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Unterwegs mit 400 PS und viel Geduld
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Birsfelden/Arlesheim. Sein Namensschild
hinter der Windschutzscheibe
ist nicht schwarz-weiss, wie
bei den meisten anderen Chauffeuren,
sondern königsblau mit gelben
Buchstaben. Das ist so, weil Patrick
Meier, Lastwagenführer-Lehrling im
dritten Lehrjahr beim Transportunternehmen
Ernst Moser AG in Birsfelden,
ein grosser
Fan von schwedischen
Scania-Lastwagen ist. Aber
auch mit dem deutschen Kranwagenmodell,
das er gerade durch die
Strassen von Binningen manövriert,
ist der 18-Jährige ganz zufrieden.
«Lastwagenführer ist schon ein
Traumberuf für mich», sagt er und
schaltet einen Gang runter, als ein
Velofahrer unbekümmert vor ihm
über die Strasse fährt.
Der junge Chauffeur bleibt ruhig
und konzentriert, auch als er den
acht Meter langen Lastwagen später
auf der Baustelle rückwärts die enge
Strasse hochmanövrieren muss. Und
das ganz alleine: Lastwagenführer-
Lehrlinge machen den Führerschein
der Kategorie C während ihrer Ausbildung,
ab 18 Jahren dürfen sie
ohne Begleitperson fahren.
Im Schritttempo lenkt Patrick
Meier den Kranlastwagen weiter,
haarscharf vorbei an salopp im Parkverbot
abgestellten Personenwagen.
«Es bringt nichts, sich aufzuregen»,
sagt er und beweist damit, dass er
eine der wichtigsten Eigenschaften
eines Lastwagenführers mitbringt:
die Fähigkeit, auch in Stresssituationen
ruhig zu bleiben und einen unaggressiven
Fahrstil zu pflegen.
Keine riskanten Manöver
«Wer in der Lastwagenkabine
hoch über den meisten anderen Verkehrsteilnehmern
Macht ausüben
und durch riskante Manöver auffallen
will, ist absolut am falschen
Platz», sagt Urs Hügin, Fachlehrer
für angehende Lastwagenführer und
-führerinnen an der Allgemeinen
Gewerbeschule Basel (AGB) und selber
Chauffeur im Teilpensum.
Der Berufsalltag im Lastwagen
erfordert neben technischem Verständnis,
der Bereitschaft zu unregelmässigen
Arbeitszeiten, einem
guten Orientierungssinn und einem
Flair für Mathematik und Physik
auch Freude am Umgang mit verschiedensten
Kunden und eine gute
körperliche Verfassung.
«Sich den ganzen Tag konzentriert
im Verkehr zu bewegen, ist
ziemlich anstrengend», bestätigt
Patrick Meier. Und mit Transport
und Manövrieren alleine ist es
längst noch nicht getan. Am Zielort
angekommen, wird die Ladung aufoder
abgeladen, richtig positioniert
und – ganz wichtig – korrekt
befestigt.
«Ladungssicherung» steht ebenso
auf dem Lehrplan für die angehenden
Lastwagenführer in der
mechanisch-technischen Abteilung
der AGB wie Versicherungsrecht,
Kartenlehre oder Fahrzeugkunde.
Keinen Platz dagegen, betont Urs
Hügin, habe es im Anforderungsprofil
für romantische Vorstellungen.
«Wer von der grossen Trucker-Freiheit
auf endlosen Strassen mit Country-
Musik im Hintergrund träumt,
wird brutal enttäuscht», weiss der
Berufsschullehrer. Der Alltag als
Lastwagenführer sei im Gegenteil
von zahlreichen Vorschriften und
Regeln bestimmt, die es strikt einzuhalten
gelte.
House und Pop statt Country
Statt Country and Western hört
Andreas Müller denn auch tatsächlich
lieber House oder Pop im Autoradio,
wenn er für die Arlesheimer
Firma Felix Transport AG unterwegs
ist. Der 19-Jährige hat die Lehre als
Lastwagenführer im August mit Bestnoten
abgeschlossen und mit seiner
Berufswahl eine Familientradition
fortgesetzt: nicht nur seine Grosseltern
waren beruflich mit dem Lastwagen
unterwegs, sondern bis heute
auch der Vater und sämtliche Onkel.
Im Gegensatz zu Patrick Meier,
der mit seiner Ladung mehrheitlich
auf Kurzstrecken in der näheren Umgebung
seines Lehrbetriebes unterwegs
ist, fährt Andreas Müller die
verschiedensten Güter und Materialien
zu Destinationen in der ganzen
Schweiz.
Die unterschiedlichen Einsatzgebiete
richten sich nach der Ausrichtung
der Firma: Wer seine Lehre
in einem Speditionsunternehmen
wie der Felix Transport AG macht,
liefert mit dem Anhängerzug meist
Stückgut aus – unter anderem Maschinenteile,
Papierrollen, Kisten
oder beladene Paletten. Patrick Meier
dagegen transportiert in der Regel
Baumaterial und ist auch mal mit
Kipper, Muldenfahrzeug oder Betonmischer
unterwegs.
Bei allen Lastwagenführern steht
aber die Spezialprüfung für den
Transport gefährlicher Güter auf
dem Ausbildungsprogramm, denn
auch allerlei Chemikalien wie zum
Beispiel Chlor, Benzin oder anderes
Gefahrgut wird mit Lastwagen von A
nach B transportiert.
Facts
Basis für die dreijährige Lehre
zum Lastwagenführer ist ein guter
Realschulabschluss, als Weiterbildungsmöglichkeiten
bieten sich unter
anderem die Prüfung zum Carführer,
Reiseleiter oder Strassentransport-
Disponenten an. Mit der
Höheren Fachprüfung können sich
Lastwagenführer ausserdem zu Betriebsleitern
im Strassentransport
ausbilden oder an der Fachhochschule
Automobiltechnik oder Verkehrssysteme
studieren. Ab 2013
soll auch eine zweijährige Attestlehre
angeboten werden.
Generell können sich ausgebildete
Lastwagenführer über gute Chancen
auf dem Stellenmarkt freuen –
kompetente Berufsleute sind gefragt.
Immer häufiger entscheiden sich
auch Frauen für den traditionellen
Männerberuf – auch wenn sie noch
immer «eher selten» anzutreffen
seien,
wie die beiden jungen Chauffeure
Meier und Müller bestätigen.
www.astag.ch
Erstellt: 01.11.2011, 15:44 Uhr
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.






