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Richtig führen will gelernt sein
"Manager mögen kompetent sein. Aber wenn sie nicht gute Führer sind, reagieren die Mitarbeiter nicht auf ihr Management, und sie werden keine hohe Qualität in ihrer Organisation haben." Das Zitat des US- Generals H. Norman Schwarzkopf zeigt ziemlich genau auf, wie wichtig gute Führung in einem Unternehmen ist. Denn engagierte und leistungsfähige Mitarbeiter wünscht sich jeder Chef - in welchem Umfang sich diese für die Firma einsetzen, hängt jedoch in entscheidendem Mass vom Verhalten der Führungskraft selbst ab. "In jedem Unternehmen gibt es eine eigene Kultur der Personalführung", sagt Werner Finck von Human Resources Management Consulting in Chur.
Der ehemalige oberste Leiter Human Resources bei der EMS-Chemie bietet Management-Schulung, Beratung und Coaching im Bereich Personalführung an. Grundsätzlich muss für Finck ein Personalleiter ehrlich sein und offen kommunizieren können. Mut zu kalkulierbarem Risiko, Gradlinigkeit und Berechenbarkeit zeichnen eine Führungskraft ebenfalls aus.
"Soft"-Kompetenzen
Laut Finck hat sich die Personalführung in den letzten Jahren stark verändert: "Früher war der Personalchef Dienstleister. Heute trägt er im Personalwesen zunehmend Mitverantwortung bei der Wertschöpfung." Fällt das Unternehmensergebnis schlecht aus, merkt auch das Human Resources, was eine falsche Rekrutierung kosten.
Von der guten Führung eines Teams hängt somit ein grosser Teil des Erfolgs einer Firma ab. Entsprechend wichtig ist für Führungskräfte eine gute Aus- oder Weiterbildung. Das Angebot ist breit und reicht vom mehrtägigen Coaching-Kurs bis hin zum Zertifikatskurs zur Entwicklung von Führungskompetenzen an Fachhochschulen. Zu den Inhalten zählen neben der Prozessgestaltung auch Führungstechniken und - methoden. Neben dem Erlernen von Techniken zur Personalselektion oder Potenzialbeurteilung der Mitarbeitenden wird auch an der Persönlichkeitskompetenz der künftigen Führungskräfte gearbeitet.
Ob und inwieweit Führungsqualitäten überhaupt erlernbar oder einfach schlicht angeboren sind, wird laut Rolf Wunderer, emeritierter Professor und Gründer des Instituts für Führung und Personalmanagement an der Universität St. Gallen, auch in der Psychologie breit diskutiert. Der Anteil angeborener beziehungsweise früh geprägter Eigenschaften ist relativ hoch. "Sicher ist, dass man gerade als Führungskraft eine Vorbildrolle hat", sagt Wunderer.
Werner Finck ist überzeugt, dass man den technischen Teil der Kompetenzen - das Handwerk, die Technik und Methoden des Führens - durchaus lernen kann. "Hingegen entwickeln sich die sogenannten "Soft"-Kompetenzen wie Intuition oder Menschenkenntnis bei einigen mit der Zeit und der Erfahrung, bei anderen nie", sagt Werner Finck.
Defizite Ausgleichen
Dabei machen gerade solche Kompetenzen einen guten Chef aus. "Eine Führunsgkraft sollte die Grundmotivation ihrer Teammitglieder möglichst schon bei der Auswahl und später beim Einsatz erkennen können und entsprechend darauf reagieren", sagt Rolf Wunderer.
Das setzt allerdings voraus, dass der Chef selbst motiviert ist. Zudem sollte man die Mitarbeiter möglichst individuell führen und motivieren. Wunderer: "Durch Beobachtung von Arbeitsverhalten und -leistung sowie über Beurteilungen und Qualifikationsgespräche kann man individuell beurteilen und mit den entsprechenden Massnahmen motivieren."
Viele Verhaltensweisen, über die man oft nicht einmal nachdenkt, da sie einem so selbstverständlich erscheinen, führen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Demotivation. Launenhaftes oder willkürliches Verhalten, kaum Verständnis für persönliche Probleme einzelner Teammitglieder oder aber mangelndes Vertrauen können Mitarbeiter verletzen und die Lust an der Arbeit nehmen.
An sich arbeiten
Demotivierende Verhaltensweisen muss man selbst erkennen - Selbstkritik sollte man gerade als gute Führungskraft bestens beherrschen. "Man muss stetig an sich arbeiten", rät Wunderer.
Dabei geht es jedoch nicht nur um das berufliche Können, also die Fachkompetenz, sondern auch um die Verbesserung der Methodenkompetenzen.
Planungs- oder Entscheidungsschwächen lassen sich jedoch nicht so einfach kompensieren. "Auch wenn man sich ernsthaft bemüht, fällt man immer wieder ins alte Verhaltensmuster zurück", weiss Wunderer. "Deshalb ist es wichtig, die eigenen Defizite auch organisatorisch, etwa mit einem fähigen Stellvertreter auszugleichen."
(Basler Zeitung)
Erstellt: 15.03.2010, 15:26 Uhr



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