3270 Studierende kämpfen um 713 Plätze

Medizinberufe sind beliebt: Bei den vier Schweizer Universitäten mit dem Numerus clausus übersteigen die Anmeldungen die Kapazität bei weitem – in Zürich sogar um 359 Prozent.

Mit einem Eignungstest wird selektioniert: Eine junge Frau in der Ausbildung in einem Praxislabor.

Mit einem Eignungstest wird selektioniert: Eine junge Frau in der Ausbildung in einem Praxislabor. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auch für das Studienjahr 2013/2014 übersteigen die Anmeldungen für ein Medizinstudium die Aufnahmekapazitäten der Universitäten – in der Humanmedizin beispielsweise um mehr als das Vierfache. Die Schweizerische Universitätskonferenz (SUK) empfiehlt deshalb, den Zugang auch heuer zu beschränken.

An den vier Universitäten mit Numerus clausus – Basel, Bern, Freiburg und Zürich – haben sich nach einer SUK-Mitteilung vom Montag für die Humanmedizin 3270 Personen angemeldet – bei einer Aufnahmekapazität von 713.

396 Anmeldungen sind für ein Studium der Zahnmedizin eingegangen, aber nur 139 können aufgenommen werden; der Überhang beträgt somit 185 Prozent. Bei der Veterinärmedizin stehen 478 Anmeldungen 150 Studienplätze gegenüber (Überhang 219 Prozent).

Selektion durch Eignungstests

Die vier Universitäten führen deshalb am 5. Juli für die Bewerber aller drei Studiengänge einen Eignungstest in deutscher, französischer und italienischer Sprache durch. Denn trotz der voraussehbaren Rückzüge von rund 20 Prozent der Bewerbungen noch vor dem Testtermin ist mit einer Überschreitung der Aufnahmekapazität zu rechnen. Diese vier Institutionen führen diese Form des Auswahlverfahrens seit 1998 durch.

An der Universität Genf werden die Aufnahmekapazitäten bei der Humanmedizin nur um 32 Prozent überschritten. Auf einen Eignungstest wird hier verzichtet, im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen der Test allerdings nur als Hinweis, nicht als Selektionskriterium diente. Auch an den Universitäten Lausanne (80 Prozent) und Neuenburg (82 Prozent) werden die Aufnahmekapazitäten überschritten.

Wahl der Spezialisierung ist das Problem

Das Hauptproblem in der Schweiz ist nicht die Zahl der Abschlüsse, sondern die Wahl der Spezialisierung. Eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze würde laut SUK in keiner Weise garantieren, dass sich die – notabene mit hohen Kostenfolgen – ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte jenen Spezialisierungen zuwenden, bei denen der Mangel am deutlichsten zu spüren ist, wie zum Beispiel in der Hausarztmedizin oder in der Psychiatrie.

Um die Praxiseröffnungen von Spezialärzten auf bereits überdotierten medizinischen Gebieten einzuschränken, will der Bundesrat per Anfang April 2013 eine Neuauflage des Ärztestopps durchsetzen. Das heisst, die Kantone sollen die Zahl der Praxisbewilligungen nach Bedarf beschränken können.

Zulassungsstopp

Letzte Woche stimmte der Nationalrat dieser Massnahme bereits zu. Diesen Dienstag befasst sich der Ständerat damit. Dessen Gesundheitskommission empfiehlt – mit hauchdünner Mehrheit – die Rückweisung an den Bundesrat. Einen solchen Rückweisungsantrag hatte die grosse Kammer letzte Woche nur relativ knapp mit 94 zu 89 Stimmen bei 2 Enthaltungen verworfen.

Mit der Rückweisung wollten SVP und FDP vom Bundesrat verlangen, innert zwei Jahren Alternativvorschläge zur Zulassungsbeschränkung zu präsentieren. Es gehe nicht an, ein Instrument, das seit 2002 bereits mehrmals verlängert und stets als provisorisch bezeichnet worden sei, erneut einzuführen, argumentierten die Antragssteller. Gegen die Zulassungsbeschränkung wenden sich auch die Ärzte. (wid/sda)

(Erstellt: 11.03.2013, 12:20 Uhr)

Artikel zum Thema

Zürich und das Tessin planen ein gemeinsames Medizinstudium

Frühestens ab 2014 können Medizinstudenten ihre Masterausbildung im Tessin absolvieren. Mittelfristig sollen so 100 neue Studienplätze entstehen. Mehr...

Numerus clausus bleibt – trotz Ärztemangel

Auch für das Studienjahr 2010/2011 beschränken die Universitäten Bern, Zürich, Basel und Freiburg den Zugang zum Medizinstudium. Berufsverbände beklagen sich heftig. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zum Schutz der Alpen: Eine Frau mit einem roten Ballon steht in der Naehe des Nordportals des Gotthard-Basistunnels anlaesslich der Aktion der Alpen-Initiative 'Weil wir die Alpen lieben'. (8. Dezember 2016)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...