VW will bis zu 30'000 Stellen streichen

Ein sogenannter Zukunftspakt soll dem angeschlagenen Autobauer aus der Krise helfen.

Alle Standorte sollen erhalten bleiben: Produktion eines VW Tiguan in Wolfsburg. (Archivbild)

Alle Standorte sollen erhalten bleiben: Produktion eines VW Tiguan in Wolfsburg. (Archivbild) Bild: Keystone

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Volkswagen lanciert ein milliardenschweres Sparprogramm. Gleichzeitig will der Autohersteller in zukunftsträchtige Technologien investieren. Der Neuausrichtung dürften unter dem Strich gut 20'000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen.

Bis zu 30'000 Stellen dürften in den kommenden Jahren weltweit wegfallen, die meisten davon in Deutschland. So will der Konzern die Kosten um fast vier Milliarden Euro pro Jahr drücken.

«Zukunftspakt»

Zumindest ein Teil der Einsparungen will der Konzern in die Digitalisierung und die Entwicklung von Elektromotoren investieren. Dadurch sollen rund 9000 neue Jobs entstehen.

Entlassungen sind im sogenannten Zukunftspakt, den die Konzernleitung und der Betriebsrat am Freitag vorgestellt haben, nicht vorgesehen. Auch sollen keine Standorte geschlossen werden. Der Abbau wird über natürliche Abgänge, Frühpensionierungen und mehr Teilzeitarbeit angestrebt. Der Kündigungsschutz bis 2015 gilt aber nicht für die vielen Leiharbeiter, die von VW beschäftigt werden. Viele von ihnen müssen sich wohl eine neue Stelle suchen.

Müller bringt Durchbruch

Management und Betriebsrat hatten monatelang um die Einigung gerungen. Zuletzt habe Konzernchef Matthias Müller den Knoten durchschlagen, erklärte Betriebsratschef Bernd Osterloh am Freitag.

VW-Markenchef Herbert Diess betonte: «Dieser Pakt ist für Volkswagen ein grosser Schritt nach vorne, sicherlich einer der grössten in der Geschichte des Konzerns.» Bisher sei VW nicht gewappnet gewesen für den Wandel, bei der Produktivität habe man an Boden verloren. Bei der Rendite sei der Konzern weit abgeschlagen. «Volkswagen muss schnell wieder Geld verdienen und sich für den Zukunftssturm wappnen.»

Und Konzernchef Matthias Müller betonte: «Der Zukunftspakt ist das grösste Modernisierungsprogramm in der Geschichte unserer Kernmarke.» Er ermögliche vor allem einen Transformationsprozess mit Blick auf die Zukunftsthemen Elektromobilität und Digitalisierung. «Uns allen ist bewusst: Die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt», sagte er.

Ehrgeiziges Renditeziel

Im Zukunftspakt geht es vor allem um die angeschlagene Hauptmarke Volkswagen. Diese wandelt nicht erst seit dem Abgas-Skandal gefährlich nahe an der Verlustzone. Das Flaggschiff beschäftigt weltweit an rund 30 Standorten mehr als 200'000 Mitarbeitende, davon 114'000 in Deutschland.

Von 100 Euro Umsatz blieben in den ersten neun Monaten nur rund 1,60 Euro als Gewinn vor Zinsen und Steuern hängen - zu wenig für die Ansprüche des Weltkonzerns. Markenchef Herbert Diess will die Umsatzrendite in den kommenden Jahren nun mehr als verdoppeln.

Fokus auf Elektroautos

Neben dem Stellenabbau soll dieses Ziel auch mit zusätzlichen Investitionen erreicht werden. 3,5 Milliarden Euro sieht die Vereinbarung für die kommenden Jahre vor, unter anderem für die Entwicklung neuer Elektroautos. Diese Umstellung führt zu weniger Beschäftigung, da Verbrennungsmotoren mit viel mehr Personal gebaut werden als Elektromotoren.

Wie andere Hersteller sieht sich Volkswagen mit gewaltigen Veränderungen auf dem Automarkt konfrontiert. Experten schätzen, dass im Jahr 2025 der Anteil von E-Autos bis zu einem Viertel der Neuwagen ausmachen könnten.

Auch Erzrivale Toyota will deshalb sein Engagement bei Elektroautos ausbauen. Der japanische Konzern gab unlängst die Gründung einer internen Entwicklungsabteilung bekannt. Er hat sich bisher im Bereich der alternativen Motoren vor allem auf Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb konzentriert, nahm unlängst aber die Entwicklung von Elektroautos stärker ins Visier. (woz/SDA)

Erstellt: 18.11.2016, 07:44 Uhr

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