Wenn die Post auf rechtspopulistischen Medien wirbt

Breitbart News ist das Sprachrohr der äussersten Rechten der USA. Auf der Seite werben auch Schweizer Firmen – wohl unbewusst.

Gelbe Botschaft auf braunem Grund: Postfinance auf der umstrittenen Website Breitbart News.

Gelbe Botschaft auf braunem Grund: Postfinance auf der umstrittenen Website Breitbart News. Bild: Screenshot/TA

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Breitbart News ist gegen alles, was liberal ist. Mächtige, Minderheiten, Immigranten, Frauenrechte, Hillary Clinton – die amerikanische Nachrichtensite wettert dagegen. Ihre Artikel versieht sie mit Titeln wie «Geburtenkontrolle macht Frauen unattraktiv und verrückt», «Hängt sie hoch und stolz: Die Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika steht für ein glorreiches Erbe» oder «Es gibt keine Diskriminierung von Frauen in der Techbranche, sie sind einfach scheisse bei Einstellungsgesprächen».

Breitbart News hat damit Erfolg. 31 Millionen Menschen lesen die oftmals tendenziösen Berichte pro Monat. Damit gehört die rechtspopulistische Website zu den 35 grössten Newsangeboten der USA. Kein Wunder hat der gewählte Präsident Donald Trump Chefredaktor Stephen Bannon erst zu seinem Wahlkampfstrategen und nun zu seinem Berater gemacht. Breitbart News wurde spätestens dadurch auch in Europa bekannt. Immer mehr Nutzer auch aus der Schweiz besuchen die Seite – und treffen dort auf Werbung von heimischen Firmen.

Post, Sympany, Salt

Das sorgt auf sozialen Medien derzeit für Entrüstungsstürme. Besonders aufgefallen ist die Post. Der Staatskonzern wirbt auf Breitbart News für einen Wettbewerb, bei dem es einen Einkaufsgutschein zu gewinnen gibt. Er ist in bester Gesellschaft. Der Telekommunikationsanbieter Salt preist die Weihnachtsaktion für sein Einsteigerabo, die Krankenkasse Sympany ihre Grundversicherung, der Carsharing-Dienst Mobility sein Studentenangebot. Viele von ihnen wissen wohl nicht einmal, wo sie da erscheinen.

Möglich machen das globale Werbenetzwerke wie Ad Words von Google. Unternehmen schalten dort Anzeigen zu sehr tiefen Preisen. Sie können dabei festlegen, an welche Nutzer sie sich richten wollen – gefiltert beispielsweise nach Sprache, Wohnort, Alter oder Geschlecht. Ebenso ist es möglich, Websites oder gewisse Umfelder wie erotische Portale oder Onlinecasinos auszuschliessen. Das Ziel ist klar: Die Nutzer mit der Reklame dort erreichen, wo sie sich gerade befinden – eben auch auf amerikanischen Websites.

Kontrolle aufwendig

Nicht alle Werbetreibenden machen aber ihre Hausaufgaben. «Viele Unternehmen und Werbetreibende machen sich zu wenig Gedanken, wo ihre Anzeigen überall erscheinen könnten», sagt Beat Muttenzer, Chef der Zürcher Digitalagentur Yourposition, die sich auf Suchmaschinenmarketing spezialisiert. Um solche Fälle zu verhindern, müsse man stets dranbleiben. Das sei ein grosser Aufwand, so der Experte. «Wir liefern die Werbung nach Personenprofilen und nicht nach Webseiten aus», erklärt eine Sprecherin der Post. Im Falle Breitbart News habe man aber regiert und die Seite auf eine Sperrliste gesetzt.

Die Firmen sind nicht ganz unschuldig daran, dass ihre Anzeigen auch auf weniger seriösen Seiten angezeigt werden. «Immer öfter verlangen die Werbetreibenden möglichst tiefe Inseratepreise. Dadurch werden die Inserate dann möglicherweise auch auf weniger hochwertigen Seiten und Platzierungen ausgespielt», so Muttenzer. Wenn dann auch noch die Kontrolle nicht ganz so strikt ist wie möglich, passierten Fälle wie bei Post und Co. auf Breitbart.

Breitbart News gesperrt

Dass Breitbart News ein heikles Umfeld ist, zeigt ein Schritt von App Nexus, einem grossen amerikanischen Werbenetzwerk. Es hat dieser Tage die Website wegen Verstoss gegen die eigenen Richtlinien in Bezug auf sogenannten Hate Speech – also Hasstiraden gegen bestimmte Personen oder Personengruppen – gesperrt. «Wir haben die Website überprüft. Dabei kamen wir zum Schluss, dass es genug Artikel gibt, welche die rote Linie überschreiten», so ein Sprecher zum Fachportal «Advertsing Age». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2016, 17:27 Uhr

Artikel zum Thema

«Ein Rassist, ein ekliger Propagandist»

Donald Trumps gestriger Personalentscheid ruft in den USA grosse Empörung hervor. Die Reaktionen. Mehr...

Mit brutaler Polemik ins Weisse Haus

Porträt Dieser Entscheid Trumps lässt viele in den USA erschauern. Der ultrarechte Heisssporn Stephen Bannon wird Chefstratege des Präsidenten. Warum ist Bannon so gefürchtet? Mehr...

Trumps Chefstratege: «Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht.»

Bei seiner Politik würde er sich an der Finsternis von «Krieg der Sterne» orientieren, meint Trumps umstrittener Chefstratege Stephen Bannon. Mehr...

Blogs

Von Kopf bis Fuss Warum Dr. Google nicht so schlecht ist

Blog Mag Perfekte Angebote?

Werbung

Hudora Trampolin

Das Hüpfvergnügen für den Garten für Gross und Klein mit dem Supertrampolin! Im OTTO’S Webshop!

Die Welt in Bildern

Hinter den Kulissen: Models werden an der Moskauer Fashion Week geschminkt uns posieren für Selfies (24. März 2017).
(Bild: Maxim Shipenkov) Mehr...