Mensch verliert, Maschine gewinnt

Auch im dritten und entscheidenden Match hat der Spielecomputer AlphaGo den Südkoreaner Lee Sedol im asiatischen Strategiespiel Go geschlagen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Lee Sedol beim Aufarbeiten der Niederlage. (12. März 2016)

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Lee Sedol beim Aufarbeiten der Niederlage. (12. März 2016) Bild: Lee Jin-man/Keystone

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Computer 3, Mensch 0. Den spektakulären Kräftevergleich zwischen Mensch und Computer im verzwickten Brettspiel Go hat die Google-Software AlphaGo vorzeitig für sich entschieden.

Das Programm besiegte heute in Seoul auch im dritten der fünf angesetzten Duelle den Südkoreaner Lee Sedol. Der 33-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren Profi und war 18 Mal Weltmeister. Lee geriet am Ende in Zeitnot und gab nach mehr als vier Stunden auf. Er entschuldigte sich hinterher bei seinen Fans, er habe die Erwartungen nicht erfüllt: «Ich war machtlos.» Trotzdem will er auch die zwei nun bedeutungslosen letzten Spiele am Sonntag und Dienstag gegen den Rechner bestreiten. «Die heutige Niederlage war eine von Lee Sedol, nicht der Menschheit», sagte er.

Ungläubiges Staunen

Hunderttausende Südkoreaner verfolgten die Serie der Spiele live im Fernsehen oder auf Youtube. Seine erneute Niederlage brachte den Glauben von Go-Fans ins Wanken, dass das Spiel zu komplex für Rechner sein und deshalb Menschen vorbehalten bleibe. Einige dachten, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern werde, bis Computer menschliche Go-Spieler schlagen könnten. Doch hält sich die Software im Spiel nicht an menschliche Kategorien: Experten zeigten sich verwundert über die ungewöhnlichen Züge, die auf den ersten Blick teils gar keinen Sinn ergaben.

Ganz aufgegeben hat sich Lee aber noch nicht. Da die Serie nun entschieden sei, könne er bei den beiden letzten Spielen doch noch eine Chance haben, sagte der junge Mann bei einer Pressekonferenz. Denn «der psychologische Aspekt spielt bei Menschen eine Rolle».

Stolzer Google-Chef

Go mit seinen vielen möglichen Spielzügen galt bis zuletzt als zu komplex für Computer. Zwar hatte AlphaGo schon im Oktober für Schlagzeilen gesorgt, als es den Europameister Fan Hui mit 5:0 deklassiert hatte. Doch gehört dieser nicht wie Lee Sedol zur Weltspitze.

Google-Mitgründer Sergey Brin schaute sich das dritte Match in Seoul an. Er beschrieb Go als wunderschönes Spiel und zeigte sich begeistert, dass sein Unternehmen «diese Schönheit in unseren Computern» habe verankern können.

Go gilt als weit komplizierter als Schach. Zwei Spieler ziehen abwechselnd mit weissen und schwarzen Steinen auf einem Spielfeld mit 19 mal 19 Feldern. Ziel ist, mit den Steinen mehr Territorium abzustecken als der Gegner. Auf dem Brett mit 361 Feldern ist aber eine gewaltige Zahl von Zügen möglich, was es selbst für einen leistungsstarken Computer schwierig macht, die Entwicklung des Spiels durchzurechnen.

AlphaGo wurde bei der britischen Firma DeepMind entwickelt, die Google vor gut zwei Jahren gekauft hatte, laut Medienberichten für 500 Millionen Dollar. (nag/sda)

Erstellt: 12.03.2016, 17:22 Uhr

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