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Aktualisiert am 02.11.2011

Eine KV-Lehre im Bereich Öffentlicher Verkehr braucht Organisationstalent

<b>Hat den Überblick.</b> Jeanine Schlachter hält die Postauto-Chauffeure auf dem Laufenden.

Hat den Überblick. Jeanine Schlachter hält die Postauto-Chauffeure auf dem Laufenden.
Bild: Roland Schmid

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Wohin sind die Fahrzeuge unterwegs, wann arbeiten die Chauffeure – und wie passt das mit dem Fahrplan zusammen? Im Beruf von Jeanine Schlachter ist es wichtig, den Überblick zu behalten. «Es ist faszinierend, wie alles ineinandergreift », sagt die 17-Jährige aus Möhlin, die derzeit im zweiten Lehrjahr zur Kauffrau Öffentlicher Verkehr steht. Dabei lernt sie die Verkehrsträger der ganzen Schweiz kennen, insbesondere aber ihren Arbeitgeber, Postauto Schweiz.
Zwei Tage pro Woche verbringt sie in der Berufsfachschule in Basel, um sich parallel zur praktischen Ausbildung auf die Berufsmatura vorzubereiten, drei Tage im Büro. Abgerundet wird das Programm durch überbetriebliche Kurse des Ausbildungsverbunds Login (vgl. Seite 23), die in Zürich stattfinden. In diesen Kursen steht Branchenkunde im Bereich Verkehr auf dem Lehrplan. In internen Schulungen der Post lernt die Auszubildende zudem ihr Unternehmen eingehend kennen.

Vom Sekretariat in den Verkauf
Nicht nur für anspruchsvollen Input, auch für Abwechslung ist gesorgt: Durch das Rotationsprinzip wechselt Jeanine Schlachter alle sechs Monate Arbeitsbereich und Standort und erhält so einen Einblick in die verschiedenen Einsatzgebiete ihres Arbeitgebers.
Nachdem sie in einem einwöchigen Lager zuerst alle 100 neuen Lehrlinge des Unternehmens kennen gelernt hatte, arbeitete sie im Postauto-Sekretariat in Basel.
Derzeit erledigt sie im Betrieb in Gelterkinden jeweils von 8 bis 17 Uhr die anfallenden Arbeiten. Weitere Stationen werden sie über die Verkaufsstelle in Bern auch nach Aarau in die Finanzabteilung führen.
Immer wiederkehrendes Element ist dabei der Kundenkontakt, wobei man bei Postauto zwischen drei Kundengruppen unterscheidet: Da sind die Besteller von Verkehrslösungen wie etwa Kantone, dann die Fahrgäste und schliesslich die Chauffeure und Chauffeusen. Schlachter hat vor allem mit den Fahrgästen zu tun. Darunter hat es natürlich auch solche, die sich bei ihr beschweren. Ist das nicht mühsam? Die Auszubildende meint diplomatisch: «Es ist spannend, die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden kennen zu lernen. » Wie man mit solchen Situationen professionell umgeht, lernt sie mithilfe von Präsentationen und Rollenspielen in der Berufsfachschule. Schlachter schätzt den direkten Kundenkontakt. In Gelterkinden beispielsweise erledigt sie auch Platzreservationen. Kommt etwa eine Anfrage einer Schulgruppe für eine Fahrt von Gelterkinden nach Rheinfelden herein, überprüft Schlachter die Zahl der angemeldeten Personen, Datum, Strecke und die gewünschte Uhrzeit.
Diese Informationen gleicht sie im Personaleinsatzsystem mit dem Dienstplan ab. Dem Chauffeur, der Dienst hat, wenn die Gruppe unterwegs sein wird, legt Schlachter eine entsprechende Nachricht ins Postfach. Wenn sich zu viele Gruppen zur gleichen Zeit anmelden, organisiert sie einen Zusatzkurs. Manchmal hilft es auch, die Kunden zu bitten, auf Zeiten auszuweichen, in denen keine Pendler unterwegs sind. «Das verstehen die meisten sehr gut», sagt Schlachter.
Immer wieder finden die Chauffeure in ihren Bussen vergessene Regenschirme, einzelne Handschuhe, Jacken oder Sporttaschen. Diese Fundgegenstände erfasst die Auszubildende mit Funddatum in einer Excel-Tabelle. Was innerhalb eines Monats nicht als vermisst gemeldet wird, kommt ins Lager nach Basel. Schlachter nimmt auch Verlustmeldungen von Fahrgästen auf. Je schneller die Meldung gemacht wird, desto eher kann sie den Chauffeur benachrichtigen und desto grösser ist die Chance, dass der vermisste Gegenstand gefunden wird.

Bauarbeiten unterwegs
Auch über aktuelle Baustellen weiss Jeanine Schlachter bestens Bescheid: Einerseits muss sie die Chauffeure über Bauarbeiten auf den verschiedenen Routen informieren, andererseits die Fahrgäste vorwarnen, etwa wenn Haltestellen vorübergehend versetzt werden.
Nach Abschluss ihrer Lehre wird Jeanine Schlachter in allen Bereichen, die sie während ihrer Ausbildung durchlaufen hat, einsetzbar sein. Doch Esther Berger, Leiterin des Sekretariats in Basel und Betreuerin von Schlachter, legt den Auszubildenden nahe, sich gleich nach der Abschlussprüfung mit Weiterbildungen für zusätzliche Arbeitsgebiete zu qualifizieren und überdies einen anderen Arbeitsort zu wählen, um neue Bereiche kennen zu lernen. Denn die KV-Ausbildung biete eine breite Basis, auf der sich gut aufbauen lasse.
«Wenn jemand eine Berufsmatura absolviert, empfehle ich ausserdem, ein Fachhochschulstudium anzuhängen», sagt Berger. Direkt Facts nach der Lehre sei es einfacher, ins Studentenleben zu wechseln. Wer sich hingegen erst ans Geldverdienen gewöhnt habe, dem falle die Umstellung später unter Umständen schwer.
Wie es für Jeanine Schlachter nach ihrer Ausbildung weitergeht, steht noch nicht fest. Vorerst freut sie sich über ihren vielfältigen Beruf und die Möglichkeit, von den Post-Vergünstigungen zu profitieren: Das Gratis-GA ihres Arbeitgebers nutzt sie jeden Tag für den Weg von Möhlin an die verschiedenen Einsatzorte.

Erstellt: 01.11.2011, 15:34 Uhr

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