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Unterwegs mit 400 PS und viel Geduld

Aktualisiert am 02.11.2011

Lastwagenführer brauchen ein Flair für Technik, Sachverstand im Umgang mit gefährlichen Gütern und Coolness

<b>Schweizweit unterwegs.</b> Andreas Müller fährt im Gegensatz zu Patrick Meier eher längere Strecken.

Schweizweit unterwegs. Andreas Müller fährt im Gegensatz zu Patrick Meier eher längere Strecken.
Bild: Dominik Plüss

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Birsfelden/Arlesheim. Sein Namensschild hinter der Windschutzscheibe ist nicht schwarz-weiss, wie bei den meisten anderen Chauffeuren, sondern königsblau mit gelben Buchstaben. Das ist so, weil Patrick Meier, Lastwagenführer-Lehrling im dritten Lehrjahr beim Transportunternehmen Ernst Moser AG in Birsfelden, ein grosser Fan von schwedischen Scania-Lastwagen ist. Aber auch mit dem deutschen Kranwagenmodell, das er gerade durch die Strassen von Binningen manövriert, ist der 18-Jährige ganz zufrieden. «Lastwagenführer ist schon ein Traumberuf für mich», sagt er und schaltet einen Gang runter, als ein Velofahrer unbekümmert vor ihm über die Strasse fährt.
Der junge Chauffeur bleibt ruhig und konzentriert, auch als er den acht Meter langen Lastwagen später auf der Baustelle rückwärts die enge Strasse hochmanövrieren muss. Und das ganz alleine: Lastwagenführer- Lehrlinge machen den Führerschein der Kategorie C während ihrer Ausbildung, ab 18 Jahren dürfen sie ohne Begleitperson fahren.
Im Schritttempo lenkt Patrick Meier den Kranlastwagen weiter, haarscharf vorbei an salopp im Parkverbot abgestellten Personenwagen. «Es bringt nichts, sich aufzuregen», sagt er und beweist damit, dass er eine der wichtigsten Eigenschaften eines Lastwagenführers mitbringt: die Fähigkeit, auch in Stresssituationen ruhig zu bleiben und einen unaggressiven Fahrstil zu pflegen.

Keine riskanten Manöver
«Wer in der Lastwagenkabine hoch über den meisten anderen Verkehrsteilnehmern Macht ausüben und durch riskante Manöver auffallen will, ist absolut am falschen Platz», sagt Urs Hügin, Fachlehrer für angehende Lastwagenführer und -führerinnen an der Allgemeinen Gewerbeschule Basel (AGB) und selber Chauffeur im Teilpensum.
Der Berufsalltag im Lastwagen erfordert neben technischem Verständnis, der Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten, einem guten Orientierungssinn und einem Flair für Mathematik und Physik auch Freude am Umgang mit verschiedensten Kunden und eine gute körperliche Verfassung.
«Sich den ganzen Tag konzentriert im Verkehr zu bewegen, ist ziemlich anstrengend», bestätigt Patrick Meier. Und mit Transport und Manövrieren alleine ist es längst noch nicht getan. Am Zielort angekommen, wird die Ladung aufoder abgeladen, richtig positioniert und – ganz wichtig – korrekt befestigt.
«Ladungssicherung» steht ebenso auf dem Lehrplan für die angehenden Lastwagenführer in der mechanisch-technischen Abteilung der AGB wie Versicherungsrecht, Kartenlehre oder Fahrzeugkunde. Keinen Platz dagegen, betont Urs Hügin, habe es im Anforderungsprofil für romantische Vorstellungen. «Wer von der grossen Trucker-Freiheit auf endlosen Strassen mit Country- Musik im Hintergrund träumt, wird brutal enttäuscht», weiss der Berufsschullehrer. Der Alltag als Lastwagenführer sei im Gegenteil von zahlreichen Vorschriften und Regeln bestimmt, die es strikt einzuhalten gelte.

House und Pop statt Country
Statt Country and Western hört Andreas Müller denn auch tatsächlich lieber House oder Pop im Autoradio, wenn er für die Arlesheimer Firma Felix Transport AG unterwegs ist. Der 19-Jährige hat die Lehre als Lastwagenführer im August mit Bestnoten abgeschlossen und mit seiner Berufswahl eine Familientradition fortgesetzt: nicht nur seine Grosseltern waren beruflich mit dem Lastwagen unterwegs, sondern bis heute auch der Vater und sämtliche Onkel. Im Gegensatz zu Patrick Meier, der mit seiner Ladung mehrheitlich auf Kurzstrecken in der näheren Umgebung seines Lehrbetriebes unterwegs ist, fährt Andreas Müller die verschiedensten Güter und Materialien zu Destinationen in der ganzen Schweiz.
Die unterschiedlichen Einsatzgebiete richten sich nach der Ausrichtung der Firma: Wer seine Lehre in einem Speditionsunternehmen wie der Felix Transport AG macht, liefert mit dem Anhängerzug meist Stückgut aus – unter anderem Maschinenteile, Papierrollen, Kisten oder beladene Paletten. Patrick Meier dagegen transportiert in der Regel Baumaterial und ist auch mal mit Kipper, Muldenfahrzeug oder Betonmischer unterwegs.
Bei allen Lastwagenführern steht aber die Spezialprüfung für den Transport gefährlicher Güter auf dem Ausbildungsprogramm, denn auch allerlei Chemikalien wie zum Beispiel Chlor, Benzin oder anderes Gefahrgut wird mit Lastwagen von A nach B transportiert.
Facts Basis für die dreijährige Lehre zum Lastwagenführer ist ein guter Realschulabschluss, als Weiterbildungsmöglichkeiten bieten sich unter anderem die Prüfung zum Carführer, Reiseleiter oder Strassentransport- Disponenten an. Mit der Höheren Fachprüfung können sich Lastwagenführer ausserdem zu Betriebsleitern im Strassentransport ausbilden oder an der Fachhochschule Automobiltechnik oder Verkehrssysteme studieren. Ab 2013 soll auch eine zweijährige Attestlehre angeboten werden.
Generell können sich ausgebildete Lastwagenführer über gute Chancen auf dem Stellenmarkt freuen – kompetente Berufsleute sind gefragt. Immer häufiger entscheiden sich auch Frauen für den traditionellen Männerberuf – auch wenn sie noch immer «eher selten» anzutreffen seien, wie die beiden jungen Chauffeure Meier und Müller bestätigen.

www.astag.ch

Erstellt: 01.11.2011, 15:44 Uhr

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