Vom Coop-Filialleiter zum Migros-Chef

Wie Fabrice Zumbrunnen zum neuen Boss der Migros wurde.

Bereits seit 1996 für die Migros tätig: Der neue Chef Fabrice Zumbrunnen. Foto: zvg Migros

Bereits seit 1996 für die Migros tätig: Der neue Chef Fabrice Zumbrunnen. Foto: zvg Migros

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Seit absehbar ist, dass Herbert Bolliger den Chefposten der Migros altershalber dieses Jahr abtreten wird, galt Fabrice Zumbrunnen zwar als einer der Anwärter für seine Nachfolge. In der Öffentlichkeit als Favorit gehandelt wurde er aber nicht. In allen Medienberichten zur Wahl des neuen Migros-Chefs war stets von Jörg Blunschi, Chef der Migros-Genossenschaft Zürich, als Kandidat mit den grössten Chancen die Rede.

Über die Gründe für diese Fehleinschätzung kann lediglich spekuliert werden. Sie mag mit dem undurchsichtigen Wahlprozedere der Migros zusammenhängen. Nicht einmal die 23-köpfige Verwaltung, quasi der Verwaltungsrat der Migros, kannte offenbar im Vorfeld ihrer heutigen Sitzung die Liste der Kandidaten. Angesichts der Diskretion in diesem Ausmass nennen Journalisten und Branchenkenner dann halt jenen Namen, der am ehesten auf der Hand liegt. Zwar suchten weder Blunschi noch Zumbrunnen in den letzten Jahren das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Über Blunschis Leistungsausweis ist aber definitiv mehr bekannt: Unter seiner Führung holte die Migros Zürich etwa den deutschen Biosupermarkt Alnatura und dessen Produktepalette in die Schweiz. Auch expandierte seine Genossenschaft mit dem Kauf der Detailhandelskette Tegut nach Deutschland. Kurz und gut: Es schien, dass Blunschi mit seinem Elan die ideale Besetzung für den Chefsessel des Migros-Genossenschaftsbundes wäre.

Seit 1996 im Haus

Heute um 13 Uhr war indes klar, dass es Zumbrunnen sein wird, der einen der wichtigsten Posten im Schweizer Handel einnehmen wird. Fabrice Zumbrunnen ist öffentlich bisher wenig in Erscheinung getreten. Für die Migros tätig ist der 47-Jährige bereits seit 1996. Damals trat er in die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg ein, wo er zuerst Projektleiter und Ausbildner war und danach die Karriereleiter emporkletterte. Von 2005 bis 2012 war er schliesslich der Geschäftsleiter der Migros Neuenburg-Freiburg. Dann folgte der Wechsel zum Genossenschaftsbund: 2012 übernahm er die Leitung des Bereich Personal, Kulturelles und Soziales und trat in die Generaldirektion ein.

In seiner Position ist Zumbrunnen unter anderem auch für das Engagement der Migros im Gesundheitsbereich verantwortlich. Diesen hat die Migros für sich als Wachstumsmarkt identifiziert: Vor rund anderthalb Jahren hat sie beispielsweise eine Mehrheitsbeteiligung an den 23 Arztpraxen von Santémed gekauft. Zudem betreibt sie rund 100 Fitnesszentren und kontrolliert seit gut sechs Jahren den Gesundheitsdienstleister Medbase. Für den Kunden sichtbar wurde dieses breite Engagement Anfang dieses Jahres mit der Lancierung der Impuls-Plattform, mit der der Grossverteiler im Internet all seine Gesundheitsangebote miteinander verknüpft.

Ob allerdings Zumbrunnens Know-how im Gesundheitsbereich schliesslich auschlaggebend war, dass er ab kommendem Jahr das Amt des Konzernchefs übernehmen wird, bleibe dahingestellt. Auf alle Fälle kennt sich Zumbrunnen mit seiner Vergangenheit in der eher kleinen Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg auch mit dem klassischen Migros-Geschäft gut aus. Unter seiner Führung hatten sich die Zahlen der Genossenschaft trotz neuer Konkurrenz von Aldi und Lidl jedenfalls positiv entwickelt. Ein Blick in den Lebenslauf von Zumbrunnen zeigt zudem: Selbst den Konkurrenten Coop kennt der künftige Migros-Chef von innen. Zumindest ein bisschen. Nach seinem Wirtschaftsstudium an der Universität Neuenburg fand Zumbrunnen nämlich 1993 seinen Berufseinstieg als Filialleiter bei Coop in La-Chaux-de-Fonds. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2017, 16:12 Uhr

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