung der Strategie zuständig. Dem neuen Präsidenten beziehungsweise Migros-Chef Zumbrunnen unterstehen die einzelnen Departemente HR, Marketing, Logistik & Informatik, Industrie & Grosshandel, Finanzen sowie Handel. Er führt die Geschäfte des MGB und koordiniert die Tätigkeiten der Migros-Gemeinschaft. In dieser Funktion hat er auch eine gewisse politische Definitionsmacht. Ex-Chef Bolliger hatte zum Beispiel für Aufsehen gesorgt, als er den Schweizer Bauern vorwarf, Protektionismus zu betreiben und so die Preise hoch zu halten. Der Bauernverband reagierte mit harter Kritik. Auch in der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz wird Zumbrunnen die Migros vertreten.

  • Die zehn regionalen Genossenschaften haben wiederum eine eigene Geschäftsleitung, Urabstimmung, Verwaltung und einen Genossenschaftsrat. Die Aufteilung der Kompetenzen ist nicht immer ganz eindeutig, etwa wenn es um Firmenübernahmen geht. Diese werden nämlich nicht nur vom zentralen MGB getätigt – wie zum Beispiel im Fall Denner –, sondern auch von den regionalen Genossenschaften. Eine der aufsehenerregendsten Übernahmen der letzten Jahre war wohl jene der deutschen Retail-Gruppe Tegut durch die Genossenschaft Migros Zürich 2013.

    Auch in andere Schweizer Gebiete dürfen sich die regionalen Genossenschaften ausbreiten. Das Restaurant-Konzept «cha chà» für thailändisches Essen der Berner Migros Aare zum Beispiel gibt es mittlerweile auch in St. Gallen, Zürich oder Winterthur. Und die Activ-Fitness-Kette – eine Tochtergesellschaft der Migros Zürich – ist in der ganzen Schweiz vertreten.
(fko)

Erstellt: 16.03.2017, 17:37 Uhr

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