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Die Gleisbauer rotten sich zusammen

Aktualisiert am 02.11.2011

Wer an Unterhalt und Wartung des Zugschienennetzes arbeitet, ist ohne Teamarbeit aufgeschmissen.

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Muttenz. Selbst an einem durchschnittlich warmen Herbsttag flirrt die Hitze über dem Arbeitsplatz von Andy Meier und die Temperaturen lassen eher auf Hochsommer schliessen. Und jetzt ist auch noch Schweissen angesagt: Auf dem Streckenabschnitt Basel–Muttenz des SBB-Schienennetzes stehen Reparaturen auf dem Arbeitsplan und Gleisbauer- Lehrling Meier packt tatkräftig mit an. Funken sprühen auf Metall, mit der Schottergabel – einem grobzinkigen Rechen – wird der Schotter um die bereits reparierten Gleise wieder richtig verteilt. Dass er dabei ganz schön ins Schwitzen gerät und dafür an anderen Tagen auch bei Schneetreiben und Frosttemperaturen im Freien ist, macht dem 19-Jährigen überhaupt nichts aus. Ganz im Gegenteil: «Ich wollte unbedingt einen Beruf, bei dem ich draussen arbeiten kann. Das macht mir auch bei Regen Spass», sagt er.

Unkraut abflammen
Witterungsempfindlich sollte man für diesen Beruf tatsächlich nicht sein, bestätigt Rolf Gass, Vorarbeiter Infrastruktur Instandhaltung Region Mitte in der Niederlassung Basel. Denn weil die Gleisbauer auch für Unterhalt und Pflege der Gleisumgebung zuständig sind, kann es vorkommen, dass sie im Winter mitten in der Nacht ausrücken müssen, um einen Streckenabschnitt vom Schnee zu befreien. Oder bei praller Sommersonne an Böschungen Unkraut abflammen. Die vielseitigen Aufgaben als Gleisbauer lassen dafür aber auch keine Langweile aufkommen: Positionierung von Sicherheitssignalen, Materialbestellung und Auftragsvorbereitung, Aushub- oder Entwässerungsarbeiten sind nur einige der vielen Einsatzmöglichkeiten für die Macher auf den Schienen. Rund 5000 Kilometer Bahngleise in der ganzen Schweiz gilt es schliesslich zu warten, mit Ersatzarbeiten instand zu halten und mit neuen Teilstücken zu erweitern. Da geht die Arbeit nicht so schnell aus – gelernte Gleisbauer sind denn auch gesuchte Fachleute.
Besonders gut gefällt Andy Meier neben der frischen Luft am Arbeitsplatz auch die Arbeit im Team. Dieses heisst im Gleisbauer-Jargon «Rotte» und wird täglich morgens um sieben für die anstehenden Arbeiten eingeteilt und dann mit Bus oder Gleisfahrzeug zum Einsatzort gefahren.
«In unserem Beruf ist Teamarbeit ganz wichtig», sagt der angehende Gleisbauer im zweiten von insgesamt drei Lehrjahren, «fast nichts geht hier alleine.» Neben Teamfähigkeit, der Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten und einer robusten Konstitution ist für Meier und seine Kollegen auch exaktes Arbeiten wichtig. Denn Gleisbau ist auch Präzisionsarbeit. Bei Reparatur- oder Montagearbeiten müssen die schweren Bauteile korrekt abgemessen und verlegt werden, die Arbeit mit Schweissgeräten und Spezialmaschinen erfordert entsprechendes Fachwissen. Dieses eignen sich die Lehrlinge im Gleisbau-Team des Ausbildungsverbundes «login» (siehe --------Text Seite 23------) an. Die Gleisbauer, die mit Strassenbauern, Pflästerern und anderen Berufsleuten dem Fachbereich «Verkehrswegbau » zugeteilt sind, lernen am Anfang der Lehre im Basishalbjahr erst einmal jede Menge theoretisches Wissen. Danach wird die Berufsschule in mehrwöchigen Blöcken und Vertiefungskursen absolviert. Der schulische Schwerpunkt liegt im praktischen und mathematischen Bereich, Voraussetzung ist die abgeschlossene Volksschule.

Bis zur Fachhochschule
Ebenso gut wie die Berufsaussichten sind für gelernte Gleisbauer die Weiterbildungsmöglichkeiten. Nach der Lehre fasst Andy Meier denn auch bereits die Ausbildung Facts zum Vorarbeiter ins Auge, andere weiterführende Ausbildungsangebote führen via Baupolierschule bis zum Fachhochschulstudium. Grossgeschrieben wird in der Ausbildung die Sicherheit am Arbeitsplatz – für Gleis- und Strassenbauer besonders wichtig. Lehrling Andy Meier ist sich der Gefahren auf den Schienen bewusst: «Sicherheit ist das A und O in diesem Beruf», bestätigt er. «Man darf keinen Moment gleichgültig sein.» Bereits in der Schnupperlehre werde dies den angehenden Gleisbauern deutlich gemacht und wie seine ganze «Rotte» geht auch er selbstverständlich niemals ohne die orangefarbene Schutzkleidung samt Helm zur Arbeit – ob bei Hitze oder Kälte.

Erstellt: 01.11.2011, 13:00 Uhr

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