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Shechtman stürzte ein Dogma der Chemie – keiner glaubte ihm
Aktualisiert am 05.10.2011 13 Kommentare
Der Chemie-Nobelpreis 2011 geht an den in Tel Aviv geborenen Forscher Daniel Shechtman. (Video: Reuters )
Ausgezeichnet: Daniel Shechtman.
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Und sie dreht sich doch. Schon Galileo Galilei stand vor dem existenziellen Problem, mit dem der israelische Physiker Dan Shechtman jahrelang zu kämpfen hatte: Niemand glaubte ihm, statt Anerkennung gab es Hohn und Anfeindungen.
Denn so unorthodoxe Kristall-Strukturen, wie Shechtman sie 1982 durch Zufall in seinem Elektronenmikroskop erblickte, kamen in keinem Lehrbuch vor - es durfte sie also nicht geben. Aber Shechtman hielt fest an seiner Beobachtung. Jetzt bekam er dafür den Chemie- Nobelpreis.
«Sehr, sehr lange gewartet»
Als das Nobel-Komitee ihn davon unterrichtete, gab der 70-jährige Shechtman zu, «sehr, sehr lange» auf diese Auszeichnung gewartet und die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben. Aber: «Ein guter Wissenschafter ist ein bescheidener Wissenschafter.»
In einem Interview mit der israelischen Zeitung «Haaretz» sagte er vor einigen Monaten: «Wenn man sicher ist, dass man recht hat, dann darf man nicht zurückweichen, bis die anderen das Gegenteil nachweisen und dabei Kapitel und Vers zitieren.»
Es gibt bloss Quasi-Wissenschafter
Einer seiner bekanntesten Kritiker war der zweifache Nobelpreis- Träger Linus Pauling gewesen. Der wohl wichtigste Chemiker des 20. Jahrhunderts kritisierte Shechtman auf einem Kongress in den USA öffentlich: «Danny Shechtman erzählt Blödsinn. So etwas wie Quasikristalle gibt es nicht, bloss Quasi-Wissenschafter.»
Shechtmans Frau bekannte am Mittwoch, ihr Mann habe zu den Professoren gehört, über die man sich auf wissenschaftlichen Kongressen heimlich lustig gemacht habe. «Er musste harte Jahre durchleben.» Zur Auszeichnung sagte sie: «Er hat es wirklich verdient. Er hat hart dafür gearbeitet und nicht aufgegeben.»
Ein steiniger Weg zur Anerkennung
Dabei war Shechtman, vom Naturell aus laut Kollegen eher ruhig und professionell als ein revolutionärer Eiferer, zu Beginn selbst sehr skeptisch gewesen und hatte seine Entdeckung vielfach überprüft. Doch die Ergebnisse bestätigten sich - und der Spiessrutenlauf durch die Wissenschaftsgemeinde begann.
Sein eigener Institutschef an der Technischen Hochschule (Technion) in Haifa vertrieb ihn aus der Forschungsgruppe, weil er sie bloss blamiere. Auch als Shechtman zwei Jahre später versuchte, seinen Fund in einem renommierten Fachjournal zu veröffentlichen, kam der Aufsatz postwendend zurück – abgelehnt.
Auch nach der Veröffentlichung des Artikels in einem anderen Journal dauerte es noch Jahre und bedurfte auch der theoretischen Unterstützung durch Mathematiker, bis sich das Wissen in breiten Forscherkreisen durchsetzte.
Begeisterter Musiker und vierfacher Vater
Shechtmans eigener Forscherwille trat schon früh zutage. «Mein Kindheitstraum war, Maschinenbau zu studieren. Ich las Jules Vernes «Geheimnisvolle Insel» als Junge 25 mal. Der Ingenieur dort wusste alles über Mechanik und Physik. Genauso wollte ich werden», erinnerte sich der Forscher im Interview.
Mittlerweile ist Shechtman Vater von vier erwachsenen Kindern und begeisterter Musiker, vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Israel-Preis und dem Wolf-Preis. Er ist Mitglied der Israelischen Nationalen Wissenschaftsakademie und der US National Academy of Engineering. 1981 bis 1983 arbeitete er an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, kehrte dann aber mit seiner Familie nach Haifa zurück. (bru/dapd/sda)
Erstellt: 05.10.2011, 11:54 Uhr
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